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Sprache
Ute Eisenack aus Neuruppin hält Gottesdienste auf Plattdeutsch

Ute Eisenack ist Beauftragte für den Evangelischen Religionsunterricht. Sie bietet auch Gottesdienste auf Plattdeutsch an. Sie legt Wert darauf, dass die Sprache am Leben erhalten wird und spricht auch mit ihrem 91-jährigen Vater platt.
Ute Eisenack ist Beauftragte für den Evangelischen Religionsunterricht. Sie bietet auch Gottesdienste auf Plattdeutsch an. Sie legt Wert darauf, dass die Sprache am Leben erhalten wird und spricht auch mit ihrem 91-jährigen Vater platt. © Foto: Markus Kluge/MOZ
Markus Kluge / 13.06.2020, 07:39 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MOZ) Jeder kennt  das Gefühl, wenn er in einem fernen Land ist und auf einmal  aus irgendeiner Richtung vertraute Worte hört – Worte, die man sofort versteht, die einen ans Zuhause denken lassen. So geht es Ute Eisenack mit Plattdeutsch.

"Wenn ich das auf der Straße bei jemandem höre, spreche ich ihn auch mal an", sagt die Neuruppinerin.  Denn Platt- oder Niederdeutsch wird immer seltener gesprochen.  Laut einer Studie, die vor mehr als zehn Jahren vom Institut für niederdeutsche Sprache veröffentlicht wurde, konnten in Norddeutschland nur 2,6 Millionen Menschen gut oder sehr gut Platt sprechen. Dazu gehört auch Ute Eisenacks Familie. "Ich bin damit aufgewachsen. Ich habe es zu Hause von meinen Eltern und meinen Großeltern gelernt", sagt die 51-Jährige, die aus der Nähe von Stavenhagen stammt.  Mit ihrem 91-jährigen Vater spreche sie heute auch überwiegend Platt. "Es ist ein kurzer Weg, sich gut zu verstehen", sagt sie.

Eigene Sprachmelodie

2013 kam Ute Eisenack nach Neuruppin.  In drei Kirchenkreisen ist sie die Beauftragte für Evangelischen Religionsunterricht.  2014 sei sie erstmals gefragt worden, ob sie sich auch vorstellen könne, Gottesdienste auf Platt zu halten –  und zwar in Sewekow, wo der damalige Pfarrer Gottfried Winter (1938 bis 2020) bereits auf Platt predigte und die Sprache im Ort bis heute sehr gepflegt wird. Ute Eisenack konnte – und macht es bis heute:  Auch in Rheinsberg, Großderschau, Putlitz, Ribbeck und selbst bei der Landesgartenschau in Wittstock im vergangenen Jahr war sie im Einsatz. "Es ist sehr schön, die Verkündung auf Plattdeutsch anzubieten und somit auch die Sprache lebendig zu halten", sagt sie. Dabei gehe es nicht darum, mit dem Plattschnack das Gefühl einer heilen Welt aufkommen zu lassen und Folklore zu pflegen. "Man kann sich damit auch politisch, kritisch und zu mehr Umweltbewusstsein äußern", betont sie. Deswegen behandele sie gerne aktuelle Themen. Der Inhalt bleibt derselbe, selbst wenn es sich auf Platt etwas schöner anhört. "Platt hat eine ganz eigene Sprachmelodie, und die Sprache ist sehr bildreich", kommt sie fast etwas ins Schwärmen.

Der während der Corona-Pandemie oft beschriebene Mundschutz heißt auf Platt einfach Schnutenpulli.  "Schnute wie der Mund und Pulli wie das Kleidungsstück", erklärt sie die Herkunft des Wortes, die jeder Ruppiner verstehen dürfte.

Solche Worte sind nach ihrer Einschätzung auch ein Beleg dafür, dass die Sprache noch lebendig ist. Nicht nur in Sewekow in der Kinnerschool können selbst die Jüngsten schon Platt lernen, das auch dem Englischen sehr ähnlich ist, wie das Beispiel Schule oder Clock für Uhr beweisen. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kann Niederdeutsch auch als Schulfach belegt werden. In Mecklenburg-Vorpommern ist es sogar seit drei Jahren ein mündliches und schriftliches Abitur-Prüfungsfach.

Ins Gespräch kommen

Ute Eisenack will die Sprache so oft wie nur möglich sichtbar machen und bewahren. Deshalb freut sie sich, wenn sie in Neuruppin oder auch auf Reisen Schilder und Schriftzüge auf Platt entdeckt. In ihren Gottesdiensten, die von 20 bis 40 Menschen besucht werden, legt sie daher großen Wert darauf, dass die Besucher auch untereinander ins Gespräch kommen und sich trauen, die Sprache zu sprechen, selbst wenn sie vielleicht etwas unsicher sind.  "Die Sprache braucht einen Platz in der heutigen Zeit", sagt sie. Sie hofft zudem, dass viele Menschen sensibel genug sind, Schriftstücke und Dokumente auf Plattdeutsch, die ihnen möglicherweise ihre Vorfahren hinterlassen haben, aufzubewahren, weiterzugeben und nicht einfach zu entsorgen, nur weil sie selbst damit nichts anfangen können.

Am 30. August wird Ute Eisenack auch erstmals in Bechlin einen Gottesdienst auf Plattdeutsch halten. "Darauf bin ich sehr gespannt", so die 51-Jährige.

Wer plattdeutsche Materialien hat, die es zu bewahren gilt, kann sich an Ute Eisenack per E-Mail wenden. Sie ist unter U.Eisenack@ekbo.de zu erreichen.

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