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Auszeichnung
Urkunde für unternehmerischen Mut

Urkunde für Unternehmer: Regionalleiter Falko Stephan (links) überreicht Dr. Wilhelm Schäkel und seiner Frau Swantje die Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer für das 25-jährige Bestehen der Landerleben Zempow GmbH.
Urkunde für Unternehmer: Regionalleiter Falko Stephan (links) überreicht Dr. Wilhelm Schäkel und seiner Frau Swantje die Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer für das 25-jährige Bestehen der Landerleben Zempow GmbH. © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 16.08.2019, 08:22 Uhr
Zempow (MOZ) Alles begann mit einem Forschungsprojekt des Thünen Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, für das sich Dr. Wilhelm Schäkel mit dem Problem, dass sich Landwirtschaft auf Böden mit weniger als 30 Bodenpunkten nicht lohnen würde, beschäftigte.

"Wir mussten Konzepte entwickeln, um die Böden zu verbessern", erinnert sich der 57-Jährige, der gestern von der Industrie- und Handelskammer in Potsdam eine Urkunde für sein 25. Firmenjubiläum überreicht bekam. Denn Schäkel hatte sich im Oktober 1992 entschieden, in Zempow einen Versuch im Rahmen der Biolandwirtschaft zu starten und den Boden, der hier nur 18 Bodenpunkte aufweist, zu neuem Leben zu erwecken. Mit Erfolg.

1994 gründete er dann die Landerleben Zempow GmbH, die heute den Untertitel "Hofprodukte, Landurlaub, Retreats" trägt. Denn bei reiner Landwirtschaft hat es der studierte Philosoph und Doktor der Agrarpolitik nicht belassen. "Ich komme aber aus der Landwirtschaft", berichtet Wilhelm Schäkel, dessen Familie einen Hof in Petershagen an der Weser betreibt. Praxiserfahrung gewann er bei einer landwirtschaftlichen Lehre.

Demonstrationsbetrieb

Heute gibt er sein Wissen gerne weiter. Seit 2002 ist der Hof für Fachleute, Laien oder auch Schulen Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau und zudem Ausbildungsbetrieb. Es kommen aber auch FÖJler oder Studenten der agrarwissenschaftlichen Fächer, um Praxiserfahrung zu sammeln oder ihr Trainee-Jahr in Zempow zu absolvieren. "Nach einem Jahr sind sie Herdenmanager und haben alles gelernt, was dazu gehört", so Schäkel. Seine Frau Swantje, die ihm seit elf Jahren auf der Bio Ranch Zempow, so der Name des Hofes, zur Seite steht, hat zudem beobachtet, dass immer mehr Quereinsteiger Agrarfächer, besonders Ökolandbau studieren. "Die jungen Leute haben den Wunsch etwas für die Zukunft zu tun, kommen aber nicht aus der Landwirtschaft."

In Zempow können sie vieles erleben. Es gibt 120 Angusrinder als Mutterkuhherde, Gotlandschafe, Esel, Pferde und Ponys. Es gibt einen Hofladen, in dem das Biofleisch direktvermarktet wird. Ebenso erhältlich sind verschiedene Hanfprodukte wie Tee oder Öl, das aus dem eigenen Bio-Hanfanbau gewonnen wird. So steht die Firma Landerleben auf vielen Säulen, denn auch Ferienhäuser, die Schäkel 1996 in nachhaltiger Bauweise aus Holz mit eigener Kläranlage und Holzschnitzelheizung errichten ließ, gehören zum Programm. In der Scheune können Hochzeiten, für die selbst und regional gekocht wird, gefeiert werden. Dann sind auch schon mal die insgesamt 120 Gästebetten im Dorf ausgebucht. Schäkels haben viele Ideen von gemeinsamen Grillabenden, über Team­events bis hin zu Seminaren, in denen das Kuhflüstern erfahren werden kann. "Die Gäste können oft nicht sagen, warum, aber sie fühlen sich hier wohl", bringt es die 52-Jährige auf den Punkt. Ihr ist es wichtig, dass die Menschen die Verbindung zur Natur nicht verlieren und beispielsweise auch den vermeintlich toten Boden als lebendig begreifen.

Auch Falko Stephan, Leiter des IHK-Regionalcenters im Landkreis fand daher beim Hofrundgang nur lobende Worte: "25 Jahre Unternehmertum sind nicht Glück, sondern bedeuten Handeln. Das ist ehrenwert." Mit dem ökologischen Aspekt sei es zudem doppelt so schwer; zumal in einer Region, die nach der Wende von Investoren links liegengelassen wurde. "Diesen unternehmerischen Mut und das Durchhaltevermögen hat nicht jeder."

Hoffest in Zempow

Am Sonntag, 18. August, ist von 10 bis 17 Uhr auf der Bio Ranch Zempow Hoffest.

Es gibt Kulinarisches vom Hof und aus der Region vom Angus-Steak, über Veganes  bis zum Bio-Eis.

Auf die Kinder warten zahlreiche, kostenlose Mitmachangebote vom Treckersurfen bis hin zu Bauernhofspielen.

Außerdem kann Ökolandbau in Aktion erlebt werden mit Kuhflüstern und Schafe hüten. ⇥ug

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