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Zwischen Faszination und Problemtier

Der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte des Landkreises, Torsten Fritz, berichtete über den Wolf im Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte des Landkreises, Torsten Fritz, berichtete über den Wolf im Landkreis Potsdam-Mittelmark. © Foto: MZV
Andreas Trunschke / 10.10.2017, 11:05 Uhr - Aktualisiert 12.10.2017, 11:33
Mittelmark (MZV) Der Wolf ist faszinierend und problembehaftet zugleich und seit 2009 wieder im Landkreis Potsdam-Mittelmark beheimatet. So ist es wenig überraschend, dass der Saal im Rabener Gasthaus Hemmerling voll ist, als der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte des Landkreises, Torsten Fritz, zahlreiche Fakten und faszinierende Fotos über den Wolf in Fläming und Zauche präsentiert.

Zur Faszination des Urahnen unserer Hunde gehört für Fritz neben dem Familiensinn der Wölfe auch eine verblüffende Tatsache. Wölfe kooperieren mit anderen Tieren. So lassen sie sich von Raben potentielle Jagdbeute anzeigen. Die Raben wiederum profitieren anschließend vom Jagderfolg der Raubtiere. Aber auch Jäger und Gejagte stellen sich aufeinander ein. "Die Beutetiere wissen sehr gut, ob der Wolf auf der Jagd ist oder nicht", erzählt Fritz und präsentiert Fotos, die Wolf und Reh beziehungsweise Damwild friedlich nebeneinander zeigen.

Der hiesige Wolf ist aus Polen über die Lausitz zuerst auf den Truppenübungsplatz Altengrabow eingewandert. Vor allem aus diesem Rudel haben sich die weiteren fünf Rudel im Landkreis herausgebildet. Seit 2010 gibt es das Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. Ein Jahr später kam das Rudel Jüterbog dazu und noch ein Jahr später das bei Göritz-Klepzig. Bei Görzke konnte 2015 die erste Reproduktion nachgewiesen werden und bei Dobbrikow 2016. Ein Rudel umfasst durchschnittlich acht Tiere, neben den Eltern und den Jungen die Jährlinge. Von Potsdam-Mittelmark aus verbreiten sich die Wölfe weiter in Deutschland und Europa. So wurde ein Wolf aus dem Rudel Lehnin inzwischen in Bayern nachgewiesen. Einen anderen aus diesem Rudel zog es gen Norden, nach Dänemark. Insgesamt aber, so Fritz, gibt es in Deutschland noch Platz für den Wolf. Die deutschen und die westpolnischen Wölfe werden zur zentraleuropäischen Tieflandpopulation zusammengefasst. Nach Auffassung der EU sollte eine solche Population ungefähr eintausend erwachsene Tiere umfassen, um als im Bestand gesichert zu gelten. Gegenwärtig gibt es in den 46 deutschen und den 50 westpolnischen Rudeln vielleicht schon diese Anzahl an Wölfen, aber nicht an erwachsenen Wölfen. "So gesehen gibt es nach wie vor Platz für weitere Wölfe in Deutschland", ist Fritz überzeugt.

Aber auch auf die problematische Seite des Wolfes geht Fritz ein. Er ist jedoch überzeugt, dass sich die Nutztiere des Menschen durch fachgerechten Schutz schützen lassen. In Potsdam-Mittelmark gab es bisher 14 Reißvorfälle mit insgesamt 19 Schafen und Ziegen sowie 7 Kälbern. Brandenburgweit gab es bei ca. 90.000 Kalbungen im Jahr bisher 16 Kalbsrisse. "Alle fanden auf nicht fachgerecht gesicherten Koppeln statt", so Fritz. "Außerdem können Problemwölfe auch heute schon aus dem Bestand genommen werden," klärt Fritz weiter auf. Bisher war das nicht notwendig.

Als passionierten Jäger interessiert Fritz auch, inwieweit der Wolf ein Konkurrent bei der Jagd ist. Immerhin reißt ein Wolfsrudel etwa 510 Stück Schalenwild pro Jahr. Anhang von Statistiken über die jährlichen Jagdstrecken rechnet Fritz jedoch vor, dass sich die Auswirkungen für den Jäger in Grenzen halten: "Höchstens beim Damwild hat der Wolf Einfluss auf die Jagdstrecke."

Vor dem Menschen hat der Wolf eine inzwischen genetisch eingeprägte Scheu, sagt Fritz. Trifft man mit Hund auf einen Wolf, so sichert die Silhouette des Menschen, dass der Wolf Abstand hält, falls man ihn überhaupt zu Gesicht bekommen sollte. Nur wenn der Hund nicht angeleint ist, könnte der Wolf den Hund als Eindringling wahrnehmen. Aber im Wald sind Hunde auch ohne Wolf anzuleinen.

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