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Vorsorge
Wie Fehrbellin sich auf Corona einstellt

Das Rathaus ist zwar nicht mehr öffentlich zugänglich. Drinnen wird aber weiterhin viel für die Menschen in der Gemeinde Fehrbellin möglich gemacht.
Das Rathaus ist zwar nicht mehr öffentlich zugänglich. Drinnen wird aber weiterhin viel für die Menschen in der Gemeinde Fehrbellin möglich gemacht. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 19.03.2020, 20:30 Uhr - Aktualisiert 20.03.2020, 09:39
Fehrbellin (MOZ) Heirat in Zeiten von Corona, sich zu trauen, ist aktuell eine doppelte Herausforderung in Fehrbellin. Statt voll besetztem Saal, vieler wartender Menschen vor der Rathaustür und einem anschließenden großen Fest mit zahlreichen Gästen müssen sich Heiratswillige derzeit mit der Minimalbesetzung begnügen. Das Brautpaar, ein Fotograf und der Standesbeamte – mehr ist nicht drin. "Die Trauungen gehen trotzdem vorerst weiter", sagte Fehrbellins Bürgermeister Mathias Perschall (SPD) am Mittwochabend im Hauptausschuss. "Zum Teil finden Hochzeiten im April aber nicht statt, weil die Leute nicht feiern können."

Die Sitzung des Hauptausschusses war das letzte öffentliche Treffen der gewählten Vertreter. Nun werden alle derartigen Versammlungen erst einmal auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Am Mittwoch war nur jeder zweite Stuhl besetzt. Das war weniger Erkrankungen geschuldet als der Vorsicht. "Ich wollte eigentlich noch die Gemeindevertretersitzung durchführen, aber die Lage lässt das nicht mehr zu", sagt Perschall mit Bedauern. Was erst einmal nach Bürokratie klingen mag, ist ein wichtiger Eckpfeiler auf dem Weg zu Entscheidungen. Wenigstens ein kleinen Häkchen kann gesetzt werden: Die Abgeordneten sind einstimmig für die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes, der dadurch rund 500 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzubekommen soll. Ohne ihr Votum  hinge das Vorhaben lange in der Schwebe. Normalerweise müsste noch die Gemeindevertretung dazu tagen. Weil das Votums nicht erst fallen soll, wenn das normale Leben wieder aufgenommen werden kann, wäre eine Eilentscheidung möglich, "wenn keine Einwände kommen", sagt der Bürgermeister. "Wir müssen ja irgendwie handlungsfähig bleiben." Das Umlaufverfahren, bei dem die Abgeordneten auf dem E-Mail-Weg abstimmen können, sei nicht so zielführend, weil dann  die Öffentlichkeit außen vor bleibe.

Die bekommt ohnehin nicht mit, was im Fehrbelliner Rathaus passiert, seit als Vorsichtsmaßnahme die Öffnungszeiten ausgesetzt wurden. Hinter den Türen des Gebäudes geht es derweil alles andere als ruhig zu. "Wir haben eine Krisenstab aus vier Mitarbeitern gebildet, der sich jeden Morgen um 8 Uhr in meinem Büro trifft und die Lage bewertet", berichtet Perschall. "Dafür ist mein Büro jetzt mit Flipcharts getafelt. Bisher haben wir auch keine größeren Probleme." Außentermine für Mitarbeiter sind aktuell untersagt, sofern es sicherere Alternativen dazu gibt. Mancher Gang nach draußen lässt sich aber nicht vermeiden. Denn die Einhaltung der Verordnungen, die von allen Ebenen erlassen werden, müssen überprüft werden. "Wir haben die Einhaltung der Ladenschließungen kontrolliert."

Das ist auch notwendig, wie sich zeigt. Denn nicht alle Läden halten sich sofort daran, dass sie eigentlich schließen müssten. "Kik und Tedi waren noch offen", sagt Perschall. Nachdem auf die Vorkehrungen hingewiesen wurde, wurde aber auch dort dem Verbot nachgekommen. Derweil sind Mitarbeiter des Bauhofs ebenfalls weiter draußen unterwegs. Statt Grünschnitt und Rasenpflege geht es aktuell darum, an den Spielplätzen und Turnhallen, die vorsorglich geschlossen wurden, Hinweisschilder anzubringen. Die Sportler, die nun auf ihre Trainingsräume verzichten müssen, sind aber ohnehin schon im Vorfeld informiert worden. Bei Spielplätzen, doch auch anderen Orten, wo größeren Gruppen zusammenkommen könnten, appelliert Perschall ans Verantwortungsbewusstsein eines jeden Einzelnen. "Ich bitte auch Sie, mit einem wachsamen Auge und Ohr darauf zu achten, dass die Spielplätze gesperrt sind."

