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Bohlekegeln
Nullrunde für alle Alle-Neune-Sportler

Durchatmen: Gefrustet sind Alexander Wolski und seine Erstliga-Kegler des SV 90 Fehrbellin. Die Saison 2019/2020 ist für die Katz’.
Durchatmen: Gefrustet sind Alexander Wolski und seine Erstliga-Kegler des SV 90 Fehrbellin. Die Saison 2019/2020 ist für die Katz’. © Foto: Marcus Gansewig
Matthias Haack / 18.03.2020, 19:15 Uhr
Fehrbellin (moz) Mehr als ein halbes Jahr geschuftet und extrem viel Zeit investiert. Peter Wolski vom SV 90 bedauert den Schritt des Deutschen Bohle-Kegler-Verbandes vom Dienstagabend. "Schade für alle, die um die Meisterschaft und den Aufstieg die sieben Monate gekämpft haben." Aus seiner Sicht bestünde zum Streichen der Saison eine Alternative.

In seiner Erklärung schreibt der Deutsche Bohle-Kegler Verband (DBKV): "Die Ausbreitung des Corona-Virus zwingt auch uns und die Verantwortlichen der Landesfachverbände zu weitreichenden Schritten. Dass diese Entscheidungen nicht bei allen Begeisterung hervorruft, ist uns durchaus bewusst. Aber in einigen Bundesländern sind Landesmeisterschaften abgesagt, die Sporthallen geschlossen, der Trainings- und Spielbetrieb rigoros gestrichen worden. ... Und weil wir heute noch nicht absehen können, wie die Lage im April, Mai oder Juni sein wird, haben wir beschlossen, abzusagen. Das ist angesichts der gegenwärtigen Situation das einzig Vernünftige. Wir haben gegenüber unseren Mitgliedern eine Fürsorgepflicht und wollen kein Risiko eingehen."

Dies bedeutet, dass es 2020 keinen Aufsteiger aus den Landesligen, keinen Absteiger aus den Bundesligen und auch keinen Deutschen Meister für Klubmannschaften geben wird. Peter Wolski: "Sicher ist die Gesundheit das Wichtigste im Leben. Trotzdem: Warum kann man diese zwei Doppelspieltage nicht mehr spielen? Bisher weiß niemand, ob bereits im Mai die Situation anders ist und durch den Wegfall der Landes- und Deutschen Meisterschaft im Juni gespielt werden könnte. Eine weitere Möglichkeit wäre es, Anfang September an zwei Wochenenden die Spieltage durchzuführen. Man muss es nur wollen."

Damit steht der Abteilungsleiter Bohlekegeln beim SV 90 keineswegs isoliert da. Sein Sohn Alexander Wolski ist Mitglied des Fehrbelliner Bundesligateams. Er wird konkreter mit seiner Kritik an der Entscheidung: "Aus unserer Sicht ist es unverständlich, wie sich der untergeordnete Verband gegen den höheren durchsetzen kann." Denn die Mutterorganisation der Bohlekegler (DKB) hatte Ende voriger Woche lediglich ein Aussetzen der Serie sowie eine Reihe von Prophylaxe-Tipps für den Spieltag empfohlen. Dass der DBKV als eine von vier Unterorganisationen die Saison für beendet erklärt, hinterlässt bei den Fehrbellinern Kopfschütteln.

Alexander Wolski weiter: "Wir hatten auf eine Lösung gehofft, wonach sich unser Verband an den Fuß- und Handballern orientiert." Heißt: Befristet den Spielbetrieb aussetzen. Zumal haben die Bohlekegler viel Spielraum, um die beiden noch ausstehenden Doppelspieltage nachzuholen. Das kann vor, aber auch nach den Sommerferien passieren oder mittendrin, wie Wolski meint. "In den Urlaub wird sowieso kaum noch jemand verreisen. Wir sind schon etwas stinkig über den Weg, den der DBKV gewählt hat."

Der Frust hat natürlich zu einem gewissen Anteil auch mit dem Tabellenstand zu tun: Fehrbellin thront vier Partien vorm Saisonfinale und hätte zwei Heimspiele vor der Brust. Aber, so Alexander Wolski, "bei allem Verständnis für die gesundheitliche Situation: Man hätte auch im April oder Mai oder noch später die Saison streichen können. Das jetzt zu tun, ist eindeutig zu früh." Er fasst die Stimmungslage unter den Bundesliga-Vereinen so zusammen, dass 50 Prozent die DBKV-Entscheidung tragen, die andere Hälfte jedoch nicht. Bitter für die Befürworter der zunächst anvisierten Spielpause: Es kreiste unter ihnen ein Schreiben zum finalen Abstimmen, um den Verband vom Annullieren der Saison zu überzeugen. Dieser kam ihnen am Dienstag zuvor.

Statt vor Ärger Ratte auf Ratte zu  schieben, gibt das Spitzenteam des SV 90 ein neues Ziel aus: Über Jahre hat es mit seinen Vizemeisterschaften gezeigt, dass es das Niveau in der Eliteliga bestimmt. Die Zeit spielt für die Fehrbelliner. Ihr Sechser ist im Durchschnitt eine halbe Generation jünger als das der Konkurrenz. Das ist eine klare Kampfansage.

Vier Verbände unter einem Dach des DKB

Ein Buchstabe weniger und schon ist eine neue Hierarchie erreicht. Das trifft auf die primären Verbände der Sportkegler zu.DKB – Deutscher Kegler- und Bowlingbund ist der Spitzenverband für den Kegel- und Bowlingsport. Er ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund und der Fédération Internationale des Quilleurs. Er gliedert sich in vier so genannte Disziplinverbände, also die Spielarten Classic, Schere, Bohlekegeln sowie Bowling.

Dem DKB unterstellt sind:DKBC steht für Deutscher Keglerbund Classic.DSKB steht für Deutscher Schere-Keglerbund.DBU steht für Deutsche Bowling-Union.DBKV ist die Abkürzung für Deutscher Bohle-Kegler-Verband. In diesem finden sich die Fehrbelliner Sportler wieder.⇥maha

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