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Medizin
Ruppiner Kliniken bauen Patientensicherheit aus

Zur ABS-Komission gehören: Dr. Erik Weidmann, Bianca Hoff, Dr. Rahel Amorosa und Dr. Christian Heyde (von links).
Zur ABS-Komission gehören: Dr. Erik Weidmann, Bianca Hoff, Dr. Rahel Amorosa und Dr. Christian Heyde (von links). © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 07.11.2019, 19:47 Uhr
Ortsmarke (MOZ) Der Einsatz von Antibiotika, die zunehmende Zahl von resistenten Erregern sind ein brisantes Dauerthema, das auch vor den Ruppiner Kliniken nicht halt macht. Antibiotic Stewardship (ABS), ein weltweites Programm, für das es noch keinen entsprechenden deutschen Fachbegriff gibt, soll helfen, Antibiotika gezielt und rational zu verwenden.

Eine ABS-Kommission wurde gegründet, zu der neben dem Chefarzt der Notaufnahme, auch ein Mikrobiologe, der Chef der Krankenhausapotheke, die leitende Hygienefachkraft und eine ABS-Expertin gehören, die speziell für diese Thematik eingestellt wurde. "Wir sind ein Haus der ersten Stunde", sagt Dr. Erik Weidmann, Chef der Notaufnahme und Vorsitzender der Kommission. Im Fokus stehe die Patientensicherheit und die Qualität der Versorgung. Anlässlich des Welt-Antibiotika-Tages am 18. November stellte die Klinik die Arbeit des ABS-Teams vor. Perspektivisch sollen drei Mitarbeiter  für diese umfassende Problematik zuständig sein, da die Zahl resistenter Erreger rasant zunimmt, und gleichzeitig die Entwicklung neuer Antibiotika stagniert. Die Aufgaben des ABS-Teams sind, das Infektionsschutzgesetz und  Leitlinien umzusetzen, sowie Empfehlungen ständig zu überprüfen und sämtliche Veröffentlichungen zum Thema Antibiotika im Blick zu behalten. "Die Empfehlungen verändern sich schnell, wir brauchen ein Team, das stets up to date ist", so Weidmann.

Den Erreger identifizieren, die Risiken bestimmen und die Therapie anpassen – so sollte im Idealfall eine Behandlung mit Antibiotika bei einem Patienten mit einer Infektionskrankheit wie einer Lungenentzündung ablaufen, erklärt Dr. Christian Heyde, Chef der Apotheke der Ruppiner Kliniken. 25 verschiedene Antibiotika aus fünf Wirkstoffgruppen hat er parat, plus Reservestoffe bei resistenten Erregern. Da die Bestimmung des infektionsauslösenden Keims im Labor im Normalfall drei Tage dauert, setzt der behandelnde Arzt zu Beginn ein möglichst breit wirkendes Antibiotikum ein. Steht das Bakterium fest, kann gezielter behandelt werden, und bei Bedarf die Dosierung erhöht oder die Behandlungsdauer verkürzt werden. So können Resistenzen der Erreger und Nebenwirkungen für die Patienten vermieden werden, erklärt Dr. Rahel Amorosa. Sie ist in Neuruppin die ABS-Expertin.

Ein neues Verfahren in der mikrobiologischen Diagnostik, das Experten MALDI-TOF-MS nennen, und das seit wenigen Wochen an den Kliniken im Einsatz ist, ermöglicht den Ärzten nun eine Früherkennung der Bakterienfamilien innerhalb von vier Stunden, berichtet Dr. Erik Weidmann. Ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Arbeit des ABS-Teams, da so schon das Breitbandanitbiotikum gezielter gewählt werden kann. Eine Resistenzbestimmung ist mit dem neuen Verfahren aber nicht möglich.

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