Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Podiumsdiskussion
Direktkandidaten stellen sich den Fragen

In Alt Ruppin (von hinten links nach vorne rechts): Ronny Kretschmer (Linke), Corvin Drößler (Partei), Guido Gerlach (Haus & Grund), Wolfgang Freese (Grüne), Sven Deter (CDU), Siegfried Wittkopf (Freie Wähler), Dirk Harder (Piraten), Dr. Ulrike Liedtke (SPD), Thomas Graupner und Ingo Karbe (beide Haus & Grund) sowie Dr. Gabriele Schare-Ruf (FDP)
In Alt Ruppin (von hinten links nach vorne rechts): Ronny Kretschmer (Linke), Corvin Drößler (Partei), Guido Gerlach (Haus & Grund), Wolfgang Freese (Grüne), Sven Deter (CDU), Siegfried Wittkopf (Freie Wähler), Dirk Harder (Piraten), Dr. Ulrike Liedtke (SPD), Thomas Graupner und Ingo Karbe (beide Haus & Grund) sowie Dr. Gabriele Schare-Ruf (FDP) © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 08.08.2019, 18:43 Uhr
Alt Ruppin (MOZ) Den wohl mutigsten Vorschlag beim 21. Stammtisch des Vereins "Haus & Grund OPR", zu dem am Mittwoch alle Direktkandidaten des Wahlkreises III zum Podiumsgespräch eingeladen waren, machte Corvin Drößler. Der 20-jährige Lehramtsstudent schlug vor, die Soldaten der Bundeswehr, die unterbeschäftigt seien, zu Polizisten umschulen zu lassen und somit die "Pazifizierung der Wehr fortzuführen". Der Walslebener will für "Die Partei" am 1. September in den Brandenburger Landtag einziehen.

Sicherheit

Der Satz war Drößlers Reaktion auf die zugeloste Frage zum Thema Sicherheit, die als eine von 13 Themenbereichen von Moderator Thomas Graupner und dem Vereinsvorsitzenden Ingo Garbe für den Abend im Restaurant "Am Alten Rhin" vorbereitet war. Bis auf Gabriele Köhler (AfD), die sich entschuldigen ließ, hatten alle anderen acht Direktkandidaten die Einladung zur Gesprächsrunde angenommen. So hatte Ronny Kretschmer (Die Linke) zuvor dafür plädiert, dass die Polizei wieder präsenter auf den Straßen des Landes sein müsste. Zu viel Bürokratie hindere sie daran. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Polizisten wieder zu Beratern werden." Revierpolizisten seien sinnvoll, doch zu wenig vorhanden, mahnte er. "Sie sind wichtig, damit die Menschen einen Ansprechpartner haben." Gleichzeitig dürften aber die Grundrechte der Menschen nicht weiter ausgehöhlt werden, so der Direktkandidat der Linken.

Wirtschaft und Gesundheit

Dr. Gabriele Schare-Ruf (FDP) hielt ein Plädoyer für "OPR first" und für Lebenserfahrung und kritisierte die Fridays-for-Future-Bewegung. "Klima kann man nicht essen und Klimaschutz ist verdammt teuer. Die Weltuntergangsszenarien bringen uns nicht weiter", so die Politikerin, die stattdessen fordert: "Wir brauchen Leuchtturmprojekte, damit OPR wieder auf die Wachstumsschiene kommt." Konkret will sie den Wirtschaftsgedanken in den Landtag zurückbringen und den Landkreis zur Gründerregion entwickeln. Denn "Geld folge Wissen", ist die Medizinerin überzeugt, die die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) als Joker des Landkreises sieht. "Den müssen wird spielen." Zur Finanzierung der MHB müsse man Landesmittel heranziehen. Zudem sei eine gute Infrastruktur nötig, um später die Mediziner auf dem Land zu halten.

Ländlicher Raum

Die Attraktivität des ländlichen Raumes liegt auch Dirk Harder (Die Piraten) am Herzen. Der Hamburger hat seit 2009 in Rheinsberg eine neue Heimat gefunden. "Es ist ein toller Landkreis. Wir müssen es schaffen, nicht weiter abgehängt zu werden." Er sieht in der Überforderung des Speckgürtels um Berlin, der mit dem Ausbau der Infrastruktur nicht mehr hinterher käme, eine Chance für Neuruppin. Dort funktioniere auch der öffentliche Nahverkehr, so Harder. "Aber was ist mit den kleinen Dörfern und der älteren Bevölkerung?", fragte er. "Man muss die Mobilität im ländlichen Raum neu denken. Wir könnten Vorreiter spielen." Ebenso sprach er sich für einen flächendeckenden Netzausbau aus, der sowohl Arbeitnehmern im Home-Office helfe, als auch Firmen Anreize biete, im Landkreis zu investieren. Zudem sei Bildung ein Standortvorteil. Im Landkreis gebe es zu viele marode und schlecht ausgestattete Schulen sowie zu wenig Standorte in der Fläche, so Harder. Kinder dürften maximal 30 Minuten zur Schule brauchen.

