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Zeitungsprojekt
Landeier und Wirtschaft

Ulrike Gawande / 23.05.2020, 05:45 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 14:28
Neustadt (MOZ) Einen Artikel im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu veröffentlichen, ist für dort angestellte Journalisten Normalität. Für Lene Riecken, eine 18-jährige Schülerin der Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt ist das ein kleiner Ritterschlag – zumal ihr Beitrag "Die Vorreiterschule" als Leitartikel am 7. Mai erschienen ist.

Eine Million potentielle Leser

Glückwünsche kamen deshalb auch von Dr. Titus Maria Horstschäfer, dem Projektleiter bei der FAZ-Aktion "Jugend und Wirtschaft – Schüler werden Reporter": "Ich freue mich sehr, dass sich die Mühe für Lene gelohnt hat – wo kommt man schon mal in den Genuss, an einem Tag rund eine Million potentielle Leser zu haben." Darauf ist auch Lene Riecken stolz. Ihre Familie, die im schleswig-holsteinischen Meezen zu Hause ist, habe sich über ihren Erfolg ebenfalls sehr gefreut, berichtet die Zwölftklässlerin, die mit ihrem Politik-Leistungskurs an dem Projekt, einer Kooperation von FAZ und Bankenverband, teilgenommen hat.

Vor einem Jahr bewarb sich der Kurs mit seinem Leiter Dr. Christian Tatje um eine Teilnahme und wurde als eine von bundesweit 60 Schulen – und als einzige Bildungseinrichtung in Brandenburg – ausgewählt. Mit witzigen Sprüchen wie "Auch Landeier können Wirtschaft – OPR steht für mehr", "Stadt der Pferde versus Finanzhauptstadt – Challenge accepted" oder "#die Landeier kommen" überzeugten sie die Jury.

Seitdem widmeten sich die 23 Schüler des Politikkurses intensiv dem Studium der FAZ. Täglich wurde die Zeitung gelesen. Auch wenn Lene besonders die Sportartikel und die Politikthemen interessierten, lag beim Projekt der besondere Fokus auf dem Wirtschaftsteil. In diesem erscheinen einmal im Monat auf einer Sonderseite auch die Texte der Schüler mit ihrer Sicht auf Wirtschaftsthemen. Doch nicht jeder Artikel schafft es in die Zeitung. Von der Prinz-von-Homburg-Schule waren es in diesem Jahr gleich zwei. Im Januar schrieb Carl-Leon Kind unter dem Titel "Sie haben viele Anhänger" über die Neustädter Firma Hüffermann.

Und nun verknüpfte Lene Riecken das Projekt "Reiten in der Schule", bei dem rund 100 Jugendliche ab Klasse sieben in Spezialklassen das Fach Reitsport wählen können,  mit den positiven Auswirkungen dieses bundesweit einmaligen Angebotes auf die Wirtschaft in der Region. Auch sie selbst war über einen Zeitungsartikel auf das Projekt aufmerksam geworden. "Ich bin mit Pferden aufgewachsen und reite, seitdem ich zur Schule gehe, Turniere", so Lene Riecken. "An dem Projekt gefällt mir, dass das Reiten in die Schulzeit integriert ist." So habe man mehr Freizeit, weil die Fahrten zum Stall entfallen. Ihre Eltern meldeten sie darauf zum Reittest in Neustadt an, den sie bestand. Und so lebt die 18-Jährige seit rund vier Jahren im Internat Schloss Spiegelberg. Mit ihren Pferden Sacramento und Campino, ein Oldenburger und ein Mecklenburger, gehört sie seit der achten Klasse zu der Spezialklasse Reiten. Spezialisiert hat sie sich auf den Springsport. Ihr gefällt  das Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter.

Ziel: Landwirtschaftsstudium

Obwohl sie bei Landesmeisterschaften für Brandenburg erfolgreich war, möchte Lene Riecken beruflich nicht als Reiterin ihren Lebensunterhalt verdienen. Nach ihrem Abitur im kommenden Jahr strebt sie erst einmal eine Ausbildung zur Pferdewirtin an. Dann will sie Landwirtschaft studieren. Kein ungewöhnlicher Berufswunsch, ist doch ihr Vater ebenfalls Landwirt. An diesen Plänen konnte auch der Ausflug in die Welt des Journalismus nichts ändern. Trotzdem habe es ihr Spaß gemacht, einmal einen Zeitungsartikel zu schreiben. "Ein Praktikum in einer Redaktion kann ich mir vorstellen."

Für die Recherche ihres Textes über das Projekt Reiten in Neustadt benötigte Lene Riecken mehrere Monate, und sie führte unzählige Interviews. "Ich wusste nicht, dass das so ein großer Aufwand ist", gibt die 18-Jährige ehrlich zu. "Aber alle meine Interviewpartner waren aufgeschlossen und fanden es gut, dass ich über das Thema schreibe." Unterstützung in Form von Zahlen und Fakten bekam sie auch von der Verwaltung in Neustadt. Doch solch positive Reaktionen bekamen nicht alle ihre Mitschüler. Einige erhielten nicht einmal eine Antwort auf ihre E-Mails an mögliche Interviewpartner.

Doch jetzt freut sich Lene Riecken, dass die Schule, wenn auch nur an zwei Tagen in der Woche, wieder gestartet ist. Da die 18-Jährige während der elften Klasse ein Highschool-Jahr in Kanada verbracht hat, hat sie viel nachzuholen, da sie das Schuljahr nicht wiederholen sollte. Außerdem wollte sie endlich wieder mehr reiten. Doch die Corona-Krise bremste vieles aus. Als im März Schule und Internat wegen der Quarantäne geschlossen waren und auch die Pferde im Gestüt nicht besucht werden durften, musste Lene Riecken bei einer Freundin in Neustadt bleiben, weil ihre Eltern eine Landwirtschaft haben. Umso mehr freut sie sich auf die Sommerferien, um endlich nach Hause zu fahren.

Informationen zu dem Zeitungsprojekt

Das Projekt "Jugend und Wirtschaft – Schüler werden Reporter" ist eine Kooperation der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und dem Bankenverband.

Seit 20 Jahren können sich Schulen aus ganz Deutschland für eine Teilnahme bewerben. In den letzten fünf Jahren nahmen sieben Schulen aus Brandenburg teil.

Neben der Neustädter Schule konnte in dieser Zeit aus Brandenburg nur eine Schule aus Senftenberg Texte veröffentlichen.

Eine Jury kürt zum Ende des Wettbewerbs die besten Artikel.

Alle Texte sind unter www.jugendundwirtschaft.de zu finden.⇥ug

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