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Kreisbrandmeister nimmt Abschied
Jetzt geht es erst einmal in die Karibik

Wolfgang Hohenwald ist seit 2005 Kreisbrandmeister in Ostprignitz-Ruppin.
Wolfgang Hohenwald ist seit 2005 Kreisbrandmeister in Ostprignitz-Ruppin. © Foto: Ulrike Gawande
Ulrike Gawande / 03.12.2019, 11:15 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Bevor ich zur Feuerwehr kam, habe ich erst einmal einen anständigen Beruf gelernt", scherzt Wolfgang Hohenwald, der gestern mit einem großen Zapfenstreich als Kreisbrandmeister von Ostprignitz-Ruppin verabschiedet wurde. Der gebürtige Sieversdorfer ist ausgebildeter Werkzeugmacher. Er war zeitweise bei der Polizei in Potsdam und ist außerdem studierter Verwaltungsfachwirt. Sein Diplom erwarb er 1982 über ein Fernstudium in Weimar. Doch seine Leidenschaft war und ist Zeit seines Lebens die Feuerwehr.

Späte Begeisterung

Die Begeisterung setzte aber erst spät ein, verrät er. "Als Kind wusste ich, dass es im Ort eine Feuerwehr gibt, hatte aber nie Lust mitzumachen." Das änderte sich, als die Familie 1970 nach Neuruppin zog und  der Vater bei den Elektro- Physikalischen Werken als Brandschutzbeauftragter eingesetzt wurde. "Da hat er mich viel mitgenommen", erinnert sich Wolfgang Hohenwald. Bei dem Jungen entwickelte sich der Wunsch, die großen Feuerwehrautos auch einmal selbst fahren zu können. Der Grundstein war gelegt. 1971 trat der heute 64-Jährige in die Wehr in Neuruppin ein und begann sich zu qualifizieren, wurde Gruppenführer, dann Maschinist. "Ich habe alle Ausbildungen mitgenommen."

Start als Gerätewart

1981 stellte ihn die Stadtverwaltung als Gerätewart ein. Später wurde er Wehrführer. Er übernahm auch gern die Arbeitsgemeinschaft junger Brandschutzhelfer. Viele Jungs von damals sind noch heute bei der Feuerwehr, ist er stolz. Unter ihnen ist auch der heutige Wehrführer Reinhard Jachnik. Die politische Wende brachte auch für Hohenwald Veränderungen. "Nach der Wende wurde das Fahrrad neu erfunden", scherzt der engagierte Mann. "Wir hatten vorher nur drei Typen Autos: W 50, Robur und B 1000. Dann gab es neue West-Autos, die wir zum Teil geschenkt bekommen haben." Es galt die neue Technik zu erlernen. Alte Qualifikationen wurden oft nicht anerkannt. Doch Hohenwald scheute sich nicht davor. "Ich war begeistert davon, neue Wege zu gehen." Trotzdem sei es eine schwere Zeit gewesen, erinnert er sich, weil zahlreiche Wegbegleiter aus unterschiedlichsten Gründen die Wehr verließen. "Die Kameradschaft ist das A und O. Die Feuerwehr lebt davon."

Zum Stadtbrandmeister gewählt

1991 wurde Hohenwald bei einer Mitgliederversammlung der Feuerwehr zum Neuruppiner Stadtbrandmeister gewählt. "Ich habe damals mit vier Leuten begonnen." Die Stadtverordnetenversammlung bestätigte ihn in seinem Posten 1992. Unter seiner Federführung wurde nach der Wende nicht nur die Neuruppiner Feuerwehr mit den Einheiten in den Ortsteilen neu gegliedert. 1995 begann für zehn Millionen D-Mark auch der Bau der seinerzeit neuen Wache an der Schinkelstraße. Im selben Jahr kam es aber auch zu einem der schwersten Einsätze der Neuruppiner Feuerwehr als bei einer Gasexplosion an der Präsidentenstraße ein Haus komplett zerstört wurde. Dabei starben sieben Menschen, 24 Familien verloren ihre Wohnungen. "Der Einsatz hat Kraft gekostet und an den Nerven gezerrt. Wir waren zwei Tage im Einsatz und haben kaum ein Auge zu bekommen", erinnert sich Hohenwald, der 2005 seinen Posten als Stadtbrandmeister aufgab und Karl-Heinz Köppen als Kreisbrandmeister beerbte.

