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Kriminalitätsstatistik
2019 gab es weniger Straftaten in Ostprignitz-Ruppin

Kindesmissbrauch: Die Menschen sind bei diesem Thema sensibilisiert und sehen immer weniger weg. Stattdessen melden sie derartige Straftaten verstärkt bei der Polizei.
Kindesmissbrauch: Die Menschen sind bei diesem Thema sensibilisiert und sehen immer weniger weg. Stattdessen melden sie derartige Straftaten verstärkt bei der Polizei. © Foto: dpa
Ulrike Gawande / 25.03.2020, 19:57 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 08:00
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) In Ostprignitz-Ruppin ist die Zahl der erfassten Straftaten weiter rückläufig. Insgesamt wurden im Landkreis im vergangenen Jahr 7 651 Delikte registriert, von denen 4 856 aufgeklärt wurden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 63,5 Prozent, die damit deutlich über dem Landesschnitt von 56,3 Prozent liegt. Diese Zahlen weist die gestern veröffentlichte Kriminalitätsstatistik der Polizeidirektion Nord für 2019 aus. Mit der sinkenden Zahl setze sich der Trend von 2017 und 2018 fort, so Polizeisprecher Stefan Rannefeld. So wurden 2018 im Landkreis noch 7 683 strafbare Handlungen polizeilich festgehalten, was für das Jahr darauf einen Rückgang um 32 Delikte bedeutet.

Besonders freut sich der Polizeisprecher über die positive sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl, in der die Anzahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet wird. Da liegen die Landkreise OPR, Oberhavel und Prignitz, die gemeinsam den Bereich der Polizeidirektion Nord bilden, mit einem statistischen Wert von 6 352 deutlich unter dem Landesschnitt von 6 841. "Das bedeutet, dass die Chance, Opfer einer Straftat zu werden, im Nordwesten Brandenburgs am geringsten ist", so Rannefeld.

Zugenommen hat im Landkreis die Anzahl politisch motivierter Straftaten, von denen 2018 noch 87, im vergangenen Jahr jedoch schon 137 registriert worden sind.

Die gestern vorgelegte Kriminalstatistik für die Polizeidirektion Nord, zu der neben Ostprignitz-Ruppin auch Oberhavel und die Prignitz gehören, hält aber auch viele gute Nachrichten parat. So sank die Zahl der Wohnungseinbrüche auf 65 im Jahr 2019. Damit hat sich die Zahl dieser Straftaten seit 2017, als noch 133 solcher Delikte gezählt wurden, mehr als halbiert. Auch die Diebstähle aus Firmen, Büros oder Werkstätten gingen von 2018, als noch 130 Vorfälle gezählt wurden, auf 107 Straftaten 2019 zurück.

Rückgang an Einbrüchen

Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den Autodiebstählen zu verzeichnen, von denen 39 im Jahr 2019 angezeigt wurden. In den Jahren zuvor waren es stets mehr als 50. Doch die Aufklärungsquote dieser Straftaten ist gering. Lediglich 15 Wohnungseinbrüche wurden 2019 aufgeklärt und 17 der Autodiebstähle. Bei letzteren sei es schwer, einen Täter zu ermitteln, erklärt Polizeisprecher Stefan Rannefeld. Einen Ermittlungserfolg gebe es höchstens bei hochwertigen Fahrzeugen, die mit GPS-Ortungsgeräten ausgestattet seien.

Um sein Fahrzeug zu schützen, rät der Fachmann dazu, es stets abzuschließen und wenn möglich auf dem verschlossenen Grundstück zu parken. Ein Risikofaktor seien laut Polizeisprecher zudem die neuartigen Keyless-Go-Systeme, die es erlauben, ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels zu entriegeln und zu starten. Da dieses System in einem gewissen Radius funktioniert, kann ein Auto direkt vor der Tür nicht sicher abgestellt sein, wenn der Fahrer mit Schlüssel in der Hosentasche im Haus ist, macht Rannefeld auf ein mögliches Problem aufmerksam.

Nicht nur diesen Tipp gibt es bei den Präventionsveranstaltungen der Polizei, von denen im vergangenen Jahr im gesamten Gebiet 806 Veranstaltungen mit 12 176 Teilnehmern zu Themen wie technische Beratung, die auch von Firmen genutzt wird, Gewalt- und Suchtprävention bis hin zur Fahrradcodierung angeboten wurden. Doch auch wenn immer mehr Drahtesel eine Markierung besitzen, wurden in allen drei Landkreisen 2019 zusammen 1 641 Räder gestohlen. Das ist ein Anstieg um 30 Fälle. Immerhin konnten 201 dieser Straftaten gelöst werden, womit die Aufklärungsquote trotzdem nur bei 12,2 Prozent lag.

Weniger Diebstähle

Positive Meldungen gibt es im Bereich der Diebstähle, die um 314 auf 7 688 sanken. Gleiches gilt für die Betrugsfälle, die sich um 391 auf 214 Straftaten reduzierten. Eine deutliche Zunahme wird hingegen im gesamten Gebiet der Polizeidirektion Nord im Bereich der Sexualdelikte verzeichnet. Das sei zum einen eine negative, als auch eine positive Nachricht, betonte Polizeisprecher Stefan Rannefeld. So sei in den vergangenen Jahren die Hemmschwelle gesunken, derlei Vergehen, bei der Polizei anzuzeigen, berichtete er. Es sei zu merken, dass die Menschen sensibler auf Themen wie sexueller Missbrauch reagieren, bei denen früher eher weggeschaut wurde. 105 Delikte wurden 2019 angezeigt, 2018 waren es 72 Anzeigen. Insgesamt wurden 351 Straftaten im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung gemeldet. So kam es zu einem Anstieg von 54,2 Prozent beim sogenannten Ausnutzen sexueller Neigungen und um 52,1 Prozent bei der Verbreitung pornografischer Erzeugnisse, die in 71 Fällen angezeigt wurde.

Eine deutliche Zunahme gab es auch bei den Rauschgiftdelikten, die signifikant um 179 auf 1 208 registrierte Fälle anstiegen. Diese Zunahme sei zum einen mit der Bereitschaft vor allem junger Menschen verbunden, Drogen zu konsumieren, erklärte der Polizeisprecher. Zum anderen resultiere sie aus der verstärkten Kontrolltätigkeit seitens der Polizeibeamten, die immer besser ausgebildet seien, und beispielsweise im Rahmen von Verkehrskontrollen auch die Anzeichen für einen Drogenkonsum besser im Blick haben.

Sorgen bereitet dem Polizeisprecher und seinen Kollegen die zunehmende Gewaltbereitschaft. So sank zwar die Gesamtzahl der Körperverletzungen auf das Niveau von 2016 mit nun 2 717 Delikten und die Zahl der leichten Körperverletzungen ging um 41 Fälle zurück, doch die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen stieg auf 599 an.

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