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Brauchtum
Osterfreude vom Turm geblasen

Zum Abschluss des Gottesdienstes am Ostersonntag verkünden die Bläser unter der Leitung von Thomas Kruse nach der stillen Zeit Osterfreude.
Zum Abschluss des Gottesdienstes am Ostersonntag verkünden die Bläser unter der Leitung von Thomas Kruse nach der stillen Zeit Osterfreude. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 23.04.2019, 14:00 Uhr
Bad Belzig Ostersonntag in Bad Belzig. Als die Zeiger der Turmuhr an der Stadtkirche St. Marien auf 6 Uhr rücken, haben die Besucher des gerade zu Ende gehenden Gottesdienstes das Osterlicht bereits begrüßt. Sie tragen es mit Osterkerzen heim. Zeitgleich verkünden die Bad Belziger Turmbläser vom Turm der Kirche die frohe Botschaft von der Auferstehung Christi. Auf die Karwoche und den stillen Samstag folgt Osterfreude - die sie in ihrer Musik widerspiegeln. Seit wann vom Turm und speziell an Ostern geblasen wird, ist nicht überliefert. Nur soviel: Die Bläser unter der Leitung von Thomas Kruse pflegen einen alten Brauch. So ist zum Beispiel schriftlich belegt, dass 1883 anlässlich des 400. Geburtstages von Martin Luther und nach der Jahrtausendwende 1899/1900 am Neujahrsmorgen vom Turm der Marienkirche Choräle geblasen wurden. Während des Ersten Weltkrieges kam die Tradition zum erliegen und wurde 1929 wiederbelebt. Im "Zauch-Belziger Kreisblatt" heißt es in jenem Jahr: "Wir haben nun wieder die schöne Sitte, dass vom Kirchturm geblasen wird. Warum wird aber nicht wie früher von verschiedenen Seiten des Turmes geblasen, sondern immer nur von einer, und zwar von der nach Südosten zeigenden." Die nordwestlich von St. Marien lebenden Belziger konnten die Bläser damals nur hören, wenn der Wind den Instrumentenklang in die entsprechend Richtung trug. Erfüllen sollte sich der Wunsch des namentlich ungenannten genannten Schreibers jedoch nicht. Von den vier Türen die der Turm in etwa 40 Metern Höhe unter der ersten Turmhaube hat, lassen sich nur zwei öffnen. Weshalb die Turmbläser traditionell auf dem zur Altstadt hin befindlichen Erker spielen. Schwindelfrei muss der sein, der dort oben musizieren will. Von April bis Oktober steigen die Frauen und Männer der kleinen Bläsergruppe jeweils am ersten Sonnabend im Monat die 109 Stufen in den 46 Meter hohen Turm hinauf, um den Brauch des Turmblasens zu zelebrieren. Wie viele andere Musiker bereits vor ihnen. Inschriften im Uhrengehäuse gegenüber den Turmtüren erinnern an sie. In das Holz sind unter anderem Namen wie Müller, Kühne, Horst, Ganzert und Künnemann eingeritzt. Mitten drin auch eine menschliche Gestalt mit Trompete. Turmbläser vergangener Jahrzehnte haben sich auf dem Holz verewigt. Während des Zweiten Weltkrieges kam der Brauch zum erliegen und wurde erst durch Kantorin Thea Labes Ende der 1950er Jahre wieder mit Leben erfüllt.

Das Turmblasen am Ostersonntag ist für die Bad Belziger Turmbläser auch heute noch ein besonderer Termin - er ist keine Last, sondern große Lust. Dass ein Großteil der Einwohnerschaft um diese Zeit noch schläft, stört sie nicht. Schließlich wissen sie unter den nahezu 8.000 Kurstädtern auch einige, die die von Posaunen und Trompeten verkündete Nachricht freudig erwarten. In diesem Jahr hatte die Gruppe zudem das Glück, vom Turm aus einen einmalig schönen Sonnenaufgang zu erleben.

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