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Das Unverständliche bleibt unverständlich

Dipl. Ing. Stephan Schürer, nebenberuflich Personal-Coach und Pastor, Christliches Netzwerk Fläming, 033841/8533.
Dipl. Ing. Stephan Schürer, nebenberuflich Personal-Coach und Pastor, Christliches Netzwerk Fläming, 033841/8533. © Foto: Foto: privat
Stephan Schürer / 15.03.2019, 09:00 Uhr
Fläming Die Nachrichten über Kindesmissbrauch reißen nicht ab. Familien, Kirchen, Sportvereine und "Campingplätze" sind die bevorzugten Orte für Täter. Es scheint keine Kultur, kein Land, keine soziale Schicht davon ausgenommen. Scheinbar ist es auch kein Phänomen unserer Zeit. Heute wird nur vieles öffentlich. Die Bedrohung der Kinder geht meist von Vertrauenspersonen innerhalb der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises, der Nachbarschaft oder Erziehungsstätten und Vereinen aus. Ein großer Teil der Täter kommt aus der direkten Familie (Vater(figuren)), Bruder, Großvater, Mutter, Schwester, Großmutter). Nur in etwa 6 Prozent der Fälle kennen sich Täter und Opfer vorher nicht. Die Schätzungen belaufen sich für Deutschland auf rund 10 %, die in Kindheit und Jugend sexuellen Missbrauch erleben (Bieneck, Stadler & Pfeiffer, 2011). Die Opfer sind überwiegend Mädchen, aber sexuelle Gewalt wird auch Jungen zugefügt. Etwa 90 Prozent der aufgedeckten sexuellen Vergehen werden von Männern begangen, rund 10 Prozent der Täter sind Frauen (Peter, 2009).

Die katholische Kirche steht bei diesem Thema besonders im Focus. Zurecht, denn die "kirchlichen Fachleute" müssten wissen, was die Bibel, das Wort Gottes, für Maßstäbe anlegt. Es wird über Jesus und die Kinder berichtet: "Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie." (Markus 10,13-15)  Kinder sind in den Augen Gottes im höchsten Maße schutzbedürftig. Wer ihr Vertrauen ausnutzt und Macht an ihnen auslebt, verkehrt das Evangelium ins Gegenteil. Paulus argumentiert im Korintherbrief scharf gegen Praktiken, die der Nachfolge Jesu diametral entgegenstehen: "Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz im Reich Gottes haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die in sexueller Unmoral leben, Götzen anbeten oder die Ehe brechen, Lustknaben und Knabenschänder, Diebe oder Habsüchtige, Trinker, Lästerer oder Räuber werden keinen Platz im Reich Gottes haben." Wohlgemerkt, Paulus spricht hier Christen an. Nicht etwa Menschen, die sowieso keinen Wert auf Gottes Maßstäbe legen. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte im Deutschlandfunk: Der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche sei Teil einer Krise des Systems, zu dem der Zölibat ganz wesentlich gehöre. Die Krise sei größer als die in der Reformation und gefährde das Überleben der Institution – wenn die Kirche sich nicht reformiere. Die Katholische Kirche lebe vom Glauben und der Glaubwürdigkeit ihrer Verkündigung. Wie will man jemandem glauben, der derart handelt? Eine Religion, die keine Glaubwürdigkeit hat, ist am Ende.

Ernsthafte Christen jeglicher Denomination sind fassungslos. Sie haben Gottes Maßstäbe verinnerlicht. Was aber läuft hier extrem schief? Wie weit kann sich eine Institution von ihrem eigentlichen Auftrag und ihrer so einzigartigen, guten Botschaft entfernen? Die Antwort fällt schwer. Das Unverständliche bleibt unverständlich.

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