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Projektwoche
Schule und Unternehmen gehen aufeinander zu

Pia Rückert / 15.04.2019, 14:33 Uhr
Brück Es gibt Menschen, die wissen schon von Kindes Beinen an, was sie später einmal werden wollen. Andere brauchen für ihre Entscheidung länger. In der Brücker Oberschule gibt es deshalb eine ganze Projektwoche zum Thema Berufsfindung.

Unter dem Motto "Fit für die Zukunft" können sich die Schüler umfassend mit dem Thema auseinander setzen und sich informieren. Das Angebot richtet sich an die Schüler der 8. Klassen. Im Rahmen des INISEK Projektes organisiert die Koordinierungsstelle Schule und Wirtschaft des Landkreises Potsdam-Mittelmark als Projektträger und das TGZ diese Veranstaltung nunmehr zum dritten Mal gemeinsam mit der Brücker Schule.

Die Lehrer befragen im Vorfeld die Schüler nach ihren Berufswünschen. "Dann sehen wir, dass wir die entsprechenden Firmen zur Mitarbeit gewinnen können", sagt Linda Schröder, Leiterin der Koordinierungsstelle. Aber man achtet auch darauf, dass eine große Bandbreite zu sehen ist. Kürzlich waren neun Firmen in der Turnhalle der Schule zu Gast, um sich vorzustellen und die Fragen der Schüler zu beantworten. Dies geschah in Form eines "Speed Datings". Die einzelnen Gruppen hatten jeweils zehn Minuten Zeit, ihre Fragen zu stellen. "Wichtig ist uns, dass es Firmen aus der Region sind", so Linda Schröder. Die Veranstaltung ist der Einstieg in eine ganze  Themenwoche. Dabei geht es nicht nur darum, die einzelnen Firmen kennenzulernen. In den weiteren Tagen beschäftigen sich die Schüler auch mit Bewerbungsschreiben und Bewerbungsgesprächen. Dieses Wissen benötigen die Schüler für den Abschlusstag. Dann werden sie Firmen in der Stadt aufsuchen und sich dort in einem Gespräch vorstellen. Ganz so, wie es später auch passieren wird. Dieses Verfahren ist neu und wird in diesem Jahr erstmalig so durchgeführt. Die zu besuchenden Firmen sind nicht mit denen des Speed Datings identisch. "Bei allen angefragten Unternehmen erhielten wir sofort Zusagen", freut sich Linda Schröder.

Das Thema Berufsorientierung wird seit vielen Jahren in der Brücker Schule ganz groß geschrieben. Dafür wurde die Schule mehrfach ausgezeichnet. In diesem Jahr steht die Rezertifizierung als Schule mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung an. "Wir sind optimistisch, dass wir das Zertifikat zum vierten Mal bekommen", so Schulleiterin Barbara Neupauer. Immerhin haben sich jetzt schon 16 Schüler für eine weiterführende Schule angemeldet.  Verantwortlich für die Berufsorientierung sind die WAT- Lehrer (Wirtschaft-Arbeit-Technik) Sylvia Kahrmann und Steffi Hesse. "Die Schüler sollen den Blick für die verschiedenen Möglichkeiten weiten", so Steffi Hesse. In dieser Veranstaltung bekommen sie erstmals wirklich Kontakt zu den Betrieben. In der 9. Klasse werden die Schüler dann ein halbes Jahr lang immer mittwochs in einem Betrieb sein. "Wir versuchen natürlich, dabei die Interessen der Schüler zu berücksichtigen", so Steffi Hesse.

Zu den Firmen, die sich auf der Veranstaltung präsentierten, gehört die Firma Linther Glas. Sie sind zum ersten Mal dabei und suchen händeringend nach Lehrlingen. Dort werden Ausbildungen im gewerblichen und kaufmännischen Bereich angeboten – mit sehr guten Übernahmechancen. Ausgebildet wird als Industriekaufmann und im noch nicht so bekannten Beruf des Flachglastechnologen. Auch Schülerpraktika sind in dem Betrieb möglich.

Die Polizeidirektion Brandenburg war schon des Öfteren dabei. Die Kollegen haben festgestellt, dass es nach solchen Aktionen wie in der Brücker Schule vermehrt Anfragen nach Schülerpraktika und Beratungsgesprächen gibt. "Es wird sich mehr mit dem Beruf auseinandergesetzt und die Polizei nicht immer nur als die bestrafende Institution gesehen, sondern wirklich als Helfer", so Einstellungsberaterin Simone Riemann.

Im grünen Bereich sieht es nicht so rosig mit zukünftigen Azubis aus. Deshalb steht Sylvia Herrmann von Agrar Aktiv oft mit landwirtschaftlichen Betrieben der Region auf solchen Veranstaltungen, um für die grünen Berufe zu werben. Diese werden eigentlich recht gut nachgefragt, nur der Bereich Tierwirt bereitet große Sorgen. Es gibt viele Anfragen von Mädchen, die den Beruf der Pferdewirtin erlernen möchten. Viele springen jedoch wieder ab, wenn sie merken, dass Pferdewirt nicht nur bedeutet, mit den Tieren auszureiten, sondern auch Stallarbeit dazugehört. Auch Erhard Tietz, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Brück e.G. hat so seine Sorgen. Seit fast 30 Jahren bildet der Betrieb aus, aber der Nachwuchs lässt nach, sicher auch bedingt durch den Generationswechsel. Deshalb versucht er, die Schüler auf diesem Weg für die Landwirtschaft zu begeistern. In der Straßenmeisterei Bad Belzig kann man den Beruf des Straßenwärtes erlernen. Der Betrieb versucht, jedes Jahr drei Azubis zu bekommen, was sie auch meist schaffen. Entgegen vieler Meinungen ist der Beruf durchaus auch für Mädchen geeignet. Man muss aber schon zupacken können und auch ein gewisses technisches Verständnis mitbringen. Immerhin muss zwingend der LKW-Führerschein gemacht werden. Die Bundeswehr ist schon zum dritten Mal dabei. Dort gibt es Ausbildungsplätze im militärischen und zivilen Bereich. Im letzteren sind es immerhin über 50 Berufe, in denen ausgebildet wird. Auch eine Beamtenlaufbahn ist möglich. Die Bundeswehr hat über 1000 Ausbildungsstätten deutschlandweit, aber nicht alles wird überall angeboten. Deshalb kann man den Erfolg solcher Projekttage nie wirklich nachvollziehen. Vielleicht findet dieser oder jener durch diese Projektwoche ja seinen Traumjob.

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