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Tischtennis
Voll auf Angriff gepolt

Verfügt über ein variantenreiches Aufschlagspiel: Sebastian Fölkel. Der Rückkehrer ist eine wichtige Bank beim TSV Wustrau.
Verfügt über ein variantenreiches Aufschlagspiel: Sebastian Fölkel. Der Rückkehrer ist eine wichtige Bank beim TSV Wustrau. © Foto: Gunnar Reblin
Gunnar Reblin / 09.02.2020, 09:15 Uhr
Wustrau (moz) So spielt nur jemand auf, der sich wohlfühlt. Oder sein Handwerk versteht. Im Fall von Sebastian Fölkel trifft beides zu. Der 35-Jährige ist in sein "Wohnzimmer" zurückgekehrt – und punktet seit Saisonbeginn in zuverlässiger Manier für seinen Heimatverein TSV Wustrau.

Dass der TSV Wustrau in der 3. Tischtennis-Landesklasse zu den Top-Teams zählt, kann auch an Sebastian Fölkel, der neuen und überaus starken Nummer eins festgemacht werden. Aktuell belegt der Rückkehrer Platz drei in der Einzelrangliste hinter dem führenden Fehrbelliner Sebastian Voyé und dem Neustädter Roland Ratschke.

Der TSV profitiert von Fölkels Talent und Fertigkeiten, die der Verein zu Jugendzeiten in ihm entdeckt und gefördert hatte. Mit Anfang 20 jedoch, verließ der athletische Blondschopf seine Heimat. Über einige Umwege führte ihn der Weg im vorigen Jahr zurück. Gereift als Tischtennisspieler, der ein facettenreiches Angriffsspiel liebt. Gereift als Mensch, der – inzwischen dreifacher Vater – Familie, Job, zuletzt auch den Umzug, und seine Leidenschaft Tischtennis "mal eben wuppt".

Zweigleisig ausgepowert

Wenn Sebastian Fölkel über Tischtennis spricht, ist die Begeisterung für diesen Sport deutlich herauszuhören. Dabei ist seine Lieblingssportart Fußball, wie er mit einem Lächeln einräumt. "So hat damals meine sportliche Laufbahn begonnen", blickt er gerne auf die Jugendjahre in Wustrau zurück. Fölkel kickte zusammen mit Benjamin Höfler, Dennis Roggelin, Steffen Modrack oder auch einem Paul Bernhardt zusammen im TSV-Dress. "Unser Trainer war Ronald Roggelin, der dann auch eine AG Tischtennis nach der Schule ins Leben rief."

Im Alter von 14 Jahren fuhr Fölkel zweigleisig. "Ich hatte einfach Bock, neben Fußball noch etwas anderes zu machen. In diesem Alter bekommst du ja als Kind eh nicht genug." Er empfand es als schöne Abwechslung: Kondition und Kraft beim Fußball, Reflexe und strategisches Spiel beim Tischtennis. "Das strategische Denken hat mir auch auf dem Fußballplatz geholfen, ich habe ja im zentralen Mittelfeld gespielt", erinnert er sich.

Erstmals an der Tischtennisplatte, erkannten AG-Leiter Roggelin und TSV-Tischtennis-Ikone Helmut Jantz sofort Fölkels Talent. "Ich konnte schon ein bisschen. Es lag mir einfach. Und ich hatte riesigen Spaß", berichtet der Rückkehrer. Bis zur Abi-Zeit tobte sich Sebastian Fölkel dann in zwei Sportarten aus.

Anschließend zog es ihn als Zeitsoldat (Fallschirmjäger) zur Bundeswehr, stationiert zunächst in Doberlug-Kirchhain, später im niedersächsischen Seedorf. "Ich hatte mich für zehn Jahre verpflichtet, habe dann aber auf vier Jahre verkürzt, um eine Ausbildung zum Speditions- und Logistikkaufmann zu machen." Inzwischen ist Sebastian Fölkel Gebietsleiter (Ostdeutschland und Bayern) bei Larson-Juhl, einem der größten Hersteller für Bilderrahmen und Bilderleisten in Europa.

Langjährige Pause

Aus sportlicher Sicht, so Fölkel, war er dann fast zwölf Jahre aus dem Geschäft. Kein Tischtennis. Kein Fußball. Erst als es ihn 2014 nach Velten zog, "habe ich wieder angefangen". Auslöser war eine Garten-party. "In unserem Freundeskreis waren mehrere Familienväter, wir haben da einfach locker zusammengespielt. Dann kam uns die Idee, dass wir uns alle im Verein anmelden." Gesagt, getan. Beim SC Oberhavel Velten ging es fortan in der Kreisklasse um Punkte. "Der Verein war nicht so gut aufgestellt. Wir als Neulinge haben der Abteilung eine neue Struktur verpasst und gezieltes Training gemacht." Bereits in der zweiten Saison wurde der SCO Kreismeister. "Nur aufsteigen wollten wir nicht, da man zum einen knapp 900 Euro Gebühr für die Landesebene zahlen musste und wir am Wochenende hätten spielen müssen. Das kam für uns jungen Familienväter nicht in Frage."