Bildung

Konkret für die Sanierung der Grundschule in Rheinsberg, die durch einen Sturm einen Wasserschaden erlitten hat, sprach sich Dr. Ulrike Liedtke (SPD) aus. Nachholbedarf gebe es ihrer Meinung nach bei der Anzahl der Lehramtsstudenten. So fehlen vielerorts Musik- und Kunstlehrer. "680 Lehramtsstudenten wurden aufgenommen, tausend würden gebraucht." Deshalb könne man auch zukünftig nicht auf die sogenannten Seiteneinsteiger verzichten. Ein weiteres Anliegen von Liedtke ist das Zentralabitur, damit die Abschlüsse mit denen aus Bayern gleichgestellt werden. Zum Stichwort Digitalisierung, sagte sie: "Die Lehrer werden Probleme haben, mit den Schülern mitzuhalten." Eine weitere wichtige Rahmenbedingung sei gesundes Essen in Kita und Schule. "Das soll kostenlos sein."

Öffentlicher Nahverkehr

Auch Wolfgang Freese (Bündnis 90/ Die Grünen) hat sich das Thema Bildung auf die Fahnen geschrieben. Er kämpft für die Schule für gemeinsames Lernen. Man dürfe kein Kind aufgeben. Seiner Meinung seien nicht Klassenstärke, Ausstattung oder Digitalisierung für den Erfolg eines Schülers verantwortlich, sondern an erster Stelle die Lehrkraft. Daher seien hochwertige Fortbildungen unerlässlich, um "innere Widerstände von Lehrern zu verhindern". Ausgebaut werden müsse vor allem aber der öffentliche Nahverkehr,  der derzeit noch ein "Anhängsel des Schülerverkehrs" sei. "80 Prozent des ÖPNV ist am Wochenende stillgelegt." Eine Idee für den ländlichen Raum hatte Freese dann auch noch. "Es gibt in Berlin einen riesigen Bedarf an Bio-Produkten." Derzeit werde die Hauptstadt damit von Bayern aus beliefert. Das gehe anders.

Landwirtschaft

Sven Deter (CDU) stimmte ihm mit Einschränkungen zu: "Es gibt einen Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten." Aber nicht nur in Bio-Qualität. Deter möchte hingegen den Wertschöpfungsprozess nach Brandenburg verlagern. Dort sollten die Produkte seiner Meinung nach hergestellt, veredelt und auch unter die Leute gebracht werden. So könne man Arbeitsplätze schaffen und zugleich die Kaufkraft der Menschen erhöhen. Deter will als junger Mensch im Landtag aktiv werden und Politik auch aus unternehmerischer Sicht denken. "Wir müssen raus aus eingefahrenen Gleisen. Ich möchte ein Brandenburg haben, auf das man auch in 70 Jahren noch Bock hat."

Arbeitsplätze und Straßen

Dafür brauche man im Landkreis mehr interessante Arbeitsplätze, ergänzte Siegfried Wittkopf (BVB/Freie Wähler). Zu viele Bürger würden täglich zum Arbeitsplatz pendeln, so der Politiker. Über 10  000 würden dabei den Landkreis verlassen, mehr als 7 000 nach Ostprignitz-Ruppin reinfahren. "Das ist ein riesiger Ausstoß an CO2." Mehr Wirtschaft am Standort würde das Problem lösen, ist Wittkopf überzeugt. Ein weiteres Problem sei der schlechte Zustand der Landesstraßen. "Die Kreisstraßen sind sehr gut in Schuss, besser als in Oberhavel. Man merkt sofort wo die Kreisgrenze ist." Daher müsse man mehr Geld in die Infrastruktur stecken. "Nicht verzehren, sondern investieren." Eine Forderung, die auch bei den Vereinsmitgliedern von "Haus & Grund" auf Zustimmung stieß.

Landtagswahl 2019

Die Wahl zum Brandenburger Landtag findet am Sonntag, 1. September statt.

416 Kandidaten, davon nur 137 Frauen, konkurrieren in 44 Wahlkreisen um die 88 Plätze im Landtag.

Mit der Erststimme kann der Direktkandidat bestimmt werden.

Mit der Zweitstimme gibt man sein Votum für die Landesliste einer Partei, von denen elf zur Wahl zugelassen wurden.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist in drei Wahlbezirke aufgeteilt.

Im Wahlkreis III, dem Altkreis Ruppin, stehen stellen sich Mitglieder aus neun Parteien zur direkten Abstimmung bei den Erststimmen. ⇥ug

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG