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Sicherheit
Ein Mittel gegen Einbrecher

Anschaulich: Robert Fischer berät Haus- und Wohnungsbesitzer bei der Sicherung. Die Pilzkopfverriegelung für Fenster, die er in den Händen hält, macht ein Aufhebeln unmöglich.
Anschaulich: Robert Fischer berät Haus- und Wohnungsbesitzer bei der Sicherung. Die Pilzkopfverriegelung für Fenster, die er in den Händen hält, macht ein Aufhebeln unmöglich. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 07.11.2019, 14:58 Uhr - Aktualisiert 12.11.2019, 15:59
Oranienburg (MOZ) Ein Schraubendreher und etwa vier Minuten Zeit: Viel mehr brauchen Einbrecher nicht für ihre Taten, weiß Robert Fischer.  Er ist Sachbearbeiter für technische Prävention in der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin. Es ist sein Job, Menschen, die zu ihm kommen, zu beraten, wie sie ihr Haus oder ihre Wohnung sichern können.

Die vier Minuten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Es geht darum, den Einbrecher für diese Zeitspanne zu beschäftigen. "Danach geben statistisch gesehen die meisten auf und gehen weiter, vielleicht zum Nachbarn oder ins nächste Dorf", sagt Fischer. Um die Einbrecher abzuschrecken, führt seiner Erfahrung nach an einer guten mechanischen Sicherung kein Weg vorbei. Erst wenn diese vorhanden ist, kann mit Smarthome-Lösungen, also der Steuerung bestimmter Komponenten in der Wohnung übers Internet, ein zusätzlicher Schutz erreicht werden. Für beide Ansätze bietet Fischer die Beratung im Rahmen der Präventionsarbeit der Polizei an. Diese ist markenneutral. "Wir erklären, wie die Technik funktioniert und wie die bestehenden Angebote am besten angewendet werden können. Dabei empfehlen wir aber keine bestimmen Produkte und verkaufen auch nichts", erklärt Fischer. Das ist der größte Vorteil im Vergleich zu den Angeboten von Baumärkten und andere Unternehmen, die immer auch Geld verdienen wollen. Das wird verschärft dadurch, dass der Einbruchsschutz oft erst Thema wird, nachdem bei Menschen eingebrochen wurde. Die emotionale Notlage, in der sich Geschädigte nach solchen Vorfällen oft befinden, könnte von Firmen ausgenutzt werden.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich von der Polizei beraten zu lassen.  "Wir haben eine Kooperation und sind vor Ort, wenn das Digimobil der Verbraucherzentrale beispielsweise in Neuruppin Halt macht", so Fischer. Darüber hinaus gibt es bestimmte Termine, etwa den alljährlichen Tag des Einbruchsschutzes, bei dem bundesweit informiert wird. Fischer war dafür mit einigen Demonstrationsmodellen im Einkaufszentrum Reiz in Neuruppin. Schließlich können sich Haus- und Wohnungsbesitzer aber auch jederzeit direkt an die Berater wenden und mit ihnen Terminen ausmachen. "Wir kommen dann zu den Leuten nach Hause, schauen uns alles genau an, und zeigen ihnen, wo sie etwas verbessern können." Rund 60 und 90 Minuten dauert so ein Treffen für gewöhnlich. Am Ende gibt es eine konkrete Liste mit Verbesserungsvorschlägen. "Bei den Fahrradcodierungen, die wir als Präventionsabteilung regelmäßig machen, habe ich Kontakt zu vielen Menschen. Da kommt es öfter vor, dass mich Leute ansprechen und sagen, dass sie alles umgesetzt haben", meint er zufrieden.

Fenstersicherung als Grundlage

Was als erstes erledigt werden sollte, ist eine hinreichende Sicherung der Fenster. "Sie werden zusammen mit rückwärtigen Balkontüren statistisch am häufigsten angegriffen",  weiß der Berater aus Erfahrung. Wie leicht sie mit einem Schraubendreher zu öffnen sind, demonstriert Fischer an einem seiner Ausstellungstücke. Das Aufhebeln ist in Sekundenbruchteilen erledigt. Doch Angst sollte das niemandem machen. Denn es ist nicht sonderlich aufwendig, Einbrecher vom Eindringen in Wohnungen auf diese Weise abzuhalten. Statt Metallstiften, die bei ungesicherten Fenstern in einer lockeren Schiene gleiten, wird eine Pilzkopfverriegelung empfohlen, die ein Aufhebeln unmöglich macht. Dabei verhaken sich die dickeren Spitzen der Metallstifte in Schienen und lassen sich nicht herausdrücken. Diese Technik lässt sich auch nachträglich in Fenster einbauen und erfordert keinen enormen Materialaufwand.

"Grundsätzlich empfehlen wir heute, Fenster der Kategorie RC2 einzubauen", so Fischer. Das RC steht für Resistance Class, zu deutsch Widerstandsklasse, und fasst mehrere DIN-Normen zusammen: Dazu gehört neben der Pilzkopfverriegelung, die einmal pro Meter angebracht sein sollte, auch ein Stahlkern im Rahmen, und durchwurfhemmendes Glas. "RC 2-Fenster sind heutzutage Standard. Als ich vor zwei Jahren in Neuruppin mein Haus gebaut habe, habe ich pro Fensterflügel dafür auch nur 70 Euro mehr gezahlt", berichtet Fischer. Wo ein Nachrüsten nicht möglich ist, etwa bei denkmalgeschützten Holzfenstern, gibt es auch Zusatzsicherungen, deren Wirkungsweise die polizeilichen Berater ebenfalls  anhand von Modellen demonstrieren können. Dabei wird beispielsweise eine Verriegelung auf dem Fensterrahmen angebracht. Selbst wenn ein Fenster dann aufgehebelt werden sollte, können Diebe es dann nicht öffnen, sofern das Schloss innen verriegelt ist. Dabei gibt es eine Vielzahl von Ausführungen, von klein und schick bis hin zu groß und klobig. Das Wirkungsprinzip aber ist bei allen gleich. Und das ist es, worauf es bei der Beratung ankommt, sagt Fischer.

Große Sicherungssysteme für die Fensterscheiben werden für den regulären Haushalt laut Fischer  nicht benötigt. "In weniger als einem Prozent der Einbrüche werden die Scheiben eingeschlagen. Das macht Lärm und stellt für die Täter auch eine Verletzungsgefahr dar." Wird doch einmal das Glas eingeschlagen, werden die Täter nach Fischers Erfahrung auch oft geschnappt. Doch die professionellen Banden, die für den größten Teil der Einbrüche verantwortlich sind, wollen dieses Risiko nicht eingehen. Sie würden ihre Opfer auch im Vorfeld genau auskundschaften. "Sie erkennen schnell, ob sichere Fenster und Türen verbaut worden sind oder nicht." Für die Balkontüren, die wie Nebeneingangstüren, die etwa von der Garage ins Haus führen, oft schlechter gesichert sind, gibt es Nachrüstsätze. "Kastenriegelschlösser können relativ einfach im Nachhinein angebracht werden und bieten schon deutlich mehr Sicherheit."

Verhaltensprävention hilft auch

Doch nicht nur mechanische Sicherungen schützen davor, Opfer eines Einbruchs zu werden. "Auch die Verhaltensprävention ist wichtig", sagt Fischer. "Wir sprechen da immer von der 3L-Regel: Licht, Lärm und Leute." So kann etwa mit Zeitschaltuhren oder Smarthome-Lösungen eine Anwesenheit vorgetäuscht werden, indem das Innere des Hauses oder der Wohnung erleuchtet wird. Hunde oder Geräusche aus dem Haus tun ein Übriges, um Einbrecher abzuschrecken. "Das Beste ist aber ein wachsamer Nachbar." Sogar Aufkleber mit der Aufschrift "Vorsicht: Wachsamer Nachbar" verteilen die Präventionsberater. "Das hilft wirklich", sagt Fischer.

Ist all das umgesetzt, lässt sich mit Smarthome-Lösungen eine weitere Ebene hinzubringen. "Aber allein würde das nicht helfen: Wenn man im Urlaub nur eine Nachricht aufs Handy kriegt, dass der Alarm in der Wohnung losgegangen ist, sind die Einbrecher ja schon drinnen", erklärt er. Um aber Anwesenheit zu simulieren, etwa durch unregelmäßigen Anschalten des Lichts, des Fernsehers oder das Öffnen und Schließen von Jalousien, sei das eine sinnvolle Ergänzung. Ebenfalls sinnvoll sind auch Rollläden. "Sie helfen in zweierlei Hinsicht: Zum einen macht es Krach, sie zu öffnen und kostet Zeit. Zum anderen sehen Einbrecher nicht, wie sicher die Fenster sind."

Kontakt für Beratungstermine

Wer Interesse hat, die Sicherheit des eigenen Hauses oder der Wohnung einschätzen zu lassen, kann sich einfach telefonisch an die Präventionsmitarbeiter der Polizei wenden. Sie sind erreichbar unter 03391 40471084 oder 03391 40471080.⇥red

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