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52 mal Zauche
Ruth Zeidler und das Strandbad Ferch

Andreas Trunschke / 18.01.2019, 08:30 Uhr
Borkheide In Borkheide, einem der jüngsten Orte der Zauche, wohnen viele engagierte Menschen. Eine davon ist Ruth Zeidler. Sie wurde 1949 geboren, drei Jahre später kam sie mit ihrer Mutter nach Borkheide. Hier verbrachte sie Kindheit und Jugend. Ihre Kindergärtnerin war Christa Nagel, eine andere bis heute überaus engagierte Borkheiderin. Mit zwölf anderen Kindern kam Zeidler in die erste Klasse und wurde gemeinsam mit der dritten Klasse unterrichtet: „Das war nicht so günstig. Mir fehlte der Klassenverband.“ Jedes Jahr bekamen die Schüler außerdem einen neuen Klassenlehrer. Ab der fünften Klasse kamen die Kinder aus Alt Bork und Neuendorf dazu, ab der 7. Klasse die aus Borkwalde. Wie damals üblich, traten die Kinder in der ersten Klasse in die Pionierorganisation ein: „Ich war gerade krank und daher eine Zeitlang die einzige, die nicht dabei war.“ Später wird sie sogar Gruppenratsvorsitzende. Das Engagement für alle lag ihr wohl schon damals nahe, auch wenn sie meint: „Ich habe nur nicht nein gesagt.“

Zeidler erinnert sich auch an die schönen Seiten ihrer Schulzeit: „Es kamen viele neue Lehrer, die waren jung, die wollten etwas auf die Beine stellen.“ Es gab Hans-Grade-Feiern und Fläming-Schauen. Gespielt wurde im Wald: „Fernsehen gab es ja noch nicht so groß.“ Die Kinder bauten Buden und spielten Verstecke. Oder sammelten Knackholz zum Heizen und Pilze zum Essen. Besonders viele Pilze gab es in den Kuscheln, also in niedrigen Kiefernpflanzungen: „Pilze gab es damals massenhaft, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Selbst auf dem eigenen Grundstück wuchsen welche. Es gab auch Semmelpilze, „die man heute kaum noch findet“.

Später ging Zeidler auf die Polytechnische Oberschule in Belzig. Nach der Schule ließ sie sich in Potsdam zur Medizinisch-Technische Assistentin ausbilden. 1973 zog sie nach Berlin und arbeitete im Labor, elf Jahre in einer Kinderklinik, nach der Wende in einem Ärztehaus. In der Zwischenzeit kaufte die Mutter das Haus in Borkheide. Nach deren Tod nutzen Zeidler und ihr Mann das Borkheider Häuschen für die Wochenenden. Erst als Rentnerin zieht Zeidler 2014 wieder zurück nach Borkheide. Sie wäre ja lieber in der Stadt geblieben, aber ihr Mann wollte raus. Sehr bald engagiert sie sich für und in Borkheide. Sie schreibt die Protokolle und verteilt Informationen der Bürgerinitiative gegen Windräder: „Wir sind ja nicht generell gegen Windräder, aber man darf dafür keinen Wald roden.“ Als 2015 die vielen Flüchtlinge kommen, muss sie nicht lange gebeten werden: „Meine Mutter war auch ein Flüchtling.“ Sie hilft, gespendete Sachen zu verteilen, und spielt mit den Kindern: „Kinder sind die Zukunft.“ In ihrer alten Schule ist sie aus demselben Grund Lesepatin. Außerdem tanzt Zeidler in der Seniorentanzgruppe und beim Line Dance.

Orte, die ihr besonders viel bedeuten, findet Zeidler wie viele Menschen vor allem in der Kindheit. So erinnert sie sich an den Wald ihrer Kindheit: „Aber der hat sich inzwischen sehr verändert.“ An einen anderen Ort ihrer Kindheit erinnert sie sich besonders intensiv, obwohl der nicht einmal in Borkheide liegt. „Als Kinder sind wir gern baden gefahren“, erzählt sie. In Borkheide selbst  konnte man damals höchstens im Schwimmbecken im Schulungsgebäude der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) im Haus Bork baden, denn das Waldbad wurde erst später gebaut. Ganz am Anfang fuhr man zum Baden noch nach Rädel an den Gohlitzsee, aber das kennt sie nur noch aus den Erzählungen ihrer Mutter. Selbst erinnert sie sich noch an die Kiesgruben bei Wittbrietzen, an den Riebener See und an das Strandbad Ferch.

Vor allem letzteres hat sich ihr eingeprägt: „Wir fuhren immer mit dem Fahrrad hin, wie denn sonst?“, erzählt sie. Die Wege durch die Wälder waren sandig. Nicht selten begegneten den Kindern Panzer. Es war anstrengend zu fahren. Aber die letzte Strecke zur Autobahn ging es schon einmal leicht bergab, und hinter der Autobahnbrücke erst recht. Man muss sich von dort bis Ferch fast nur noch rollen lassen. Zwischendurch konnte man in Kammerode sogar noch Kirschen pflücken. „Die sind heute alle weg“, bedauert Zeidler.

Im Strandbad selbst hat man einen weiten Blick über den Schwielowsee, dem größten der Havelseen, bis hinüber nach Baumgartenbrück. Im Sommer kann man auf der Wiese liegen. Früher wurde Picknick immer selbst mitgenommen: „Kartoffelsalat, ohne Kühltasche.“ Den Seepavillon gab es damals noch nicht, der entstand erst 2007. Jetzt im grauen Winter machen es sich nur ein paar Graugänse auf dem Gelände gemütlich, das zum nahen Campingplatz gehört. Im Schilfgürtel neben dem Bad suchen Schwäne und Blesshühner Unterschlupf.

Einmal war Zeidler mit anderen Kindern nach Ferch geradelt, obwohl ein heranziehendes Gewitter bereits zu ahnen war. Die Kinder suchten Unterschlupf, doch die Mutter machte sich natürlich Sorgen. Von der Heimfahrt schwärmt Zeidler bis heute: „Die Abendsonne spiegelte sich goldgelb in den nassen Nadeln der Kiefern.

Die junge Borke schimmerte in vielen Farben. So habe ich das nie wieder erlebt.“ Zeidler ergänzt: „Vielleicht  kommt daher meine Liebe zu den Kiefern.“ Auf jeden Falls ist es für sie ein guter Grund mehr, gegen Windkraftanlagen in den Wäldern der Zauche zu kämpfen.

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