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Messstation
Miniforschungsschiff auf dem Anglerteich

Bärbel Kraemer / 12.05.2019, 08:00 Uhr
Bad Belzig Im vergangenen Jahr hatte der Bad Belziger Conrad Kopsch ein "Bathy-Boat" auf dem Wasser des Anglerteichs an der Brandenburger Straße schippern lassen. Der 69-jährige Polarforscher im Ruhestand hatte dieses Miniforschungsschiff bereits 2012 gebaut. Nach Testfahrten auf dem Jeseriger See bewährte sich das Boot bei Forschungsarbeiten in Sibirien. Im Lena-Delta half es, den Permafrostboden zu untersuchen. Im vergangenen Sommer nahm das an Bord befindliche Sonargerät dann den Gewässerboden des Anglerteiches unter die Lupe. Kopsch erarbeitete eine Wassertiefenkarte, die er den Petrijüngern des Bad Belziger Anglervereins "Fläming" überließ.

Jetzt hat er erneut Technik auf dem Anglerteich ausgebracht. Vom Ufer aus wirkt diese wie eine schwimmende Insel. Die Plattform ist jedoch verankert. "Vor Ostern haben wir die Messstation installiert", sagt Harald Lübbe, der Chef des örtlichen Anglervereins. Seitdem sendet die Station im Minuten Abstand Temperaturdaten. Gemessen 20 Zentimeter über dem Wasserspiegel, zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche sowie aus einer Tiefe von vier und sechs Metern.

Die Messstation ist mit Solarflächen ausgestattet, die die an Bord befindliche Batterie für die Messtechnik mit der erforderlichen Energie versorgt. Ursprünglich sollte die Messung nur ein Kurzzeitprojekt werden. Die Idee entstand bereits 2018. Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Bodenbeschaffenheit des Anglerteiches. Als der tiefste Punkt des Gewässers festgestellt war, er liegt bei sechs Metern, wollten Kopsch und Lübbe bald mehr wissen. Auch mit Blick auf das massenhafte Fischsterben im unweit entfernten Bad Belziger Stadionteich im Hitzesommer 2018.

"Wir wollen ermitteln, mit welchen Temperaturen wir es im Wasserkörper zu tun haben", erklärt Kopsch. Der Bad Belziger ist zwar kein Angler, will jedoch die Angelfreunde in ihren Bemühungen um das Biotop nach Kräften unterstützen. Letztere haben wiederum Kontakte zur Bad Belziger Grundschule Geschwister-Scholl geknüpft. Dort wurde bereits die  Arbeitsgemeinschaft Naturwissenschaft gegründet, die Flora und Fauna am Anglerteich erforschen will. In diesem Rahmen erhalten die Kinder natürlich auch Einblicke in die laufende Messreihe.

Im Winter begann Conrad Kopsch dann mit dem Bau des Messgeräts. Während der Entwicklung reifte der Entschluss, anstatt der einmaligen Messung eine viel aussagekräftigere Messreihe zu starten. Den Plan, die Messstation zusätzlich mit einer Sonde auszustatten, die zusätzlich den Sauerstoffgehalt und den ph-Wert im Wasser misst, haben die beiden Männer aus Kostengründen jedoch erst einmal aufgeschoben. Die hätte, im Falle eines Falles, Alarm auslösen können, wenn den Fischen der Sauerstoff im Wasser ausgehen würde - wie im vergangenen Jahr im Stadionteich. Zur Dauer der jetzt begonnenen Temperaturmessungen wollen sie noch keine Aussagen machen. Auf jeden Fall solange, wie die Batterie hält. "Bei der Gelegenheit spreche ich dem Team vom Bauhof meinen Dank aus", ergänzt Lübbe. Die hatten den "Stadtkahn", der im Bauhof eingelagert ist, angefahren und nachdem die Insel mit der Messstation auf dem Anglerteich verankert war, wieder ins Depot gebracht. Während auf den Stegen Angler ihrem Hobby nachgehen, schauen Kopsch und Lübbe dann nach den ersten Datensätzen. Und die haben es in sich. So wurden am 21. April 20 Zentimeter über der Wasseroberfläche nahezu 29 Grad Celsius gemessen. Zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche waren es 18,5 Grad. In vier Metern Tiefe hatte das Wasser noch eine Temperatur von leicht über 8 Grad und in sechs Metern Tiefe von sechs Grad.

Der Anglerteich ist kein natürliches Gewässer. Ziegeleibesitzer Wilhelm Kirsten ließ dort Ton für die Produktion von Ziegelsteinen abbauen. In den 1950/60er Jahren wurde die mit Wasser gefüllte Grube zu einem Angelteich umgestaltet. Der Anglerverein "Fläming" hat den Teich wiederum von der Stadt gepachtet.

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