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Funknetz
Funkturm bei Kuhhorst erregt die Gemüter

Dieselbe Bauweise: Bei Flatow gibt es einen Stahlgittermast – ähnlich dem, der für Kuhhorst geplant ist.
Dieselbe Bauweise: Bei Flatow gibt es einen Stahlgittermast – ähnlich dem, der für Kuhhorst geplant ist. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 21.01.2020, 16:09 Uhr - Aktualisiert 21.01.2020, 16:32
Kuhhorst (MOZ) Ein 40 Meter hoher Stahlgitter-Funkmast soll am Rand von Kuhhorst in direkter Nachbarschaft des Karolinenhofs entstehen. Dort und im angrenzenden Karolinengarten, aber auch in Linum wird das Vorhaben sehr kritisch gesehen.

Paula Olschewski, die vor zwei Jahren den Karolinengarten eröffnet hat, befürchtet einen enormen Rückgang bei Besuchern, der sich ihrer Meinung nach auch auf Kuhhorst und die Orte in der Umgebung auswirken könnte. "Für viele Besucher ist das ein Gesamtpaket", sagt Olschewski, die auch im Café des Karolinenhofs nebenan arbeitet. "Ganz viele Gäste sagen, dass sie aus Linum gekommen sind oder dort im Anschluss hinfahren möchten. Sie wollen hier aber nicht das Gefühl von Stadt und Technik haben, sondern suchen Ruhe." Gerade deshalb befürchtet sie so gravierende Auswirkungen durch den geplanten Turm. "Wenn die Leute die Ruhe hier nicht mehr vorfinden, kommen sie nicht mehr hierher. Und wir leben nun mal vom Besucherstrom."

Keine grundsätzliche Ablehnung

Laut Telekom-Sprecher Georg von Wagner soll der Stahlgitterturm an dem gewählten Standort optisch durch Bäume weitgehend verdeckt werden. Doch Olschewski bezweifelt das. "Bei einem kleinen Mast würde das stimmen. Und gegen einen solchen hätte auch niemand etwas. Schließlich wollen alle ein Handy benutzen. Damit muss man dann leben. Aber ein 40-Meter-Turm überragt alles." Und sowohl im Karolinenhof als auch im Karolinengarten würden die Besucher künftig direkt auf den Mast schauen. Doch nicht nur dort – auch in Linum herrscht Sorge deswegen. "Wenn in Kuhhorst die Gäste fehlen, kommen zu uns auch weniger", argumentierte Georg Rixmann von Rixmanns Hof in dem Storchendorf bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats. Dort nahm die Diskussion wegen des Standorts einige Zeit in Anspruch. "Zu sagen, wir wollen gute Netzabdeckung, aber keine Funkmasten, geht nicht. Vielleicht kriegen wir es aber verträglicher hin", appellierte Rixmann an den Beirat. Doch der kann nichts machen. Schließlich geht es nicht um Flächen der Gemeinde, sondern um privaten Grund. Ohnehin hatte das Gremium kaum Informationen zum Vorhaben der Telekom.

Ein wenig Licht ins Dunkel konnte Hannes-Peter Dietrich, Betriebsstättenleiter des Ökohofs Kuhhorst, bei der Sitzung bringen. Denn der Turm soll auf Flächen errichtet werden, die dem Mosaik-Unternehmensverbund gehören, der auch den Ökohof betreibt. "Für uns ist der Standort am günstigsten, weil es so die wenigsten Flurschäden gibt", erklärte Dietrich. Große Auswahl gebe es aber nicht. "Unsere Wunschfläche war eine am Wäldchen, an dem es zum Pumphaus geht. Dort gibt es aber weder Strom noch eine Telekomanbindung. Und die Telekom hat gesagt, dass es dort auch von der Funknetz-Abdeckung nicht passen würde", erläuterte er.

Auswahl steht fest

"Die Planung eines Mobilfunknetzes ist sehr komplex und abhängig von einigen Faktoren, so auch von der Vermietbereitschaft der Grundstückeigentümer. Bei der Suche nach einem funktechnisch geeigneten Standort konnten zwei Liegenschaften ermittelt werden", so Telekomsprecher von Wagner. Doch für das Unternehmen steht das Ergebnis bereits fest. "Die Standortsuche wurde im Juli 2019 abgeschlossen. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer wurde unterzeichnet, und aktuell werden die Bauantragsunterlagen erstellt", sagte von Wagner auf Nachfrage. Geplant sei aktuell, den Funkmast im ersten Quartal 2021 in Betrieb zu nehmen.

Olschewski möchte aber noch nicht aufgeben. "Wir werden weiterhin alles versuchen", kündigte sie an. Da es noch keine Baugenehmigung gibt, ist es immerhin nicht gänzlich unmöglich. Denn auch wenn Funkmasten im Baugesetzbuch als privilegierte Bauten aufgelistet sind, für die andere Regeln gelten, werden  da verschiedene Belange geprüft. Einerseits wird dafür die Gemeinde Fehrbellin um eine Stellungnahme gebeten. Andererseits muss die Baubehörde des Kreises unter anderem Natur- und Artenschutzaspekte berücksichtigen.

Die geplanten Funkstandards

Laut Telekom soll der Funkturm in Kuhhorst für GSM und LTE eingesetzt werden.

GSM steht für Global System for Mobile Communications. Der Standard wird seit 1992 im ersten digitalen Netz genutzt und auch als 2G-Netz bezeichnet. Die maximale Bandbreite liegt im Download bei 9,6 KBit pro Sekunde.

Der LTE-Standard (Long Term Evolution) wird im 4G-Netz genutzt. Die Übertragungsraten liegen dort bei bis zu 150 MBit pro Sekunde.

5G-Technik einzusetzen, ist laut Telekomsprecher Georg von Wagner am Standort Kuhhorst aktuell nicht geplant.⇥zig

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