52 mal Zauche
Andreas Koska und die Bockwindmühle

Andreas Trunschke / 11.01.2019, 08:27 Uhr
Cammer Andreas Koska darf man sicher als Urgestein der Zauche bezeichnen. Er hat sich schon für den alten Begriff engagiert, als die meisten ihn noch vergessen hatten. Dabei stammt Koska nicht aus der Zauche, nicht einmal aus Deutschland. Er wurde 1956 im polnischen Tychy in Oberschlesien geboren. Bereits 1970 kam er nach Westberlin. „Weil wir deutschstämmig sind“, begründet er diesen Schritt seiner Familie, „unsere ganze Familie lebte in Deutschland“. Polnisch kann er trotzdem bis heute. Nach dem Abitur studierte er Slawistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin. Bereits während des Studiums fuhr er Taxi. Im Jahr 1989 gründete er dann sein eigenes Taxiunternehmen. Ein Jahr später kommt er mit seiner Familie nach Cammer.

Die Familie suchte zunächst nur nach einem Wochenendhaus: „Die Kinder sollten in Ruhe im Garten spielen und ungefährdet auf die Straße gehen können.“ Cammer war ihnen gerade recht: „Das Haus sollte zu einem richtigen Dorf gehören.“ Außerdem sollte das Dorf südwestlich von Berlin liegen, um am Wochenende schnell aus Berlin dorthin zu kommen. In dem Haus, das die Koskas über eine Anzeige in Cammer gefunden hatten, mussten noch eine Heizung und die Sanitäranlagen eingebaut werden. Erst 2003 zieht Andreas Koska endgültig nach Cammer. Sein Taxiunternehmen hat er aufgegeben. Heute fehlt ihm die Großstadt überhaupt nicht. Zwar fährt er gern mal nach Berlin, „aber gern auch wieder weg“. Er kennt Berlin gut, es war sein Zuhause: „Heute ist es das nicht mehr.“

Von seinen neuen Nachbarn schwärmt er immer noch: „Im Dorf sind alle offen, aber man muss selbst auf sie zugehen.“ Denn anders als in der Großstadt sieht man die Menschen auf dem Dorf gewöhnlich nicht. Man muss Kontakte suchen, auf Dorffeste und in Vereine gehen. Koska kann auf Menschen zugehen. Wohl deshalb ist er bereits 2008 Chef des Festkomitees für das Jubiläum 675 Jahre Cammer. Er engagierte sich im Heimatverein und für die Bockwindmühle. Zur Jahrtausendwende begann er für die Märkische Allgemeine zu schreiben. Von 2001 bis Ende 2018 ist er das Gesicht der Zeitung im Amt Brück. Es dürfte nur wenige Menschen geben, die ihn dort nicht kennen. Zumal er als Eigentümer eines Ferienhauses auch stellvertretender Vorsitzender des Tourismusvereins Zauche-Fläming ist. Geht man mit ihm durch die Orte des Amtes, wird er von fast jedem gegrüßt.

Auch wenn Koska als Journalist aufgehört hat, will er sich weiter engagieren. Bei den anstehenden Kommunalwahlen bewirbt er sich bei seiner Partei, den GRÜNEN, als Kandidat für den Kreistag. Auch eine Kandidatur als Ortsvorsteher in Cammer oder als Bürgermeister in Planebruch kann er sich vorstellen.

Koska lebt gern in der Zauche: „Es ist eine Landschaft, die nicht sofort für sich einnimmt. Man muss ihre spröde Schönheit erst kennen und lieben lernen.“ Er verweist auf die Plane als begrenzenden Fluss, die zahlreichen Wasser- und die Windmühlen, von denen nur noch wenige erhalten sind. Auch auf die ausgedehnten Wälder, die zum Spazierengehen einladen, und auf den Blick in die Weite der Belziger Landschaftswiesen. Er schwärmt von den Tieren, denen man in der Zauche begegnen kann, den Rehen, den Großtrappen und neuerdings vielleicht dem Wolf. Natürlich auch von den Runddörfern wie Damelang, vom Gutspark in seinem neuen Heimatort und von den Antennenmesstürmen in Brück. „Am meisten aber“, sagt er, „gefallen mir die Menschen, die sich für ihre Dörfer engagieren.“

Fragt man Koska nach einem Platz in der Zauche, dem er sich besonders verbunden fühlt, muss er nicht lange überlegen: Die Mühle Cammer, genauer die Bockwindmühle, denn Cammer hat sogar zwei Mühlen, an jedem Ortsausgang eine. Für die Restaurierung der Bockwindmühle hat Koska mit gestritten: „Die Mühle ist ein Denkmal, das es zu erhalten gilt.“ Immerhin ist sie wahrscheinlich bereits 1675 als Gutsmühle erbaut worden – und hat seitdem viel erlebt. Mehrmals wechselte der Besitzer. Am 12. Februar 1894 wurde die Mühle von einem gewaltigen Sturm umgeworfen. Doch der damalige Besitzer konnte einen Windbock, der am Heiligen See bei Potsdam stand, kaufen und die Mühle an derselben Stelle wieder aufbauen. Schon vier Monate später nahm die Mühle ihren Betrieb wieder auf. Beide Daten sind auf einem Balken der Mühle eingekerbt. Im Jahr 1929 kam eine Bäckerei hinzu, 1934 wurde auf Elektroantrieb umgestellt. Doch 1951 war Schluss. Die Mühle war dem Verfall preisgegeben, bis 1984 Handwerker des Ortes auf Initiative des damaligen Bürgermeisters, Gerhard Rettig, mit der Sanierung begannen. Im Wendejahr 1989 wurde die Mühle mit einem großen Fest wiedereröffnet. Doch schon 1997/98 wurde sie für eine zweite Restaurierung wieder zerlegt. Seit der 675-Jahr-Feier von Cammer im Jahr 2008 kann die Mühle jedoch erneut besichtigt werden. Zu besonderen Anlässen wird sogar wieder gemahlen. Koska fasziniert die alte Technik. Das gesamte Mühlenhaus steht auf einem einzigen Pfahl, dem Hausbaum, der wiederum auf dem namensgebenden Bock, einem hölzernen Gestell, verankert ist. Auf dem Bock lässt sich die gesamte Mühlenmaschinerie in den Wind drehen und wieder raus. Fast noch mehr als für die Technik begeistert sich Koska für die Lage der Mühle auf einem kleinen Hügel am Ortsrand und für den Blick von der Mühle aus über Cammer und die Zauche. Lange lässt er den Blick über sein Zuhause schweifen: „Hier komme ich zur Ruhe!“

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