Bis Mai dieses Jahres blieb er Leiter der Hauptwache in der Fontanestadt. Zum Jahresende gibt er nun auch den Posten als ehrenamtlicher Kreisbrandmeister und den Vorsitz des Kreisfeuerwehrverbandes ab. Doch die Alters- und Ehrenabteilung könne noch warten, betonte Hohenwald schmunzelnd. "So schnell werdet ihr mich nicht los", sagte er beim Zapfenstreich. Er sei froh, dass das Land die Altersgrenze auf 67 Jahre angehoben hat. "In Neuruppin, wo alles begann, werde ich in zwei bis drei Jahren meinen aktiven Dienst beenden."

Vier Kinder und sieben Enkel

Trotzdem freut sich der vierfache Vater, nun endlich mehr Zeit für seine insgesamt sieben Enkelkinder im Alter zwischen drei und 14 Jahren zu haben. Sowohl Kinder, als auch Enkelkinder konnte Hohenwald aber mit seiner Feuerwehr-Verrücktheit anstecken. "Jedes Auto, mit dem meine Enkel spielen, macht auch Tatütata", lacht der Neuruppiner, der sich auf eine bevorstehende, ausgedehnte Karibikreise mit seiner Frau Carola freut. "Ich will viel verreisen. Südafrika ist mein Traumziel." Von den Wehrführern gab es zum Abschied daher auch passend einen großen Reisegutschein.

Die Ehefrau an seiner Seite

Immer dabei ist Ehefrau Carola, die der begeisterte Hobbygärtner vor 34 Jahren ebenfalls zu einer Feuerwehrmitgliedschaft überreden konnte. Sie stand ihm jederzeit zur Seite. "Ein starker Feuerwehrmann, braucht auch eine starke Feuerwehrfrau", sagte er dankbar. Während er für die Erwachsenen zuständig war, kümmerte sie sich mit viel Herzblut um dem Feuerwehrnachwuchs. "Sie hatte viel Spaß daran, aber das kostet auch Nerven", so Hohenwald voller Anerkennung. Zum Jahresbeginn gab sie ihren Posten jedoch auf, um sich auf Kreisebene mehr den Frauen in den Wehren zu widmen.

Nicht immer ist Feuerwehrarbeit schön. Doch der Wille zu helfen, steht stets an erster Stelle. "Jeden Tag gewinnt man neue Erkenntnisse, lernt seine Grenzen und auch den Umgang mit dem Tod kennen." An seinen emotional schwersten Einsatz kann sich Hohenwald noch gut erinnern. Es war im Sommer vor 38 Jahren, als in Rheinsberg ein kleines Mädchen im See ertrank. "Mein Sohn war damals auch erst zwei Jahre alt, das hat mich emotional sehr getroffen." Überhaupt sei die zeitliche und psychische Belastung für die Feuerwehrleute gestiegen,  ist er überzeugt. Die Zahl der Einsätze sei in Neuruppin von früher 100 auf über 400 gestiegen. "Natürlich gab es auch damals Unfälle mit Trabanten, aber die heutigen Unfälle sind schlimmer", sagt der scheidenden Kreisbrandmeister, der für die Wehren in seiner Position als Aufsichtsperson für den Landrat, immer ein Ansprechpartner für die Kameraden sein wollte. Hohenwald ist bescheiden.  "Ich wollte helfen, aber nicht von oben herab, sondern mit und für die Kameraden arbeiten. Mir war wichtig, dass wir das, was wir schaffen wollten, immer gemeinsam gemacht haben. Es war eine schöne Zeit."

Freiwillige sind unverzichtbar

Wolfgang Hohenwald hält die freiwilligen Kräfte, immerhin rund 85 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland, für unverzichtbar. "Die freiwillige Feuerwehr wird es auch in Zukunft geben, aber ohne Hauptamtliche geht es nicht." Die Politik müsse sich Gedanken machen, wie auch in kleineren Orten die Tageseinsatzbereitschaft abgepuffert werden könne. Dass Mitarbeiter einer Verwaltung die Aufgaben übernehmen, sieht der 64-Jährige nur als Übergangslösung. Er führt das System von Heiligengrabe an, das gut organisiert sei und funktioniere. "Feuerwehrleute aus anderen Bereichen, die in der Gemeinde arbeiten, werden mit erfasst und rücken mit aus." Die Feuerwehr müsse mehr über den Tellerrand gucken, wünscht sich Hohenwald. "Sie muss helfen und sich helfen lassen. Denn die Feuerwehr ist wie eine Uhr, die nur funktioniert, wenn alle Rädchen miteinander arbeiten und ineinander greifen."

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Alarmierungen, inklusive Fehlalarmen, gab es für die Neuruppiner Brandschützer bereits in diesem Jahr. Rund zwei Drittel der Einsätze sind technische Hilfeleistung. ⇥ug

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