Hotline täglich erreichbar

Damit die Einwohner der Gemeinde Fehrbellin sich wegen der für sie verschlossenen Rathaustüren nicht alleingelassen fühlen mit ihren Sorgen und Anliegen, wurde eine Corona-Hotline in der Verwaltung eingerichtet. An sieben Tagen die Woche sollen dort Mitarbeiter zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar sein. Dafür wurde ein Schichtsystem eingerichtet, das auch die Wochenenden umfasst. Die Mitarbeiter nehmen Anfragen auch auf elektronischem Weg entgegen. "Wir nehmen den öffentlichen Dienst sehr ernst und wollen den Leuten weiterhin helfen. Wir haben extra für die Hotline einen Arbeitsplatz eingerichtet", betont Perschall. Die Mitarbeiter können dort am Computer ihre normalen Aufgaben  erledigen und damit aufhören, wenn Anrufe kommen. "Wenn das nicht ausreichen sollte, können wir noch stärker tätig werden."

Auf die Hotline und die ausgesetzten Öffnungszeiten des Rathauses wird auch auf der Webseite der Gemeinde hingewiesen. Dort finden sich auch Links zu anderen Quellen, die aktuell wichtig sind, wie das Robert-Koch-Institut oder die Seite des Landkreises. "Die aktuelle Situation ist für uns alle Neuland, wir stehen aber im engen Austausch mit anderen. Es ist keine einfache Zeit, aber wir schaffen das nur gemeinsam", schwor Perschall die Anwesenden ein. "Deswegen sensibilisieren Sie ihre Umgebung und machen Sie den Ernst der Lage klar."

Krisenfonds aufgelegt

Um die besonderen Herausforderungen stemmen zu können, hat die Gemeinden einen Krisenfonds von 30 000 Euro aufgelegt. Von dem Geld, das aus Haushaltsüberschüssen des Vorjahres und Restgeldern von Projekten besteht, die in diesem Jahr voraussichtlich nicht umgesetzt werden können, sollen weitere Schutzanzüge, Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel angeschafft werden. "Das ist aktuell wegen der Nachfrage nicht ganz leicht. Es ist aber nicht so, dass wir gar keine haben. Wir sind dahingehend schon früher aktiv geworden."

Kitagebühren ausgesetzt

Eine weitere Reaktion auf die aktuellen Veränderungen ist das Aussetzen der Kitagebühren – vorerst für einen Monat. Für die Gemeinde bedeutet das aufgrund von laufenden Positionen wie den Personal- und Betriebskosten einen Aufwand von rund 30 000 Euro pro Monat.  Da aber die Kitabetreuung im Notbetrieb nur für wenige Berufsgruppen angeboten werde und zudem immer mehr Menschen mit Kurzarbeitergeld weniger verdienten, sei das die richtige Konsequenz, findet der Bürgermeister.

Gemeindefest auf der Kippe

Auch das Gemeindefest steht aktuell in den Sternen. Die Veranstaltung ist zwar für Juni geplant. Doch schon jetzt gibt es laut Ortsvorsteher Jürgen Sternbeck die ersten Absagen. Und er befürchtet, dass die Schlachtnachstellung, die für dieses Jahr bei Hakenberg vorgesehen war, mangels Schützen und Besuchern ein Reinfall werden könnte. "Wir haben das im Krisenstab schon besprochen. Eine endgültige Entscheidung darüber wird es in spätestens anderthalb Wochen geben", so Perschall. "Mein Bauchgefühl sagt mir aber: Es sieht eher schlecht aus."

Nachlass für Museum möglich

Dieter Sarnow, Protzens Ortsvorsteher, sorgt sich hingegen um das Museum im Ort. "Was ist mit der Miete und den Betriebskosten für das Museum?" Auch dafür werde es eine Lösung geben, versichert der Bürgermeister. "Wir werden da mit Fingerspitzengefühl rangehen.  Wenn man das nicht nutzen kann, wird man das auch nicht voll bezahlen müssen", sagt Perschall.

Steter Kontakt

Wie geht es nun weiter? Es gibt einen engen Austausch zwischen dem Krisenstab und dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, berichtet Hans-Peter Erdmann. "Wenn wir breitere politische Gremien brauchen, nutzen wir das Telefon oder E-Mail." Sitzungen gibt es jetzt ansonsten erst einmal nicht. Wie lange die sitzungsfreie Zeit dauern wird, hängt vor allem davon ab, wie sehr sich die Menschen jetzt daran halten, ihre Kontakte auf ein Minimum zu begrenzen.

Informationen rund um Corona und die Sperren

Die Gemeinde Fehrbellin hat für ihre Einwohner eine Corona-Hotline eingerichtet. Auch am Wochenende gibt es dort zwischen 8 und 18 Uhr Antworten auf die Fragen der Fehrbelliner.  Die Hotline ist erreichbar unter 033932 595444 sowie untercorona@gemeinde-fehrbellin.de.⇥zig

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