Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Erinnerung
Stolperstein für Ida und Rudi Sachs

Die Gruppe "Jüdisches Leben" um Benjamin Stamer, Karen Knauf (re.) und Wolf Thieme (li. vorn) regen die Verlegung der Stolpersteine an.
Die Gruppe "Jüdisches Leben" um Benjamin Stamer, Karen Knauf (re.) und Wolf Thieme (li. vorn) regen die Verlegung der Stolpersteine an. © Foto: Foto: B: Kraemer
Bärbel Kraemer / 14.03.2019, 10:08 Uhr
Bad Belzig Nachfahren der früher in Belzig lebenden Kaufmannsfamilie Sachs, die in den USA zu Hause sind, erhalten demnächst Post aus der Kur- und Kreisstadt. Nach dem am Montagabend die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss gefasst hat, mit Stolpersteinen an Ida und Rudi Sachs zu erinnern, kann diese Nachricht jetzt übermittelt werden. Die Verlegung der Stolpersteine soll im Juli dieses Jahres vor dem Wohn- und Geschäftshaus in der heutigen Sandberger Straße 10 stattfinden.

Dort waren Ida und Rudi Sachs zu Hause. Ida Sachs Ehemann Hugo, Sozialdemokrat und Stadtverordneter in Belzig, war bereits 1925 an seinen Verletzungen aus dem Ersten Weltkrieg gestorben. Nach seinem Tod führten die Witwe und beider Sohn Rudi dort "Herrnberg´s Warenhaus", das Textilgeschäft der Familie, weiter.

Während der Pogromnacht am 9. November 1938 barsten auch dort die Schaufensterscheiben. Rudi Sachs konnte in jener Nacht mit knapper Not über das Dach fliehen. Mutige Nachbarn verhinderten, dass das Haus angesteckt wurde und den Flammen zum Opfer fiel. Dennoch geriet Rudi Sachs wenig später in die Fänge der Nazis. Er wurde wegen "Verursachung von Unruhe" in "Schutzhaft" genommen und kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort wurde die Einwilligung zum Verkauf des Anwesens von ihm erpresst. Im Jahre 1939 gelang ihm von Genua aus mit dem Schiff nach Shanghai (China) die Flucht. Ida Sachs zahlte "Reichsfluchtsteuer" und "Judenvermögensabgabe" und konnte ihrem Sohn 1940 folgen. Sie starb 1944. Als der Krieg zu Ende war, immigrierte Rudi Sachs in die USA und ließ sich in San Francisco nieder, wo er in den 1990er Jahren verstarb.

Im August des vergangenen Jahres waren die in den USA lebenden Nachfahren der Familie Sachs letztmals in Bad Belzig zu Gast. Sie sahen sich in der Marienkirche die von der Projektgruppe erarbeitete Ausstellung zum Thema "Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933-1945" an und begrüßten das Vorhaben, für Ida und Rudi Sachs Stolpersteine in der Kur- und Kreisstadt zu setzen.

"Es ist wichtig, an die Geschichte zu erinnern. Die nächste Generation muss wissen, was damals passiert ist. Damit es nicht wieder geschieht", sagte Karen Knauf damals. Der Bruder ihres Großvater Moritz war der 1925 verstorbene Belziger Hugo Sachs - Rudis Vater und Idas Ehemann.

An den Jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim, er lebte in der heutigen Straße der Einheit, erinnert bereits seit Dezember 2017 ein Stolperstein.

Die Stolpersteinidee geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück, der mit ihnen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. An deren jeweils letzten selbst gewählten Wohnort werden Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg eingelassen, um die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten. Zwischenzeitlich gibt es in 1265 Orten Deutschlands und in 21 Ländern Europas Stolpersteine.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG