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Fußball
Leverkusen wäre der Supergau gewesen

Matthias Haack / 20.07.2019, 05:45 Uhr
Neuruppin (moz) Einmal hinter die Kulissen eines Fußball-Bundesligisten blicken. Davon hatte auch David Armbrüster geträumt. Ein halbes Leben lang. Dann kam die Anfrage von Hertha BSC. Gesucht wurde ein Busfahrer, der die Mannschaft zwischen Hotel und Volksparkstadion shuttelt. Armbrüster ist Busfahrer. Und seit 6. Juli um einen unerfüllten Traum ärmer.

Dass ausgerechnet David Armbrüster von der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP) am Steuer des Hertha-Busses saß, hat eine Vorgeschichte: 2018. Als der etatmäßige Fahrer Stephan Behrendt am Morgen des 13. Juli (ein Freitag) zu seinem Arbeitsplatz ging, stellte er fest, dass am Gefährt über Nacht gewütet wurde. In die Frontscheibe gekratzt wurde ein Wort: Union. Mehr als einen Meter lang, fast einen halben Meter hohe fünf Buchstaben. Schaden: etwa 4500 Euro. Die Scheibe wurde gewechselt, der Bus auf dem Gelände des ORP über Nacht abgestellt. Jetzt stieg David Armbrüster ins Spiel ein. Der Neuruppiner Busfahrer kam mit Stephan Behrendt ins Gespräch. Zwei Gleichgesinnte tauschten sich aus.

Mehr noch: Behrendt war frühzeitig darüber informiert, dass Hertha in diesem Jahr erneut sein Trainingslager in Neuruppin austragen werde. Und er wusste, dass Armbrüster innigster Bayer-Fan ist. Der Berliner besorgte während des Bundesliga-Duells ein Trainingsshirt und ein Trikot der Leverkusener. Er übergab es im Juli dem Neuruppiner Kollegen und wies ihn ein, was hinterm Steuer und während des Trainings zu beachten ist. So setzt sich der Tross erst wieder in Bewegung, wenn einer am Fahrer vorbei den Gang betritt: Kommt Team-Manager Nello Di Martino, schließt sich die Tür. Und es liegen Handtücher auf den Sitzen, wenn die verschwitzen Kicker zurückkommen. Sie duschen erst im Hotel. Der Mercedes ist zwar schon neun Jahre alt, hat aber eine Reihe von besonderen Ausstattungen. Dazu zählen abgedunkelte Scheiben, eine Küche im Heck, an jedem Sitzplatz ein Stromanschluss. Im Handling stellt der blaue Bus jedoch nichts Außergewöhnliches für einen Berufskraftfahrer dar.

Auch bei den beiden Ankünften am Stadion und Hotel gab es keine wesentlichen Herausforderungen. Keine Engstellen, keine Fanpulks am Tag vor dem Testspiel gegen Eintracht Braunschweig. Aber ein paar Kumpels nutzten die Chance, um David Armbrüster am Steuer von B-SC 2148 zu sehen. Dunkelgraue Hose, weißes Hemd, grauer Schlips – schnieke sah er aus. "Mir war es wichtig, solche Sportler mal hautnah zu erleben. Zu sehen, wenn sie den Bus betreten oder verlassen. Da spielt es keine Rolle, ob nun Hertha oder Dortmund oder sonst wer." Wenn das allerdings Bayer Leverkusen wäre, würde das Herz ganz sicher doppelt so schnell schlagen.

Busfahrer im Beruf,Kicker in der Freizeit

David Armbrüster ist beim Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehr seit sieben Jahren angestellt. Er übernimmt vornehmlich Sonderfahrten. Bei seinem Tagesjob für Hertha BSC hatte er 193 Millionen Euro hinter sich zu sitzen (Marktwert des Erstligisten). Acht Nationalspieler zählen zum 32-köpfigen Kader.In seiner Freizeit spielt er Fußball, inzwischen für die Alt-Herren des SV Eintracht Alt Ruppin. Der Offensivspieler zeigt sich mit der Saison wenig zufrieden. Sein Team belegte mit nur drei Siegen den vorletzten Rang. Er erzielte vier Tore. Zur Eintracht stoßen jetzt vier Neue, so dass die Alt Ruppiner einen Mittelfeldrang anstreben.Der 34-Jährige erinnert wegen Körpergröße und Spielstil an den mexikanischen Nationalspieler Chicharito. Der 1,75-Meter-Riese  Javier Hernandez (jetzt 31 Jahre) spielt nach seiner Zeit bei Bayer für den englischen Erstligisten West Ham United. Für die Nationalmannschaft ist  Chicharito mit 50 Treffern Rekordtorschütze. ⇥maha

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