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Orgelsanierung
Tag der offenen Orgelbaustelle

Bärbel Kraemer / 10.06.2018, 08:17 Uhr
von Bärbel Kraemer Die Sanierung der Kirchenorgel der Niemegker St. Johanniskirche geht zügig voran. Jetzt ist auch der Beginn des dritten Bauabschnittes gesichert. Ferner sind fast alle Orgelpatenschaften, die Erlöse fließen auch in die Sanierung des Instruments, vergeben. Damit sich die Niemegker persönlich ein Bild vom Baufortschritt machen können, lädt Pfarrer Daniel Geißler am kommenden Mittwoch, 13. Juni, zu einem Tag der offenen Orgelbaustelle in die Kirche ein. Von 15.00 bis 17.00 Uhr besteht Gelegenheit, den Orgelbauern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

Still und leise hat in der Niemegker Stadtkirche ein weiteres Sanierungsprojekt begonnen. Es ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, dennoch durchaus wahrnehmbar. Während die Uhr am Kirchturm zuverlässig die Zeit angibt, wird das Uhrwerk jedoch nicht mehr vom Glockenschlag begleitet. Der Grund dafür liegt weder im Uhrwerk, noch an den drei Glocken selbst – obwohl dieselben derzeit abgehangen sind. Der Grund dafür sind vielmehr die zentnerschweren Stahljoche, die die Glocken tragen.

Im Lauf der Jahrzehnte hatte Rost massiv an den genieteten Platten der Joche genagt, so dass diese als nicht mehr sicher eingestuft wurden. „Die Firma Walter wartet schon seit Jahren die Läuteanlage und die Glocken in unserer Kirche“, erläutert der Pfarrer. Bei der letzten Wartung wurde nun festgestellt, dass der Rost die Platten immer weiter auseinander getrieben hatte. Einzelne Nieten drohten in dieser Folge bereits wegzusprengen. „In dieser Folge hätten die Glocken im schlimmsten Fall herabstürzen können“, so Geißler.

Damit „die Kirche sicher ist“, fasste die Gemeinde nachfolgend unverzüglich den Entschluss, neue Joche anfertigen zu lassen. 5.000 Euro werden jetzt in das ungeplante Vorhaben investiert. Damit der beauftragte Schmiedemeister die genauen Maße hat, überbrachten Christopher Walter und Nico Schlönert von der Glockenbaufirma Walter in Uckro bei Luckau die alten Joche quasi als Schablone. „Die drei neuen Joche werden nicht mehr genietet“, ergänzt ersterer. In Kürze sollen dieselben mit einem Kran bereits wieder durch die Schalluken in den Kirchturm gehievt werden. Im Anschluss werden die beiden jungen Männer die Joche samt Glocken wieder im Kirchturm installieren. Nach getaner Arbeit, wird auch die Turmuhr wieder schlagen.

Im Kirchturm der St. Johanniskirche gibt es drei 1922 gegossene Stahlglocken. Die größte hat einen Durchmesser von 135 Zentimetern und ein Gewicht von 1.150 Kilogramm. Die mittlere wiegt 522 Kilogramm und misst 105 Zentimeter. Die kleinste bringt 200 Kilogramm auf die Waage und misst immerhin noch 80 Zentimeter im Durchmesser.

Über die Vorgängerglocken ist in der Niemegker Stadtchronik zu lesen: „1850 brannte die Niemegker St. Johannis Kirche ab, wobei die im Turm vorhandenen bronzenen Glocken in der Glut des heftigen Feuers zu einem Klumpen Metall schmolzen. Der Wittenberger Glockengießer Eduard Sencke goss aus diesem Glockenrest 1851 eine neue und größere als die bisher gewesene. Die kleinere Glocke hatte er bereits 1850 fertig gestellt, doch nach 26 Jahren war sie nicht mehr zu gebrauchen. 1876 ist sie gesprungen. Aus dieser  Glocke wurden zwei neue in unterschiedlicher Größen vom Glockengießer Friedrich Ulrich in Apolda angefertigt. 1917 läuteten die Glocken zum letzten Mal und verabschiedeten sich damit von der Kirchengemeinde, weil sie auf allerhöchste Order als Buntmetall der Rüstungsindustrie zur Herstellung von Granaten zugeliefert werden mussten.“

Nichts wie hin! Am kommenden Mittwoch,  13. Juni, wird von 15.00 bis 17.00 Uhr, zur Offene Orgelbaustelle in der St. Johanniskirche in Niemegk geladen.

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