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Landwirtschaft
In Zempow zeigt sich - Hanf ist ganz groß im Kommen

Was Hanf kann: Dr. Wilhelm Schäkel (links) begrüßte die Teilnehmer auf der Bio-Ranch in Zempow und erzählte aus seinen Erfahrungen beim Anbau der uralten Nutzpflanze Hanf.
Was Hanf kann: Dr. Wilhelm Schäkel (links) begrüßte die Teilnehmer auf der Bio-Ranch in Zempow und erzählte aus seinen Erfahrungen beim Anbau der uralten Nutzpflanze Hanf. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 21.06.2020, 16:00 Uhr - Aktualisiert 22.06.2020, 10:17
Zempow (MOZ) Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten einer Pflanze standen im Mittelpunkt des Hanf-Feldtages, der am Freitagnachmittag und -abend in Zempow stattfand. Auf der Bio-Ranch von Dr. Wilhelm Schäkel trafen sich bei der Veranstaltung des Landschaftspflegeverbandes Prignitz-Ruppiner Land 30 Kenner der Materie. Nordbrandenburg sei die größte Hanf-Region Deutschlands, erläuterte Schäkel. Zwölf Unternehmen bauen die Pflanze auf 800 Hektar Nutzfläche an. Schäkel selbst setzt seit 2015 auf den Anbau der allzu oft als Suchtmittel verkannten Pflanze. Er wünscht sich "ein bisschen mehr Unterstützung aus der Politik, um zu verhindern, dass grundlos irgendwann die Polizei vor der Tür steht".

Seine Sorge resultiert aus dem in Deutschland maximal erlaubten Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) von 0,2 Prozent. Schäkel sieht den Grenzwert für die erst in viel größeren Mengen psychoaktive Substanz als zu gering angesetzt. Es sei auch noch "ein bisschen unklar", wie die Landesregierung die im Koalitionsvertrag zugesagte Unterstützung der Hanfproduzenten umsetzen wolle. Wichtig wären für die angeordneten Untersuchungen ausreichende Laborkapazitäten ebenso wie eine klare Abgrenzung zwischen Nutzhanf und Hanf als Suchtmittel.

Viele Anträge auf Fördermittel

Seit zwei Jahren beschäftigt sich der Landschaftspflegeverband mit der Unterstützung der Hanfproduzenten. In diesem Zeitraum seien viele Anträge auf Fördermittel gestellt worden, berichtete der Vorsitzende Andreas Bergmann. Erstmals gebe es nun sehr gute Aussichten auf eine tatsächliche finanzielle Unterstützung durch das Land für ein vom Verband geplantes Hanf-Kompetenznetzwerk.

Bevor Henry Wieker draußen auf dem Feld sein von den Teilnehmern mit großem Interesse begutachtetes Spezial-Hanfernte-Anbaugerät für Blüten und Stängel vorstellte, sprach Marijn Roersch van der Hoogte, Vizepräsident des Branchenverbandes der deutschen Cannabiswirtschaft, über "Aktuelle Entwicklungen auf dem Nutzhanf-Markt". Der seit zehn Jahren in Deutschland lebende Biologe hat in den Niederlanden studiert und dabei schnell bemerkt, "dass Hanf sehr viel mehr als eine Freizeitdroge ist". Beim Unternehmen Hanffaser Uckermark ist er hauptberuflich für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit zuständig.

Beifutter für Rinder

Die neueste Nutzung von Hanf sei wohl die Verwendung von gehäckseltem Stroh als Beifutter in der Rinderzucht. Bei den Kühen könne das klein zerkleinerte Stroh sehr angenehm als Magenstimulator wirken. In Deutschland stehe allerdings noch die Zulassung durch die Bundesanstalt für Risikobewertung aus

Kostengünstige Hanfbaustoffe seien die Zukunft, sagte van der Hoogte. Trittschalldämmend und lärmschützend würden diese Materialien 100 Jahre lang halten. Sehr viel teurer sei die Herstellung langfaseriger traditioneller Hanftextilien. Was derzeit als Hanf-Bekleidung vermarktet wird, bestehe zwar aus der Pflanze, werde meist aber stark zerkleinert und schließlich auf Baumwoll-Bearbeitungsmaschinen in Form gebracht.

Bei den Hanfsamen sei der sehr hohe Anteil an den gesunden ungesättigten Fettsäuren zu erwähnen, so van der Hoogte. Die Nachfrage nach Hanföl wachse ständig. Sogar die Rückstände, auch Presskuchen genannt, ließen sich noch im Wellnessbereich als Hanf-Protein-Pulver oder als Tiernahrungsmittel vermarkten. Blüten und Blätter könnten, eingesetzt zum Beispiel als Tees, Ungleichgewichte im Körper abfangen und regulieren.

Die ganz große Zeit der Verpackungsmittel aus Hanf werde erst noch kommen, vermutet der Biologe. Wenn sämtliches Einweg-Plastik verboten ist, würde deutlich verstärkt auf Hanf zurückgegriffen werden, auch weil die Umweltbilanz beim Anbau sehr gut sei. In den nächsten zehn Jahren könne sich Hanf zum Gold der Zukunft entwickeln.

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