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Umweltschutz
In Neuruppin wachsen Maniok, Hirse und Co.

Judith Melzer-Voigt / 19.08.2019, 19:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) 2 000 Quadratmeter sind eine große Fläche. Dort schmiegt sich Weizen an Gerste, wächst Zuckerrohr neben Sonnenblumen und Tabak gleich in der Nähe von Süßkartoffeln. Das ist zumindest auf dem neuen Weltacker im Neuruppiner Energiepark der Fall. Dieser Acker zeigt, was ein Mensch in einem Jahr verbraucht – für Lebensmittel, Kleidung und Energie. Das Projekt der Stadtwerke Neuruppin und des Vereins Stattwerke macht aber auch deutlich, wie unersättlich beispielsweise Europäer und Amerikaner sind.

Denn für den durchschnittlichen Einwohner in diesen Regionen der Welt reichen besagte 2 000 Quadratmeter längst nicht aus, wie Dr. Stephan Lehmann, Projektleiter beim Verein Stattwerke, und Tatjana Fesenko, Geschäftsführerin des Vereins, am Montagvormittag erklären. 2 700 Quadratmeter brauchen Europäer und Amerikaner im Durchschnitt, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die Folge: Andere Menschen haben weniger Platz zur Verfügung, müssen also mit weniger auskommen. "Das ist ein Grund, warum es anderen Menschen nicht gut geht und warum sie sich aufmachen in Regionen, wo es ihnen besser geht", so Fesenko.

Geringe Artenvielfalt

Lehmann macht deutlich, dass der Weltacker auch noch ein weiteres Problem sichtbar macht: Auf den mit Abstand größten Flächen werden dort Weizen, Mais, Reis und Soja angebaut. "Diese vier Sorten machen 50 Prozent des weltweiten landwirtschaftlichen Anbaus aus", erklärt er. "Das zeigt, wie es um die Artenvielfalt bestellt ist." Auf dem Weltacker wird sie dennoch gezeigt – eben im Kleinen: Die Erdnüsse sind zwar nichts geworden. Dafür haben die Hirse-Arten, die eher afrikanische Klima-Verhältnisse gewohnt sind, die trockenen Sommermonate sehr gut überstanden. Der Weizen hat etwas geschwächelt, sagt Stephan Lehmann. Dafür ging es den Soja-Pflanzen umso besser. Insgesamt 28 Arten wachsen auf dem Weltacker.

Das, was auf rund 400 Quadratmetern der Fläche gedeiht, kommt übrigens weder Mensch noch Tier zu Gute, sondern wird entsorgt: "In den tropischen Regionen vergammelt es schon, bevor es verarbeitet wird", sagt Stephan Lehmann. "Hier bei uns wird es nach der Verarbeitung weggeworfen." Das Projekt verdeutlicht somit auch die Verschwendung. "Wir wollen zeigen: Es gibt eigentlich kein Produktionsproblem, sondern ein Verteilungsproblem", so Lehmann auch mit Blick auf die überbordenden Bedürfnisse der reichen Länder dieser Welt.

Schulprojekte geplant

Seit nunmehr rund zweieinhalb Monaten wachsen die Pflanzen auf dem Neuruppiner Weltacker. "Wir sind gerade in der ersten Testphase", sagt Lehmann. Im nächsten Jahr soll das Projekt dann in die Schulen der Region getragen werden. Geplant ist, dass Kinder und Jugendliche Patenschaften für Felder übernehmen.

Genutzt werden können die Erträge des Ackers derzeit noch nicht: Das Areal war bis in die 1990er-Jahre hinein ein riesiges Rieselfeld für Neuruppin. "Wir müssten jetzt noch Bodentests machen", erklärt Dr. Stephan Lehmann. Zu viele Schwermetalle und Stickstoffe könnten sich in der Erde abgelagert haben. Ob das der Fall ist, muss erst abgeklärt werden.

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