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Festival
Ein Miteinander von Künstlern und Gästen

Pia Rückert / 06.08.2018, 12:58 Uhr - Aktualisiert 06.08.2018, 13:03
Dahnsdorf (MOZ) Noch ein Kunstfestival? Braucht es das? Mit solchen Fragen beschäftigten sich die Gründer des Festivals für Freunde, als sie sich 2012 erstmalig trafen. Was sie an bisherigen Veranstaltungen jedoch störte, war dass meist nur eine Kunstrichtung dargestellt war und Künstler und Publikum fein säuberlich getrennt waren. Das ist bei ihrem Festival anders. Auf dem Hof Dahnsdorf, bereitgestellt von Familie Claus, ist es ein schönes Miteinander von Künstlern und Gästen. Der Hof selbst ist etwa 7.000 Quadratmeter groß und inzwischen zu einer kleinen Parklandschaft geworden. Teilweise fühlt sich der Besucher in ein Märchen versetzt, lauschige Ecken laden zum Verweilen ein. Im ganzen Park sind kleine Kunstwerke und Arrangements verteilt. Besonders bei Nacht ist das sehr sehenswert, wenn vieles individuell beleuchtet ist.  Das Festival wurde unter anderem von Marie Golüke ins Leben gerufen. Sie ist in Dahnsdorf aufgewachsen, also ein richtiges Brandenburger Kind. Sie fand es schade, dass die verschiedenen Kunstrichtungen auf dem Land nicht so populär sind. Und meist nur bestimmte Interessengruppen angesprochen werden. Beim Festival für Freunde ist das anders. Hier gibt es etwas für die ganze Familie. Viele Gäste bleiben die vollen drei Tage und zelten auf dem Hof.

In diesem Jahr stand das Festival unter dem Zeichen AUSBAU OST. Dazu wurde eine neue Spielstätte eröffnet. Man konnte den alten LPG Kuhstall anmieten, in dem nun erstmalig Aufführungen stattfanden. Es wurde Wert auf Brandenburger Inszenierungen gelegt. „Wir hatten erst den Gedanken, die alten Hinterlassenschaften und unschöne Stellen abzudecken“, erzählt Stefanie Hintzsche, Pressesprecherin des Vereins „Festival für Freunde e.V.“, „aber das gehört nun mal dazu und so haben wir nur aufgeräumt und Fluchtwege geschaffen.“ Zum erstmalig erhobenen Eintritt erhielt jeder Gast ein selbstgeknüpftes Bändchen. Diese hat die Familie von Kevin Adamczak in wochenlanger Arbeit angefertigt. Um die Wolle auf Länge zu schneiden, wurde extra eine kleine Apparatur entwickelt, betrieben mit einem Akkuschrauber. Die Freundschaftsbändchen stehen für den Sinn des Festivals – Freundschaftswille und Freundschaftsgeist. Der moderate Eintritt von 5 Euro erlaubt dem Verein etwas mehr finanzielle Unabhängigkeit. Man wollte einfach nicht mehr, dass alles nur auf den Spendern lastete. Gefördert wird das Festival unter anderem von der Kulturstiftung des Bundes, dem Fond neuer Länder, dem Ministerium für Wissenschaft, dem Landkreis und der Sparkasse. Und natürlich von vielen Firmen und Privatpersonen der Region und des Ortes.

An jedem der drei Tage fanden die verschiedensten Veranstaltungen statt. „Aber nicht allzu viel“, so Stefanie Hintzsche, „die Gäste sollen nicht durch die Aufführungen hetzen und hinterher gar nicht mehr wissen, was sie alles gesehen haben.“

Eingeleitet wird jede Aufführung mit einem Gongschlag. Dann können sich alle Interessierten auf dem Hof versammeln, und gemeinsam zur Aufführung gehen. Natürlich ist das Festival barrierefrei, so dass auch Menschen mit Behinderung und Rollstuhl daran teilnehmen können. „Aber ohne Walky Talky geht nichts“, sagt Stefanie Hintzsche. Bei Führungen über das Gelände passiert es oft, dass sie „angepiept“ wird, weil anderswo Fragen aufgetreten sind.

Die Künstler sind international, sowohl aus Deutschland, als auch aus Österreich, der Schweiz und Frankreich kamen Anfragen zur Teilnahme. Das Puppentheater kommt aus Tschechien und hatte seinen Auftritt im alten Kuhstall. Die Künstler sind zum „Anfassen“. Man kann sich mit ihnen unterhalten und sie stehen für alle Fragen der Gäste bereit. Wie Parijato Muster. Er stellte auf seiner Ausstellung am Freitag auf den ersten Blick zunächst ungewöhnliche Fotos aus. Auf den ersten Eindruck wirken sie wie Stillleben. Aber Muster arbeitet mit dem, was er in der Natur findet, wie Blütenblätter, Steine, Holz und anderes. Seine Fundstücke ordnet er zu Bildern an und fotografiert diese schließlich. Hinter manchen Fotos stecken kleine Geschichten, wie die eines Zweijährigen, der einen Stein fand, diesen aber wieder wegwarf. Parijato Muster hob ihn wieder auf, legte weiter Fundstücke wie eine Tannennadeln dazu und so entstand ein wunderschönes Bild. „Was sie alles sehen“ wundern sich die Betrachter oft. Dann entgegnet er: „Was Sie alles nicht sehen“. So finden seine Farbspiele begeisterte Anhänger. Außerdem beschäftigt er sich mit Natur- und Landschaftsdichtung. Dabei beschreibt er nicht nur Schönes, sondern auch Hässliches. Unter dem großen Apfelbaum lauschten die Zuhörer, manchmal tief in Gedanken versunken, seinen Versen.

Aber auch die Kinder freuen sich jedes Jahr erneut auf das Festival. Zu ihnen gehören Lena, 11 Jahre alt, und Amber, 6 Jahre. Sie sind die Enkel von Familie Claus. Beide malen gern. Dabei zeigt Lena ihr schon fertiges Kunstwerk, während sie Amber Hinweise gibt.

Neben Ausstellungen, Aufführungen mit Tanz und Theater und Konzerten wurden verschiedene Workshops angeboten. So ging es mit Claudia Zesche auf Kräuterjagd durch Wald und Wiese. Die Dahnsdorferin ist Kräuter- und angehende Wildnispädagogin und teilt gern ihr Wissen mit anderen. So stellte sie gemeinsam mit Britt Muschert und den Gästen natürliche Kosmetikprodukte her. Auch der Workshop von Martin Frenzel versprach schon vom Namen her Interesse. Körperabdrücke – Bodyprints.

Inzwischen wird das Festival für Freunde gut angenommen. Jedes Jahr zieht es mehr Besucher nach Dahnsdorf. „Wir rechnen pro Tag mit etwa 150 Gästen“ so Stefanie Hintzsche. Schauen wir, ob diese Zahl wirklich erreicht wurde.

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