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Projekttage
Mehr als Trecker fahren und Kälbchen streicheln

Eva Loth / 27.06.2018, 11:12 Uhr - Aktualisiert 10.07.2018, 14:57
Bad Belzig (MOZ) Innerhalb der Initiative Sekundarstufe (INISEK) lernten die Schüler der 7. Klassen der Krause-Tschetschog-Oberschule Bad Belzig in dieser Woche etwas über Landwirtschaft und grüne Berufe.

Der erste Tag beinhaltete theoretisches Wissen über Landwirtschaft und Agrarpolitik. Gemeinsam wurde ein gesundes Frühstück vorbereitet, zum Mittagessen gab es Pellkartoffeln und Quark mit vielen Kräutern. Am zweiten Tag standen Exkursionen in verschiedene Betriebe an. Die Schüler hatten Zettel mit verschiedenen Aufgaben dabei, die sie im Laufe des Tages lösen und am nächsten Tag auswerten sollten. Dazu mussten sie aber bei den Betriebsbesichtigungen wirklich aufpassen. Denn Landwirtschaft heißt nicht nur Trecker fahren und Kälbchen streicheln. Wäre es so, könnte sich sicher auch die Agrargenossenschaft Rädigke vor Azubis nicht retten. Obwohl es dort noch relativ gut läuft, wie Florian Schulze erzählt, der die Schüler beim Rundgang begleitete. Im Moment gibt es noch fünf Auszubildende im Betrieb und auch für das kommende Lehrjahr sind bereits Verträge unterschrieben. Schwierig ist es immer direkt in der Tierhaltung, denn das bedeutet auch Sonn- und Feiertagsarbeit. Ein bisschen zögerlich betraten die Schüler den Kuhstall. Während einige ein bisschen die Nase rümpften ob der Gerüche, sind andere weniger empfindlich und folgen der Aufforderung von Florian Schulze, das dort liegend Futter in die Hand zu nehmen. So konnten sie auch feststellen, woraus dieses besteht. Bei der Frage, wie viel Milch denn so eine Kuh im Jahr gibt, verschätzten sich jedoch alle. Die kleinen Kälbchen hatten es jedoch allen angetan. Die Kleinen sind gerade eine Woche von der Mutter weg, waren aber wohl schon satt. Mit ein bisschen Ausdauer und gut zureden ließen sich aber einige doch streicheln und nuckelten an dargebotenen Fingern. Florian Schulze erklärte in groben Zügen, wie die Agrargenossenschaft Energie aus der anfallenden Gülle in einer kleinen Biogasanlage erzeugt. Staunend standen alle vor dem großen Motor der Anlage. Ist dieser in Betrieb, versteht man sein eigenes Wort nicht. In der großen Scheune durften sich dann alle am Melken versuchen. Zwar nicht an einer Kuh, sondern an einem Dummy, aber die meisten stellten fest: So einfach ist es dann doch nicht. Florian Schulze hatte daneben Getreide ausgelegt, welches derzeit auf den Feldern wächst. Einiges wurde von den Schülern erkannt, anderes nicht. Besonders schwierig war es bei den reinen Körnern, die Florian Schulze in Gläsern mitgebracht hatte. Einige hatten aber zumindest den Mut, diese zu kosten. Eine weitere Aufgabe der Schüler war, sich eine Kuh auszusuchen und zu bewerten. Ist sie dick, ist sie dünn, stehen die Knochen hervor konnten die Schüler anhand von Zeichnungen beurteilen. Zum Abschluss des Rundgangs gab es für einige noch ein Highlight – Trecker fahren. Erstaunlicherweise waren es die Mädchen, die sich als erste auf das Gefährt schwangen und sich gar nicht so schlecht anstellten. Zu ihnen gehörte Kati Vomacka. Obwohl sie das erst mal auf einem Traktor saß, funktionierte es super. „Anfangs war es etwas schwierig, aber auch lustig“, sagte sie hinterher. Und könnte sich das durchaus auch als Beruf vorstellen.

Die Agrargenossenschaft Rädigke ist Mitgliedsbetrieb des Ausbildungsnetzwerkes Mittelmark-Fläming. Dieses betreibt der Kreisbauernverband gemeinsam mit Teltow-Fläming seit 2012. So können Lehrlinge besser unterstützt und auf ihre Prüfungen vorbereitet werden, erzählt Cornelia Schwarzrock, die die Schüler begleitete. So gibt es einmal im Monat Lehrunterweisungen in den Betrieben um prüfungsrelevante Fragen zu behandeln. Diese werden von den Betrieben selbst ausgerichtet. So kommen die Lehrlinge in den Genuss Dinge zu tun, die ihre normale Ausbildung nicht beinhaltet. Wie zum Beispiel der Mähdrusch. Dazu gibt es demnächst einen Ausbildungstag in Uetz-Bornim, wo die Azubis dann auch einmal Mähdrescher fahren können. Derzeit beschäftigt den Kreisbauernverband auch ein Projekt zur Nachwuchsgewinnung. Dieses ist vor allem an Kinder aus Städten und dem Speckgürtel gerichtet, die sonst kaum eine Beziehung zur Landwirtschaft haben. Die Kuh ist eben nicht lila und das Schnitzel kommt nicht abgepackt aus der Kühltheke.

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