Wenig später entbrannte in ihm dann doch der Ehrgeiz. Er wechselte so Motor Hennigsdorf in die Landesliga. Zwei Saisons schlug er höherklassig auf. "2018 bin ich dann kurz zurück nach Velten, da stand aber schon fest, dass wir nach Wustrau ziehen", so Fölkel. Mit Platz eins in der Rangliste, "meiner besten Bilanz überhaupt, verabschiedete sich Fölkel aus der Ofenstadt.

Zurück in der alten Heimat war Fölkel aufgrund seiner Spielstärke (TTR-Berechnung/TTR = Tischtennis-Rating) sofort die Nummer eins. "Ich glaube, ich liege so bei 1560 Punkten", schätzt Fölkel seinen aktuellen TTR-Wert. Ausgerechnet sein erstes Spiel verlor er jedoch mit 2:3 Sätzen gegen den Pankower Christian Garlin. Das sollte fortan jedoch nicht mehr oft passieren, auch wenn am dritten Spieltag gegen den Fehrbelliner Uwe Barsch sogleich die zweite Niederlage folgte. Gegen den Ranglisten-Ersten Voyé gewann er im Derby jedoch 3:1.

Vorbild Patrick Franziska

Was Sebastian Fölkel auszeichnet, ist sein variables Topspin-Spiel, das er mit "glatten Belegen", wie er betont, aufzieht. Er mag es, permanent anzugreifen. "Wichtig dabei", sagt er, "ist den Ball in Rotation zu bringen. Ich spiele aber auch mal klassisches Blockspiel." Man müsse stets den Gegner beobachten, die Schwächen herausfinden, diese dann nutzen.

Sein großes Vorbild ist Patrick Franziska. "Er ist auch ein Angriffsspieler", so Fölkel. Franziska ist ein deutscher Tischtennis-Nationalspieler. Europameister im Doppel 2016, WM-Dritter im Mixed 2019 und Goldmedaillengewinner bei den Europaspielen. Aktueller Weltranglistenplatz: 18.

"Ihn schaue ich mir gerne auf YouTube an", verrät der Wustrauer seine Inspirationsquelle. Denn aus diesem Videoportal zieht sich der extrem ehrgeizige TSV-Akteur viel "Input", wie er sagt. Übersetzt: Anregungen. "Man muss erst die Theorie verstehen, um die Dinge in der Praxis umsetzen zu können. Ich schaue mir da extrem vielan und versuche es dann im Training zu üben." Dazu setzt er gerne auch mal sein Return-board ein, um die Vor- und Rückhand zu schulen. Am liebsten hat er natürlich einen Spielpartner, um die Abläufe für die Wettkämpfe besser einstudieren zu können. Kurzum: Fölkel hat einen klaren Plan, "da ist immer ein Konzept parat". Er verfügt zudem über zahlreiche Aufschlagvarianten.

Den Lohn für diese Akribie, diesen Verbesserungsdrang erspielt sich Sebastian Fölkel an der Platte. Auch dank seiner Punkte ist der TSV Wustrau ein heißer Anwärter auf den Staffelsieg. Mit Fehrbellin III, Wustrau und Neustadt V mischen drei Ruppiner Teams ganz vorn mit.

Berechnung der Spielstärke ähnlich wie beim Schach / Top-Drei der Ranglisten Einzel und Doppel

Spielstärke:Die TTR-Berechnung (TTR = Tischtennis-Rating) ist zuerst einmal nichts Neues, sondern vom Schach entliehen. Dort spricht man von Elo-Zahlen und der Elo-Rangliste. Die Elo- beziehungsweise TTR-Zahl bezeichnet den jeweiligen Punktewert eines Spielers. Dabei soll die Zahl ein Maß für die Spielstärke sein, ähnlich wie der IQ-Wert ein Wert der Intelligenz sein soll.

Top-Drei Einzelin der 3. Landesklasse:1. Sebastian Voyé(Fehrbellin III)⇥36:62. Roland Ratschke(Neustadt V)⇥32:43. Sebastian Fölkel(Wustrau)⇥31:4Top-Drei Doppelin der 3. Landesklasse:1. Sebastian Voyé/Uwe Barsch(SV Fehrbellin III)⇥12:12. Roland Ratschke/Andreas Klare(SR Neustadt V)⇥11:13. Erik Braband/Mario Geidel(ESV Wittenberge III)⇥11:3

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