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Theaterzug kommt nach Rheinsberg

Schauspielerin Margarita Wiesner gehört zu dem Ensemble.
Schauspielerin Margarita Wiesner gehört zu dem Ensemble. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 11.08.2019, 08:00 Uhr
Rheinsberg Wer sich für Geschichte interessiert, und vor allem ein Verehrer von Theodor Fontane ist, der sollte sich für den Abend des 16. oder 17. August nichts vornehmen. Dann gastiert das Theater "Das letzte Kleinod" in Rheinsberg. Das Stück heißt "Souvenir 1870", was im Französischen "Erinnerung" bedeutet und vom märkischen Dichter handelt, dessen 200. Geburtstag in aller Munde ist.

Das Besondere der Aufführung ist, dass sie um 20 Uhr auf dem Gelände der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof stattfinden wird. Dabei wird ein ganzer Theaterzug mit 13 Waggons in die Stadt kommen und auf dem vereinseigenem Nebengleis Station machen. Die Bühne ist ein Autotransportwagen. Die anderen Waggons dienen zum Wohnen, beherbergen eine Küche oder werden zum Transport der Requisiten benötigt.

Wie Jens-Erwin Siemssen, der Leiter des Projektes, erklärte, wurde Fontane 1870 im Deutsch-Französischen Krieg wegen des Verdachts der feindlichen Spionage von den Franzosen verhaftet und auf die Festung Oléron verschleppt. Es ist eine Insel im Atlantik, auf der der gefangene Dichter seine dortigen Erlebnisse zu Papier gebracht hat.

Diese Aufzeichnungen bilden die Grundlage für das Stück, für das Siemssen mit Kollegen nach Orléon gereist ist, um sich auf die Spuren von Fontane zu begeben. Der Dichter notierte damals Beobachtungen über die Landschaft, die Austernfischer und die Salzschöpfer sowie über die Kultur. "Ob Fontane während seines Aufenthaltes Austern probieren konnte, ist nicht überliefert", sagt Siemssen.

So verschafften sich die Schauspieler während ihrer Reise einen Einblick in die Ernte und Verarbeitung der Meerestiere und lernten die mühselige Arbeit der Austernfischerei kennen. Aber nicht nur das: Besucht wurde auch ein Katzenasyl, um nach den Spuren von Fontanes Katze Blanche zu suchen. Zudem trafen sie sich mit der 90-jährigen Tochter eines ehemaligen  Festungskommandanten.

Eine erste Werkstattaufführung fand Mitte Juli in einer Bastion der Zitadelle, dem Originalschauplatz, auf der Insel statt.  Jetzt führt die Gastspielreise des siebenköpfigen Schauspielerensembles nach der Premiere von "Souvenir 1870" in Senftenberg zu acht Bahnhöfen in drei Bundesländern, und zwar nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Die Zuschauer dürfen gespannt sein, was das Ensemble auf die Bühne bringt. Immerhin haben die Schauspieler 50 historische Austernkörbe, viele Gerätschaften sowie eine originale Schubkarre aus der Salzgewinnung im Gepäck, die mindestens so alt wie Fontanes Erzählung ist.

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