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Nie wieder DDR-Muff
Sanierung Kita Spatzennest nach zwei Jahren abgeschlossen

Alles neu: Kita-Leiterin Carmen Lungfiel inspiziert das neue Waschbecken. Mit einer Trennwand lässt sich das Wasser aufstauen. Die Toiletten im neu gestalteten Sanitärbereich sind in unterschiedlichen Größen installiert worden.
Alles neu: Kita-Leiterin Carmen Lungfiel inspiziert das neue Waschbecken. Mit einer Trennwand lässt sich das Wasser aufstauen. Die Toiletten im neu gestalteten Sanitärbereich sind in unterschiedlichen Größen installiert worden. © Foto: Brian Kehnscherper
Brian Kehnscherper / 04.09.2019, 11:20 Uhr
Rheinsberg (MOZ) Carmen Lungfiel strahlt über das ganze Gesicht. Vom DDR-Muff, den ihre Kita einst ausstrahlte, ist nichts übrig geblieben. Die Räume erstrahlen in bunten Farben und sind modern ausgestattet. Dass die Bauarbeiten sich immer wieder verzögerten und die Gruppen auf engem Raum zusammenrücken mussten, hat die Kita-Leiterin dafür gern in Kauf genommen.

Am 7. März 2017 begann die Sanierung der Kita. Weil zuerst in den ehemaligen Räumen des Familienzentrums gearbeitet wurde, wirkten sie sich anfangs nicht auf den Betrieb aus. Später mussten Räume leergezogen werden. So musste Lungfiel ihr Büro zeitweise auch provisorisch im Sportraum einrichten. "Es ist schwer, bei laufendem Betrieb zu bauen. Während der Mittagszeit war aber Ruhe. Für die Kinder war es auch spannend, den Bauarbeitern zuzusehen. Und einige Bauleute haben gefragt, ob sie Erzieher werden können", so Lungfiel. Nach und nach wurden das Dach erneuert, die Fassade gedämmt, schwere Betontreppen durch barrierefreie Rampen ersetzt, der Sportraum und die Sanitäranlage neu gestaltet, die Wände gestrichen und in allen Räumen Akustikdecken installiert. Vor allem Letzteres erleichtert Lungfiel und ihren 18 Mitarbeitern die Arbeit enorm. "Die Decken sparen uns viel Stress. Sie verringern die Lautstärke enorm. Vorher war es wahnsinnig laut", so die Kita-Leiterin.

Auch die Fensterbänke passen nun viel besser zu einer Einrichtung, in der Kinder betreut werden. Wo vorher schwere, scharfkantige Betonklötze waren, sind nun leichte, abgerundete Simse aus Kunststoff. "Das war vorher eine Gefahrenquelle", so Lungfiel. Stolz ist sie auch auf das neu gestaltete WC mit Toiletten in verschiedenen Größen und einem Waschbecken, in dem die Kinder Wasser aufstauen und kleine Wasserräder laufen lassen können. Nebenan befindet sich ein barrierefreies Bad mit Wickeltisch, der eine ausfahrbare Treppe hat, auf der die Kinder selbst hinaufsteigen können. Bei der Planung der Ausstattung sind Lungfiel und ihre Mitarbeiter einbezogen worden. Zuletzt ist eine Gefahrenmeldeanlage installiert worden.

Großer Platzbedarf

Das ehemalige Familienzentrum wurde zu einem weiteren Gruppenraum umgestaltet. Dadurch stehen 20 zusätzliche Betreuungsplätze zur Verfügung. Ursprünglich durften in der Kita 75 Kinder unterkommen. Der Bedarf ist seit Jahren aber höher. Mit einer Ausnahmegenehmigung konnten bisher bis zu 85 Kinder die Einrichtung besuchen. Derzeit sind es 75 Mädchen und Jungen. Doch es gibt schon Neuanmeldungen.

"Als ich hier vor zehn Jahren anfing, waren es 58 Plätze und vier Erzieher. Jetzt sind es 19 Erzieher und 95 Plätze." Ursprünglich war die Kita Spatzennest eine reine U3-Kita. Weil die Kita Märchenland, in der Kinder ab drei Jahren betreut werden, aber meist voll war, wenn die Kinder wechseln sollten, behält Lungfiels Team die Kinder nun bis zu einem Alter von vier Jahren. "Dadurch sind wir flexibler. Wenn einer in der Entwicklung noch nicht so selbstständig ist, können wir ihn hierbehalten", so die Kita-Leiterin. Allerdings verlangt ihr der U3/Ü3-Mix einige Rechnerei ab. Denn während der Betreuungsschlüssel bei Kindern unter drei Jahren bei 1:5 liegt, kommen im Ü3-Bereich elf Kinder auf einen Erzieher. Die Zahl der Betreuungsplätze ist laut Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) in Rheinsberg angespannt. Laut Kita-Bedarfsplan gibt es im gesamten Stadtgebiet 20 Plätze zu wenig. Zumindest jede berufstätige Familie bekommt einen Platz. Alle anderen müssten ein wenig Wartezeit in Kauf nehmen, würden ihre Kinder aber auch in einer Einrichtung unterbekommen. "Zur Not weichen wir auf andere Kitas aus", so Schwochow.

Carmen Lungfiel wünscht sich, dass nun auch die Zuwegung zu ihrer Kita besser wird. Der Kastanienweg ist bisher eine Sandpiste. Laut Schwochow ist der Ausbau der Straße in der mittelfristigen Planung der Verwaltung berücksichtigt. Die starte frühestens 2021.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten für die Sanierung der Kita Spatzennest haben sich auf 840 402 Euro belaufen.

Ursprünglich waren 600 000 Euro für das Projekt eingeplant. Weil die elektrischen Anlagen jedoch maroder waren als angenommen, wurde die Summe aufgestockt.

Die Finanzierung der Sanierung erfolgt über das Förderprogramm "Soziale Stadt". Die Kosten teilen sich Bund, Land und die Stadt Rheinsberg zu je einem Drittel.⇥bk

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