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Mitarbeiterbetreuung
Fehrbelliner Fensterwerk fordert kostenfreie Kitas, um Fachkräfte halten zu können

Gordon Hasse zeigte dem Parteivorsitzenden der Linken, Bernd Riexinger, dem Landtagskandidaten Ronny Kretschmer sowie dem parteilosen Mathias Trypke (von links), der für die Linken ins Rennen um den Bürgermeisterposten in Fehrbellin geht, das Werk.
Gordon Hasse zeigte dem Parteivorsitzenden der Linken, Bernd Riexinger, dem Landtagskandidaten Ronny Kretschmer sowie dem parteilosen Mathias Trypke (von links), der für die Linken ins Rennen um den Bürgermeisterposten in Fehrbellin geht, das Werk. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 16.08.2019, 12:32 Uhr
Fehrbellin (MOZ) Eine landesweit kostenlose Kinderbetreuung sieht die Geschäftsführung des Fehrbelliner Fensterwerks als wichtigen Beitrag an, um der Wirtschaft zu helfen.

Fachkräfte zu bekommen und zu halten – das ist laut Horst-Uwe Hasse die größte Herausforderung, vor der das Fehrbelliner Fensterwerk steht. Der Parteivorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, hatte das Familienunternehmen, dessen Geschäftsführer Hasse einst war, am Donnerstag besucht. Begleitet wurde er vom Landtagskandidaten Ronny Kretschmer und dem parteilosen Kandidaten Mathias Trypke, der für die Linken als Bürgermeisterkandidat in Fehrbellin antritt. Und Fachkräfte waren dabei das stetig wiederkehrende Thema, aus gutem Grund. Denn vor anderthalb Jahren wurde die Problematik mit einem Schlag akut: als die Rente mit 63 Jahren eingeführt wurde. "Wir haben mit einem Schlag zwei Mitarbeiter verloren, die gesagt haben, sie gehen lieber in Rente. Innerhalb von 14 Tagen waren sie weg", erinnert sich Horst-Uwe Hasse.

Hilfe von außerhalb

Sein Sohn Gordon, der inzwischen als kaufmännischer Geschäftsführer die Nachfolge angetreten hat, musste kreativ werden. So wurden ein Iraker und ein Syrer angelernt. Gern hätte er auch einen weiteren Syrer ausgebildet. Doch der wollte lieber eine Ausbildung zum Bäcker beginnen und später wieder in sein Heimatland zurückkehren. Aktuell gibt es in dem Fehrbelliner Unternehmen, das in mehreren Firmen rund 160 Mitarbeiter beschäftigt, zwei Lehrlinge. Mitarbeiter für die Produktion zu finden, ist dabei noch nicht das größte Problem. "Es ist warm, trocken, und wir haben geregelte Arbeitszeiten", erklärt Hasse. Doch im Montagebereich, der vom Fensterwerk ebenfalls selbst ausgeführt wird, gibt es immer größere Probleme. Die werden durch strengere Auflagen, etwa für Schallschutz und Wärmeisolierung, noch verschärft. "Alle wollen heute bodentiefe Fenster haben. Eine Scheibe, die 2,5 Meter mal 70 Zentimeter groß ist, wiegt dann aber wenigstens 90 Kilogramm", erklärt Hasse. Im Werk und beim Transport gibt es dafür zwar technische Hilfsmittel. Aber auf der Baustelle muss das dann auch transportiert werden – zur Not ohne Fahrstuhl in den fünften Stock. Das geht nur mit kräftigen jungen Männern. Die Einheimischen hätten darauf aber meist keine Lust. Daher mussten sich Hasses in Richtung Osten orientieren. Sechs Slowenen und fünf Polen arbeiten in der Montage. Damit sie der Firma wirklich lange erhalten bleiben, versucht das Unternehmen viel. "Wir haben die Frau eines Monteurs in der Firma als Hilfskraft angestellt, damit er nicht extra nach Hause fahren muss."

Für Fehrbellin bedeutet  so ein Schritt wieder zusätzliche Einwohner. Doch eine Voraussetzung sieht Horst-Uwe Hasse dafür als zwingend notwendig an. "Wir wünschen uns kostenlose Kindergärten, eine kostenlose Schulspeisung und gleiche Bildungschancen für alle. Dann bleiben die Leute auch hier. Ansonsten drängt es alle nach Berlin", ist der Seniorchef überzeugt. "Wir kriegen keine neuen Leute, weil die Kitas ausgebucht sind", sagt auch Gordon Hasse ganz klar." Landtagskandidat Ronny Kretschmer zeigte sich zuversichtlich, dass an der völligen Beitragsfreiheit für Kitas in der kommenden Legislaturperiode weiter gearbeitet wird. "Es gibt sonst einen richtigen Kita-Tourismus wegen der unterschiedlichen Beiträge." Den sieht Mathias Trypke sogar als nachvollziehbar an. "Bei uns in der Stadt ist die Staffelung so, dass viele Leute mit ihren Einkommen direkt an der Grenze sind." Er sieht aber nicht nur bei den Kitagebühren Verbesserungsbedarf. "Wir haben auch im Lehrerbereich einen Fachkräftemangel, was die Oberschule weniger attraktiv macht."

Auch der öffentliche Nahverkehr ist ein wichtiger Standortfaktor.  "Seit wir den Plusbus haben, gibt es einige Kollegen, die mit dem Bus zur Arbeit kommen – aber nur in der Regelarbeitszeit", sagt Hasse. Gerade die Zubringer aus den weiter entfernten Orten würde Trypke daher gern besser vernetzen: "Außerdem müssten wir das Schülerticket ausweiten." Denn etwa der Besuch der Musikschule sei davon derzeit nicht abgedeckt.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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