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Überfall
Fischotter gegen Bachforelle

Bärbel Kraemer / 11.02.2019, 14:42 Uhr
Lütte Über Wochen war der Lütter Herbert Grüneberg damit beschäftigt, den Teich vor seinem Haus in eine sichere Forellenkinderstube zu verwandeln. Bereitwillig erzählt der 70-Jährige, wie es dazu kam. Von der Idee, bis zur Verwirklichung.

Schon seit einiger Zeit hatte der Bad Belziger Klaus Baaske, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Bachforelle in hiesigen Gewässern bemüht, den Teich im Blick. „Er bietet hervorragende Bedingungen“, erklärt der 84-Jährige und deutet auf den Lütter Bach, der denselben speist.

Grüneberg, als Tierfreund über die Ortsgrenzen hinaus bekannt, willigte ein. Dieser Tage war die Kinderstube dann bezugsfertig. 100 kleine Bachforellen, zwei bis vier Jahre alt, wurden eingesetzt, um bis zum Beginn der Laichzeit im Herbst dort weiter zu wachsen.

Doch schon am Tag darauf stellte sich heraus, dass ein ungebetener Gast sämtliche Sicherheitsvorkehrungen überwunden und in der Forellenkinderstube geräubert hatte. Er wurde zwar nicht auf frischer Tat ertappt, aber überführt. Klaus Baaske zeigt auf eine Bachforelle, die zwar nicht gefressen, den Übergriff aber dennoch mit dem Leben bezahlen musste. Der 84-Jährige deutet auf die abgebissene Schwanzflosse, die den Fischotter als Täter verrät. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ist es doch nicht das erste Mal, dass der Fischotter den hiesigen Fischzüchtern die Zuchterfolge streitig gemacht hat.

„In den ersten Jahren nach der Wende sah alles so vielversprechend aus“, beginnt der 84-Jährige zu erzählen. Mit dem Bau von Klärwerken verbesserte sich die Wasserqualität in den Flämingbächen. Von der Nieplitz bis zur Plane. Die Bachforellenbestände erholten sich. Der von den Züchtern eingesetzte Nachwuchs fand wieder optimale Lebensbedingungen vor. „Dafür stellten sich mit den Jahren andere Probleme ein“, so der Bad Belziger. Immer öfter bedienten sich Mink und Fischotter am gedeckten Tisch. „Wenn man diese Tierarten reduzieren könnte, wäre uns schon geholfen“, ergänzt Ulrich Thiel vom Landesanglerverband Brandenburg (LAV), der die Kosten übernommen hatte. Ein niedriger dreistelliger Betrag floss nach Thiels Aussage in den Besatz und die Sicherung des Gewässers.

Wie viele Bachforellen dem nächtlichen Angriff zum Opfer gefallen sind, können die drei Männer nicht beziffern. „Alle kann er nicht rausgefressen haben“, glaubt Grüneberg. Damit die übrigen Fische nicht auch noch gefressen werden, wird die Kinderstube weiter gesichert. Zum Elektrozaun kommt noch ein Vogelschutznetz und eine zusätzliche Vergitterung am Bacheinlauf. Dort, so Grünebergs Vermutung, hatte sich der Fischotter auch Zutritt verschafft.

Mittlerweile gleicht der Teich vor seinem Haus einem Hochsicherheitstrakt.

„Das hier ist beinah unser letzter Versuch, die Bachforellen zu retten“, bemerkt Baaske, der sich seit mehr als fünf Jahrzehnten für den Erhalt derselben engagiert. Er erzählt, dass die Bachforellen seit dem 16. Jahrhundert in den Flachlandbächen der Region heimisch sind und kein anderer als der Kurfürst damals für den ersten Fischbesatz sorgte. Und er erzählt von den aufwendigen Bemühungen der hiesigen Züchter, die weil der Nachwuchs fehlt, längst tatkräftige und engagierte Unterstützung aus Potsdam und Berlin erfahren.

Noch zu DDR-Zeiten hatten die Bachforellen-Retter am Gesundbrunnen in Schwanebeck ein Bruthaus gebaut, wo die Aufzucht der Bachforellen erfolgreich gelang. „Wir haben damals Fischnachwuchs bis nach Mecklenburg geliefert“, so Baaske. In den 1980er Jahren wurde das Bruthaus in Schwanebeck aufgegeben und in Nähe der Springbachmühle ein neues gebaut. An die Erfolge konnte angeknüpft werden. Mit den Fischen aus der Zucht konnten die Bestände, die unter Umwelteinflüssen litten, erhalten werden. An die hoffnungsvollen Nachwendejahre schließt jetzt die bittere Erkenntnis ein, dass allein saubere Gewässer nicht ausreichen, die Art zu erhalten. „Wir verzeichnen einen dramatischen Rückgang der Bachforellen im Hohen Fläming“, bestätigt auch Thiel. Ursache dafür ist der unbändige Appetit von Mink, Fischotter & Co, die sich nicht darum scheren, dass die Bachforelle gesetzlich geschützt ist und weder geangelt, noch gefischt werden darf.

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