Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Quarantäne-Unterbringung
In Gnewikow ist Ruhe eingekehrt

Die Revierpolizisten sind regelmäßig in Gnewikow vor Ort, um den Kontakt zu den Menschen halten. Einsätze wegen der Missachtung der angeordneten Quarantäne für die derzeitigen Bewohner des Jugenddorfs gab es zuletzt aber nicht mehr.
Die Revierpolizisten sind regelmäßig in Gnewikow vor Ort, um den Kontakt zu den Menschen halten. Einsätze wegen der Missachtung der angeordneten Quarantäne für die derzeitigen Bewohner des Jugenddorfs gab es zuletzt aber nicht mehr. © Foto: Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 07.05.2020, 16:40 Uhr
Gnewikow (MOZ) In den vergangenen paar Tagen ist es deutlich ruhiger geworden in Gnewikow. Vorfälle mit den im Jugenddorf einquartierten Corona-Infizierten gab es nicht mehr, berichten Ortsvorsteher Olaf Matschoss sowie Jörg Dielitzsch und Steven Kranz vom Ortsbeirat. Und am Freitag werden Tests vorgenommen, die dafür sorgen könnten, dass die ersten Familien wieder aus der Quarantäne entlassen werden.

Mittlerweile ist auch all das behoben worden, was in den ersten Tagen den Unmut in der Bevölkerung geschürt hatte. Vor allem die anfängliche Informationspolitik des Landkreises hatte für viele Beschwerden gesorgt. Auch wenn der Landkreis beteuert, dass es nicht die temporären Bewohner des Jugenddorfs waren, die beispielsweise am ersten Wochenende für einen Polizeieinsatz gesorgt hatten, sind dem Ortsbeirat viele andere Beispiele zu Ohren gekommen. Und Matschoss selbst hatte auch beobachtet, dass diejenigen, die eigentlich unter sich bleiben sollten, draußen unterwegs waren. "Da wurden grundlegende Dinge nicht eingehalten", beschreibt Kranz. "Es gab Kontakte über den Zaun hinweg, Umarmungen und mehr." Von den Gnewikowern bekam der Ortsbeirat viele Fotos geschickt, die das belegten. Auch bei Lebensmittel-Lieferungen wurde anfangs nicht auf die Einhaltung der Abstandsregeln und den Verzicht auf unnötigen Kontakt geachtet, sagt Kranz. Inzwischen ist aber auch dieser Punkt abgestellt. Nach einem Treffen des Ortsbeirats mit dem Sozialarbeiter im Jugenddorf, Sven Jüppner, Anfang der Woche ist eine provisorische Schleuse eingerichtet worden.

Infopolitik bleibt Kritikpunkt

Bei seiner Kritik an der Art und Weise, wie der Landkreis anfangs agiert hat, bleibt der Ortsbeirat aber. "Wir haben keine Infos von dort bekommen, sondern nur vom Jugenddorf selbst", sagt Kranz. Darüber hinaus gab es keine klar benannten Ansprechpartner beim Kreis, beim Wachschutz oder den anderen beteiligten Parteien. "Der Ortsbeirat ist der Vermittler. Aber es sind Informationen notwendig, um ein gegenseitiges Verständnis zu entwickeln", sagt Dielitzsch. Und die wurden nicht nur dem Ort vorenthalten. Auch die Stadt Neuruppin war spät informiert worden, genauso wie die Feuerwehr. Dort gab es zwischenzeitlich Bedenken, das Haus im Brandfall zu betreten, weil gar nicht klar war, ob es dadurch ein Ansteckungsrisiko für die Kameraden gibt.

All das wurde erst mit knapp einer Woche Verspätung behoben: bei einem Treffen mit Vertretern des Landkreises, der Stadt, des Ortsbeirates und des Jugenddorfs. "Jetzt wissen wir, an wen wir uns wenden können, wenn doch etwas ist", ist Kranz zufrieden. Zudem wurde der Wachschutz verstärkt. "Zu Anfang waren es nur zwei Personen. Jetzt sind sechs Leute immer im Objekt und sechs weitere in Bereitschaft", sagt er. Und statt des Flatterbandes, das zuerst genutzt worden war, gibt es jetzt einen  Bauzaun, der das Jugenddorf klar vom Rest der Bevölkerung trennt, um keine Übertragung zu ermöglichen. Zudem wurden auch noch einmal die Bewohner darauf hingewiesen, dass sie das Gelände nicht verlassen dürfen. "Da musste erst noch das Bewusstsein der Menschen reifen, dass es ernst gemeint ist, dass sie nicht raus dürfen", berichtet Sven Jüppner. Das scheint inzwischen zu klappen. "Wir haben jetzt nichts mehr groß gesehen", sagt Matschoss, bei dem in den ersten Tagen das Telefon wegen solcher Meldungen von Gnewikowern gar nicht mehr stillgestanden hätte.

Eines aber bemängelt der Ortsbeirat weiterhin. "Es ist kein richtiges Konzept erkennbar, wie das hier aufgelöst werden soll", berichtet Dielitzsch. Zwar hätte der Ortsbeirat die Aussage vom Kreis bekommen, dass nach dem 30. Mai, der derzeit als avisiertes Ende der Unterbringung gilt, keine weiteren Infizierten dort wohnen sollen. "Ob die Familien aber schrittweise zurückgeführt werden, möchte ich schon gern wissen."

Genau das ist zumindest der Sachstand, von dem der Jugenddorf-Sozialarbeiter Jüppner ausgeht. "Am Freitag gibt es Tests. Wenn dann einzelne Familien symptomfrei sind und alle negative getestet wurden, dürfen sie wieder nach Hause."

Häusliche Isolation oder Quarantäne?

Aktuell werden die Begriffe häusliche Isolation und Quarantäne teilweise gleichbedeutend verwendet. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Bei der Isolation werden Menschen, bei denen nur ein Verdacht auf eine Infektion besteht, lediglich gebeten, freiwillig zu Hause zu bleiben. Die Quarantäne ist im Gegensatz dazu rechtlich bindend. Wer dagegen verstößt, kann mit Strafen belegt werden.⇥red

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG