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Absage
Ein Martinimarkt ohne Birnenpunsch

Lukratives Geschäft: Viele Schausteller wollen beim Martinimarkt dabei sein, notfalls durch den Klageweg.
Lukratives Geschäft: Viele Schausteller wollen beim Martinimarkt dabei sein, notfalls durch den Klageweg. © Foto: Eckhard Handke
Judith Melzer-Voigt / 09.10.2019, 11:52 Uhr
Neuruppin (MOZ) Unter dem leuchtenden Himmel stehen, die Bässe der Fahrgeschäfte in den Ohren und einen heißen Birnenpunsch in der Hand – natürlich mit Schlagsahne: Für viele Neuruppiner und Gäste der Stadt war ein Besuch des Standes vom "Alten Rhin" auf dem Martinimarkt ein Muss. Doch in diesem Jahr ist das nicht möglich. Betreiber Bert Krsynowski darf nicht dabei sein. Damit gibt es einen weiteren langjährigen Anbieter weniger.

Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass es keine Rauchwurst von "Lecker Brot" geben wird. Der Stand hatte viele Jahre lang einen festen Platz auf dem Markt (wir berichteten). Nun fehlen also auch Birnenpunsch sowie Grünkohl und Wurst, das Angebot des "Alten Rhins". Eigentlich wollte der Alt Ruppiner Krsynowski im September alles für das Großereignis vorbereiten. "Aber dann hat meine Frau zu mir gesagt, dass wir noch keine Rechnung bekommen haben", sagt er. Die sei immer im August eingetrudelt. Ein paar Anrufe später war klar: Krsynowski, der seit mehr als 20 Jahren fester Teil des Martinimarktes ist, wird nicht dabei sein.

Ausnahmen durchaus möglich

In den vergangenen Jahren habe er sich immer im ersten Quartal um einen Platz auf dem Markt beworben. Dass es dieses Mal eine Frist zum 15. Februar gab, habe er erst sechs Tage zu spät erfahren. Der Gastronom habe noch schnell alles zusammengesucht, seinen Wagen rausgefahren und die neuerdings angeforderten Fotos gemacht. Geholfen hat es nichts mehr, auch wenn in den Ausschreibungsunterlagen der Inkom die Rede davon ist, dass nachträgliche Bewerbungen im Einzelfall Berücksichtigung finden können, "wenn das Geschäft wegen seines besonderen Angebotes erheblich zum Gelingen der Veranstaltung beitragen würde".

Bert Krsynowski erinnert sich gut an seine Anfänge beim Martinimarkt. "Es war nicht immer so, dass er so gut besucht war", sagt er. Auch als es Probleme gab: Der Alt Ruppiner blieb dabei. Sein Birnenpunsch wurde immer beliebter und ist für viele Gäste eine gesetzte Größe. Die Würste, die seine Mitarbeiter verkaufen, werden von der Neuruppiner Fleischerei Dülfer extra für den "Alten Rhin" und den Martinimarkt produziert. "Und dann fliegt man raus wegen eines Formfehlers", wundert sich Krsynowski. Er vermutet, dass die Inkom aber wenig Spielraum hat: "Sie bestimmt nicht mehr, wer da sitzt." Der Gastronom weiß von einem Schausteller, der sich einklagen wollte, was die gesamte Vergabepraxis verändert hat. "Und darum fällt man weg. Dabei zahlen wir hier unsere Gewerbesteuer."

Christian Ringleb arbeitet als Veranstaltungsmanager beim Stadtmarketing der Inkom. Wie viele regionale Händler nun überhaupt noch beim Martinimarkt dabei sind, kann er nicht sagen. "Aber wir müssen alle gleich behandeln", erklärt er. Nähere Informationen gibt Ringleb nicht und verweist auf die Ausschreibungsunterlagen für den Martinimarkt 2019.

Schausteller Lothar Welte ist ein echtes Martinimarkt-Urgestein. Er betreibt unter anderem den Autoscooter. Dass einer der letzten regionalen Anbieter nun nicht mehr zum Zuge kommt, empfindet er als "furchtbar schade". "Die Leute sind seit sehr langer Zeit mit dabei und gehören aus meiner Sicht auf den Martinimarkt", meint er. Doch die Inkom könne wenig für diese Entwicklung: "Ein Schausteller wollte sich mit seinen Produkten in den Martinimarkt einklagen", bestätigt Welte. "Und wenn dieser Punkt überschritten ist, müssen die Organisatoren einer solchen Veranstaltung sehr vorsichtig sein."

Ellenbogen gehen hoch

Daher sei für den Martinimarkt 2019 erstmals ein Gremium gebildet worden, das über die Zulassungen entscheidet, verrät Welte. Mitunter würden Menschen, die den Markt gar nicht kennen, nun über seine Ausstattung bestimmen dürfen. "Die Inkom will und muss es ganz genau machen", so Lothar Welte. "Aber der Martinimarkt ist nur so erfolgreich, weil wir es in den vergangenen Jahren so gemacht haben, wie wir es gemacht haben." Jetzt würden – durch solche Schausteller wie den Kläger – die "Ellenbogen hoch gehen".

Für Lothar Welte sind "das Liebe, das Warme und das Herzliche" mit die wichtigsten Eigenschaften des Neuruppiner Martinimarktes. "Und dann passiert so eine Sache, und plötzlich müssen die Leute bei der Inkom nach Aktenlage entscheiden." Für die Schausteller tue ihm das leid. "Aber ich möchte auch nicht in der Haut der Inkom stecken. Das haben die selbst nicht so gewollt", so Welte.

Für ihn ist der "Alte Rhin" jedoch mehr als ein Stand von vielen auf dem Markt. Als die Veranstaltung "aus der Stadt geflogen ist", habe Bert Krsynowski mit ihm und anderen dafür gekämpft, dass sie wieder ins Zentrum kommt. "Der ,Alte Rhin’ war immer da, hat sich etwas einfallen lassen", so Welte. Er hoffe, dass die Ausschreibung im nächsten Jahr besser läuft und die Modalitäten in Ruhe überdacht werden. "Was nützt Ihnen eine Traditionsveranstaltung, wenn die, die die Tradition wahren, nicht mehr dabei sind?"

Der Weg zum Martinimarkt

In diesem Jahr wurde das Anmelden eines Standes auf dem Neuruppiner Martinimarkt neu organisiert.

Auf der Internetseite www.neuruppin-stadtmarketing.de konnten sich Interessierte die Schaustellerbewerbung herunterladen. Dort gibt es auch noch immer die Zulassungskriterien für 2019 zum Download.

Für den Martinimarkt 2020 sollen die entsprechenden Unterlagen auch wieder auf dieser Internetseite zur Verfügung gestellt werden. Die Zulassungskriterien 2020 sind aber noch nicht zu sehen. Sie werden "zu gegebener Zeit" dort veröffentlicht, heißt es seitens des Neuruppiner Stadtmarketings.⇥jvo

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