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Verkehr
Umleitung für Seedamm-Baustelle führt zu langen Umwegen nach Neuruppin

Schnelle Entscheidung gefragt: Nicht nur auswärtige Autofahrer haben schon die Umleitung genutzt und sich über lange Umwege geärgert. Auch am Fährweg steht ein solches Schild, das Richtung Wuthenow weist.
Schnelle Entscheidung gefragt: Nicht nur auswärtige Autofahrer haben schon die Umleitung genutzt und sich über lange Umwege geärgert. Auch am Fährweg steht ein solches Schild, das Richtung Wuthenow weist. © Foto: Judith Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 30.07.2020, 17:51 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 20:39
Neuruppin (MOZ) Morgens. 9.15 Uhr. Das Auto fährt von Gildenhall kommend in Richtung Neuruppin, die Sonne scheint. An der Kreuzung, die nach rechts nach Neuruppin und nach links nach Wuthenow führt, kommt es zur ersten Irritation an diesem Tag. Autofahrern wird dort eine Umleitung angezeigt, die nach Neuruppin führen soll. Klar, wegen der Seedamm-Baustelle. Guten Glaubens biegen viele dort links ab und folgen der Umleitung. Damit beginnt eine etwas längere Reise durchs schöne Ruppiner Land.

Auf dem Kilometerzähler des Autos steht hinten eine 18, als die Tour beginnt. Zuerst geht es nach Wuthenow, wo das nächste Schild in Richtung Lichtenberg zeigt. Der Weg führt weiter weg vom eigentlichen Ziel dieser Fahrt. Das schafft zwar eine gewisse Verwirrung. Aber diejenigen, die diese Umleitung geplant haben, werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Und der Blick über die Felder, auf denen schon die ersten Strohballen liegen, ist wunderschön. Sehr idyllisch.

In Herzberg ist Schluss

Ein Schild gibt es jetzt nicht mehr, dafür aber quasi auch nur eine Straße. Und die führt nach Radensleben. Rechts liegt das Gut Hesterberg. In Radensleben dann das nächste Schild – es weist auf die L 164 nach Herzberg. Dort angekommen schließlich wird der Autofahrer dann auch nicht mehr an die Hand genommen: Ein dicker roter Balken zeigt an, dass die offizielle Umleitungsstrecke in dem Dorf beendet ist. Den Weg nach Neuruppin über die B167 kennen die meisten sicher. Und zur Not gibt es am Kreisverkehr das nächste Hinweisschild: 15 Kilometer bis in die Fontanestadt sind es von dort aus. Und auf der B 167 kann dann auch wieder etwas mehr aufs Gas getreten werden. Für Schönheiten am Wegesrand bleibt nun kein Blick mehr. Statt der erwarteten fünf Minuten nach Neuruppin dauert die Tour rund eine halbe Stunde. Und rund 30 Kilometer mehr stehen auch auf dem Zähler.

Am Ende der Reise bleibt die Frage: Was genau haben sich die Organisatoren des Ganzen denn nun bei dieser langen Umleitungsstrecke gedacht? Der Landesbetrieb Straßenwesen ist in diesem Fall einmal nicht zuständig, wie dessen Sprecherin Dr. Cornelia Mitschka erklärt. Jeder Veranlasser einer Baustelle kümmere sich auch um die Umleitung. Auf dem Seedamm baut die Bahn. Diese müsse sich also mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde auseinandersetzen. Eines stellt aber Dr. Cornelia Mitschka schon einmal klar: "Es gibt keine Benutzungspflicht für eine Umleitung. Autofahrer haben die freie Wahl der Strecke."

Darauf verweist auch Alexander von Uleniecki, der Sprecher des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, bei dem die Straßenverkehrsbehörde angesiedelt ist. "Es gibt mehrere Gründe, wieso die Umleitungsstrecken eingerichtet worden sind, auch wenn Einheimische im Alltag sicherlich auf bekannten und kürzeren Alternativstrecken unterwegs sind", so von Uleniecki. Darum gehe es aber nicht: "Der Blick ist vor allem auf den Durchreiseverkehr und eine Verkehrsentlastung gerichtet." Die Umleitung soll mögliche Sperrungen auf der Autobahn – beispielsweise durch Baustellen oder durch erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Ferienzeit – abfedern können. "Eine Blechlawine durch Neuruppin, Gildenhall oder die umliegenden Dörfer möchte niemand haben", ist sich von Uleniecki sicher.

Verkehr gering halten

Außerdem solle der Verkehr auf dem Seedamm während der Bauarbeiten so gering wie möglich gehalten werden, damit Pendlern und Ersatzbussen eine kurze Wartezeit an den Ampeln garantiert werden kann. "Dieses Verfahren hat sich bislang bewährt, eben weil es dadurch am Seedamm zu keinen größeren Staus kommt", erklärte der Kreissprecher.

Einleuchtend ist das. Nur wer mal eben kurz nach Neuruppin fahren will, sollte die Umleitungsschilder dann doch besser ignorieren. Der Test zeigt: Wer das macht, ist ab der Kreuzung nahe Gildenhall in sieben Minuten und etwas mehr als zwei Kilometern in der Stadt – und das mit roter Ampel.

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