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Lesung
Auf akribischer Suche nach Fontanes Frauen

Intensiv: Corinna Harfouch las die Passagen aus den Wanderungen.
Intensiv: Corinna Harfouch las die Passagen aus den Wanderungen. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 19.08.2019, 17:54 Uhr
Neuruppin Bereits zum vierten Mal innerhalb von nicht einmal zwei Jahren stellte der Berliner Autor und Fontanekenner Robert Rauh in Neuruppin ein neues Buch vor. Nach "Fontanes Fünf Schlösser", "Fontanes Frauen" und "Fontanes Ruppiner Land" waren es diesmal "Theodor Fontane: Wundersame Frauen", denen sich Rauh widmete. In der Neuruppiner Kulturkirche wollten am Sonntagabend 300 Menschen hören, was der Autor ihnen zu sagen hatte.

Anders als bei den vorhergehenden Werken fungiert Rauh beim neuen Buch als Herausgeber und Kommentator zu Fontanes Zeilen. Gemeinsam mit der Literaturwissenschaftlerin Gabriele Radecke begab sich Rauh auf Spurensuche. Elf Frauen, die in Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" eine größere Rolle spielen, haben die beiden Fontane-Kenner nachgespürt. Die Lesung war eine Vorpremiere, denn das Buch erschien offiziell erst am Montag im Manesse-Verlag.

Wanderungen für "Kerle"

Fontane, der sich nur zu gern als Freund der Frauen gab, habe seine Wanderungen eigentlich für tüchtige Kerle geschrieben, stellte Radecke der Lesung voran. An die weibliche Leserschaft habe er erst Jahrzehnte später bei seinen Romanen gedacht. Kein Wunder also, dass die meisten der in seinen Streifzügen beschriebenen Märker Männer sind.

Drei der elf im neuen Buch näher betrachteten Frauen stellten die beiden Herausgeber und Kommentatoren am Sonntag vor. Die Passagen aus Fontanes Wanderungen las ausdrucksstark und empathisch die Schauspielerin Corinna Harfouch.

Julie von Voß wurde in der ersten Ausgabe der Wanderungen nur sehr kurz erwähnt. 20 Jahre später lagen Fontane dann die Tagebücher von Julies Tante Sophie, Hofdame bei König Friedrich Wilhelm II., vor. Diese beschreibt voller Unbehagen, wie sehr sich die Nichte und der verheiratete König mochten. Ein schlimmes Ende werde das nehmen. Schließlich erkannte der König die schöne Mätresse als Zweitfrau durch eine in solchen Fällen nicht unüblich gewesene "Trauung zur linken Hand" an. Doch Julie wurde tatsächlich nicht glücklich. Kurz nachdem sie ihren Sohn Gustav Adolf zur Welt gebracht hatte, starb sie schwindsüchtig mit nur 22 Jahren.

Rauh und Radecke suchten im Schlosspark Berlin-Buch nach dem markanten Grabmal für Julie. Dieses wurde zwar schon vor mehr als 60 Jahren abgerissen. Doch intensive Recherche vor Ort und Gespräche mit Sachkennern führten dazu, dass sie zumindest die erhalten gebliebene Skulptur des Grabmals aufspüren konnten. Beeindruckend, wie umfassend und akribisch Radecke und Rauh bei ihrer Spurensuche vorgingen.

Sehr unterschiedliche Frauen

Dies trifft auch auf die beiden weiteren vorgestellten Frauen zu, die auf sehr verschiedene Art mit der Berliner Pfaueninsel zu tun hatten. Die Schauspielerin Rachel Félix erlebte dort einen gefeierten Auftritt unter freiem Himmel. Und die gewitzte Insel-Wirtin Elisabeth Friedrich betrieb trotz allgemeinen Ausschank-Verbots auf dem Eiland eine Gaststätte. Nur auf leicht zu habende Empfehlung durfte man die Wirtschaft aufsuchen, gehörte dann also zum Bekanntenkreis der Wirtin, die zumindest offiziell Speis und Trank spendierte.

Am Ende der von der Fontanebuchhandlung organisierten Veranstaltung gab es minutenlangen Beifall für das faszinierende Trio auf der Bühne.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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