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Vereinssport
Jobwechsel mit Betreten des Hauses

Hat viel gelernt: Ingo Lamprecht führt seit 1. Dezember vorigen Jahres die Geschäfte des größten Sportvereins in Ostprignitz-Ruppin. "Es waren spannende 100 Tage, die nächsten 100 werden noch spannender", sagt der im Hauptamt Beschäftigte.
Hat viel gelernt: Ingo Lamprecht führt seit 1. Dezember vorigen Jahres die Geschäfte des größten Sportvereins in Ostprignitz-Ruppin. "Es waren spannende 100 Tage, die nächsten 100 werden noch spannender", sagt der im Hauptamt Beschäftigte. © Foto: Matthias Haack
Matthias Haack / 19.03.2020, 18:30 Uhr
Neuruppin (moz) Ein Spagat ist es zwar nicht, den Ingo Lamprecht hinlegt. Aber strecken muss sich der Mittvierziger gewaltig, um Haupt- und Ehrenamt im viel zu kurzen Tag zu stemmen. Er durfte in seinen ersten 100 Tagen als Geschäftsführer des MSV mehr Überzeugungsarbeit leisten als ihm lieb war. "Das ist ein schmaler Grat, um die Ehrenamtler nicht zu verprellen."

Gemeint ist das noch nicht immer vorhandene Verständnis unter allen Vereinsmitgliedern, dass "meine hauptamtliche Tätigkeit begrenzt ist. Auch ich bin nach dem Dienst Ehrenamtler." Er wechselt also mit Öffnen der Haustür die Seite. Ingo Lamprecht ist Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Wustrau, arbeitet in der Gemeindevertretung mit und bringt sich in der Wustrauer Feuerwehr ein. "So sieht mein privates Leben aus" neben dem im Hauptamt. Vollgepackte Tage, da ist eine strenge Struktur nötig, um die Orientierung nicht zu verlieren. "Genau das ist extrem wichtig und für mich eine Herausforderung, die klaren Regeln im Verein umzusetzen. Es sollte jedem bewusst sein, dass ein solcher Großverein wie der MSV wie ein Unternehmen geführt werden muss."

Beinahe 800 Mitglieder zählt der MSV derzeit. Nach dem Insolvenzverfahren (2007) waren es 200 weniger, aber zehn Jahre davor wurde an der vierstelligen Marke gekratzt. In zwölf Abteilungen wird hier Sport getrieben – entweder als Hobby oder auch leistungsorientiert wie bei den Fußballern. "Hätten wir die Übungsleiter und auch die Sportstätten, könnten wir gut und gern 200 mehr aufnehmen." Lamprecht richtet seinen Blick auf die extreme Nachfrage aus dem Gymnastikbereich. Der Trend zeige ganz klar nach oben. Allein deshalb sei eine zentrale Anlaufstelle so immens wichtig – gerade auch jetzt, wenn der gesamte Vereinssport durch die Corona-Krise auf Eis gelegt ist. Der Vorstand will in dieser Woche tagen, um Absprachen zu treffen, wie der Sport an der Basis auf den unsichtbaren Gegner reagiert. Unter anderem wird wohl die Mitgliederversammlung, angesetzt auf den 27. März, abgesagt. Ingo Lamprecht: "Uns allen stehen in den nächsten Monaten tiefe Einschnitte bevor. Ich denke, dass der Bezahlsport überall zurückgefahren wird. Auch unsere Sponsoren müssen zunächst an ihre Mitarbeiter denken."

Was hinter der Zeitspanne von 100 Tagen steckt

100 Tage, das ist jene Zeitdauer, die einem Amtsinhaber zugestanden wird, um sich einzuarbeiten. 100 Tage sollten Entscheider nutzen, um sich mit den Abläufen ihrer Arbeit vertraut zu machen. Traditionell wird das erste Resümee nach Ende dieser Frist gezogen.

Ursprünglich geht dies auf den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zurück, der während der Weltwirtschaftskrise zum Präsidenten gewählt worden war. Er bat um eine Schonfrist von 100 Tagen, nach denen die Wirkung seines Reformprogramms erkennbar werden sollte. Er erließ nach seinem Amtsantritt 1933 während dieser Zeitspanne 15 Gesetze und setzte sie im US-Parlament durch, um eine wirtschaftliche Wende einzuleiten.⇥maha

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