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Kornspeicher-Kino
Daniel Abma präsentiert Autobahn-Film

Mit im Publikum: Daniel Abma hat die Veränderungen in Bad Oyenhausen über Jahre begleitet und daraus einen Film gemacht. Am Mittwoch zeigte er ihn im Kornspeicher Neumühle.
Mit im Publikum: Daniel Abma hat die Veränderungen in Bad Oyenhausen über Jahre begleitet und daraus einen Film gemacht. Am Mittwoch zeigte er ihn im Kornspeicher Neumühle. © Foto: Janett Höppner
Janett Höpner / 14.02.2020, 05:30 Uhr
Neumühle Wenn man von Berlin nach Holland fährt, passiert ein "Wunder". Eben noch auf der Autobahn, findet man sich plötzlich an einer Ampel in Bad Oeynhausen wieder. Vom Fahrer unbemerkt ist die Autobahn in eine Bundesstraße übergegangen. Näh- und Stoffgeschäft, Erotikladen und gefühlt 30 Tankstellen säumen dann die Straße. 25 000 Lkw und Autos fahren täglich mit Tempo 50 – oder weniger wegen kilometerlanger Staus – durch die Innenstadt von Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen. "Wir sind der einzige Kurort mit direktem Autobahnanschluss" scherzt die Stadtführerin beim Spaziergang durch den Kurpark. "Wir sind seit 40 Jahren dabei, die Umgehungsstraße zu bauen." Das bringt die Zuschauer am Mittwochabend im Kornspeicher in Neumühle zum Lachen.

Kurioses Stadtporträt

Filmemacher Daniel Abma, 1978 in Holland geboren, kennt diese Verkehrssituation zur Genüge. Als er einmal wieder dorthin fährt, steht ein Schild am Straßenrand, das den Bau einer Autobahnumgehung ankündigt. "Dadurch wird sich die Situation in Bad Oeynhausen komplett ändern. Die Idee ein kurioses Stadtporträt zu machen, von der Stadt wie sie aktuell noch ist, aber bald nicht mehr sein wird, war geboren", erzählte er beim Neuruppiner Kinoabend.

Acht Jahre lang hat Abma den Bau der Autobahnumgehung in Bad Oeynhausen verfolgt. In seiner Langzeitstudie sind 120 Stunden Filmmaterial entstanden und daraus ein eineinhalbstündiger Streifen. Wer erwartet hatte, dass über Bürokratie gemeckert wird oder der Bau der Autobahn direkt mitverfolgt werden kann, wurde mit sehr viel Angenehmeren überrascht.

Ingrid und Wilfried Weihe, ein älteres Ehepaar, weißhaarig und mit Dackel, sind in dem Film in ihrem Garten zu sehen. Vor ihrem Haus wird die Umgehungsautobahn vorbeiführen. Statt Natur pur, dann Lärm und Schmutz. "Ob wir nach dem Bau auch noch oft im Garten sind? Wer weiß? Na, lange ist es ja nicht mehr", kommt der Nachsatz nüchtern. Wilfried ruft seinen Dackel, doch der bleibt stur sitzen. "Hört auf’s Wort! Nur nicht auf’s erste" sagt Wilfried Weihe. Die Zuschauer im Kino lachen wieder. Solche trocknen Kommentare würzen den Film humorvoll.

Direkt, authentisch und ohne, dass der Zuschauer die Fragen hört, kommen die Einwohner der Stadt zu Wort. So spricht Karin Braun, die betagte Inhaberin des Näh- und Stoffgeschäftes, mit ruhiger Stimme: "Wer sich das alles ausgetüftelt hat, das waren auf jeden Fall keine Leute, die hier irgendwo in der Nähe gewohnt haben, eher die, die aus besseren Vierteln kommen." Sie wird aus ihrem Laden nach dem Bau der Autobahn raus müssen. Denn ihr Vermieter hat schon angekündigt, dann selbst darin wohnen zu wollen. Von Karin Braun ist aber kein böses Wort zu hören. Die ostwestfälische Gelassenheit beeindruckt. Sie nehmen die Dinge so, wie sie sind. "Schlechte Laune darüber, bringt ja auch nichts" sagt Ingrid, die schon ihr Leben lang hier in Stille gewohnt hat. Immerhin haben sie Lärmschutzfenster für die Schlafzimmer bekommen. Sensibel und mit liebevollem Blick auf die Menschen im Ort, ist Daniel Abma ein gefühlvolles und tatsächlich kurioses Stadtporträt gelungen. Der Film endet mit der Eröffnung der Autobahn am 6. Dezember 2018.

Daniel Abma war zur Aufführung seines Filmes "Autobahn" mit dem Zug aus Berlin angereist. Im Kornspeicher Neumühle fühlten am Mittwoch knapp 20 Zuschauer mit den im Film gezeigten Menschen mit. Deshalb lautete die erste Frage an den Regisseur auch, wie es den Menschen jetzt gehe? Beim Ehepaar Weihe war Abma erst kürzlich. "Den beiden geht es gut. Im Haus ist es ruhig, die Autobahn ist nicht zu hören. In ihrem Garten ist leider ein ständiges Grundrauschen wahrzunehmen. Deshalb sitzen sie im Sommer nicht mehr so oft draußen."

Vor zwei Wochen war die Vorführung des Films im Kino in Bad Oeynhausen. Es war ein voller Erfolg. Die Bad Oeynhausener haben sich darin gut wiedererkannt. Als sehenswerten Film empfanden ihn auch die Besucher des Kornspeichers.

Film und Konzert

Weitere Infos zum Fim zum Film gibt es online unter www.autobahn-film.de.

Im Kornspeicher am Freitag, 21. Januar, die norwegische Band Ljodahatt mit einer Musikmischung aus nordischen, Folk, Jazz und Rock auf. Los geht es um 20 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Euro. Infos und Karten gibt es im Internet unter www.kornspeicherneumuehle.de.⇥red

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