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Brandenburgische Orgelmuseum in der Winterkirche eröffnet

Schatztruhe für verwaiste Orgeln

Bärbel Kraemer / 19.09.2014, 08:54 Uhr
Bad Belzig (MZV) Bad Belzig ist mit der Eröffnung der Winterkirche als Teil des Brandenburgischen Orgelmuseums um eine, so Kantor Winfried Kuntz, "Blüte unter vielen Blüten in der Stadt" reicher.

Am vergangenen Sonntag beteiligte sich die Kirchengemeinde St. Marien/Hoher Fläming am "Deutschen Orgeltag", der zeitgleich mit dem "Tag des offenen Denkmals" am zweiten Septembersonntag stattfindet - und eröffnete den neuen Museumsteil.

Die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein "Musica Viva" luden ein, der alten Papeniusorgel von 1747 als Herzstück der Ausstellung, und allen anderen bislang in Bad Belzig Obdach gefundenen Instrumenten einen Besuch abzustatten. Die Marienkirche sei, so ist in der für diesen Tag herausgegebenen Festschrift zu lesen, eine "Herberge für verwaiste Orgeln" geworden.

Diese Herberge gleicht mittlerweile einer Schatztruhe. Denn das Brandenburgische Orgelmuseum im Herzen der Kur- und Kreisstadt gewährt Einblick in die Geschichte des Orgelbaus der Mark Brandenburg vom 18. bis in das 20. Jahrhundert.

"In einem Dreiklang von Kirche, Museum und Konzertforum können Orgelwerke der Barockzeit, der Romantik und der Neuzeit gehört, gespielt und ganzheitlich erlebt werden", heißt es von Seiten der Kirchengemeinde.

Wer sich den von Kantor Winfried Kuntz am Sonntag angebotenen Führungen durch das Orgelmuseum anschloss, bemerkte bald, dass hinter fast jedem Instrument auch ein Orgelschicksal verborgen ist.

Da ist die um 1810 erbaute Kabinettorgel, deren Herkunft bis auf den heutigen Tag ungeklärt ist. Nur so viel ist bekannt: In den 1980er Jahren hielt das Orgelwerk in die Bad Belziger Kirche Einzug. Bis zu diesem Zeitpunkt stand es in der Dorfkirche von Groß Briesen. Vermutet wird, dass das Instrument für die in Klein Briesen ansässige Familie von Thümen erbaut wurde.

Ein anderes Ausstellungsstück ist die Orgel aus der Dorfkirche Ilbersdorf in Sachsen-Anhalt. Sie wurde 1867 vom Dessauer Orgelbauer Giese gefertigt und musste förmlich in letzter Minute aus der seit 2006 baupolizeilich geschlossen Kirche gerettet werden - weil sich nach dem großen Sturm von 2011 die Kirchendecke bereits auf das im Original erhaltene Instrument gelegt hatte.

Zu den instrumentalen Schätzen, die in der Bad Belziger Stadtkirche zu sehen und zu hören sind, gehört auch die Kirchenorgel aus Toppel. Sie wurde 1909 von Alexander Schuke in Potsdam gebaut und ist eine Leihgabe der Firma Schuke. Ihr voluminöser Klang vermag "annährend die ganze Stadtkirche zu beschallen".

Erst ist der vergangenen Woche hielt ein Harmonium im Orgelmuseum Einzug. "Es stammt aus der Waldkapelle", sagt Kantor Winfried Kuntz und beschenkt die neugierige Zuhörerschar sogleich mit einer Hörprobe. "Ein Harmonium ist auch eine Orgel, nur mit einem speziellen Sound", fährt er mit seinen Erläuterungen rund um das Instrument fort.

Teil der Ausstellung in der Winterkirche ist auch das in einem Schaukasten ausgestellte kleine Portativ - der Nachbau eines früher häufig vorkommenden Instruments, aus dem sich im Mittelalter die Kirchenorgeln entwickelten.

Orgelpfeifen aus Holz und Zinn, Informationen in Wort und Bild über die Orgeln der Region sowie die Orgelbauer, die einst im Fläming ansässig waren, komplettieren die Ausstellung in der Winterkirche.

Die Kirchengemeinde St. Marien/Hoher Fläming nahm erstmals am "Deutschen Orgeltag" teil. Dieser wurde von der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands aus der Taufe gehoben und fand 2014 in vierter Auflage statt. An diesem Tag waren allerorten in Deutschland Orgeln zu sehen, zu hören und zu besichtigen - genau so, wie in der Bad Belziger Marienkirche.

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