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Sondervorstellung
"Ein Geschenk der Natur"

Der Kinoabend musste wegen des Wetters in das Naturparkzentrum verlegt werden.
Der Kinoabend musste wegen des Wetters in das Naturparkzentrum verlegt werden. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 15.05.2019, 09:38 Uhr
Raben Knapp 20 Naturinteressierte nutzten im Naturparkzentrum "Hoher Fläming" in Raben die Gelegenheit, in den "Wald der schwarzen Störche" einzutauchen. Aus Anlass der aktuell laufenden Sonderausstellung hatte das Naturparkzentrum zu einem Open Air und Themenfilmabend eingeladen. Der Film "Im Wald der schwarzen Störche", den Tierfilmer Hans-Jürgen Zimmermann in Süddeutschland drehte, wurde gezeigt.

"Während viele Tierarten aus unseren ausgeräumten Landschaften verschwinden, kehren andere erfreulicherweise zurück: Manche laut trompetend und mit eindrucksvollen Balztänzen auf sich aufmerksam machend wie der Kranich, andere heimlich, still und leise und im Verborgenen lebend wieder Schwarzstorch", so Steffen Bohl. Der Naturparkleiter führte durch den Abend und informierte zugleich über die Situation des Schwarzstorchs in Brandenburg und im Naturpark Hoher Fläming.

Aufgrund des unbeständigen Wetters musste die Veranstaltung jedoch kurzfristig in das Domizil des Naturparks am Brennereiweg verlegt werden. Aus dem angekündigten Open Air Kino wurde damit ein Indoor Open Air. Der Spannung tat dies jedoch keinen Abbruch.

"Als ich zu Beginn der 1990er Jahre meinen Zivildienst in einem Naturschutzgebiet leistete, wurde mir gesagt, über den Schwarzstorch redet man nicht. Wenn man ihn schützen will, dann schweigt man", so Bohl zu Beginn des Abends.

Im Naturparkzentrum betrat man damit quasi Neuland. Ausstellung und Filmabend sollen den Menschen einen majestätischen Vogel wieder näher bringen, der ab 1850 intensiv bejagt wurde. Der Schwarzstorch, ein Meister der Tarnung, war in damals in Verruf geraten, ein Fischdieb zu sein. Das Ergebnis: Er gehört heute zu den bedrohten Arten. Dass er noch beziehungsweise wieder da ist, bezeichnete Bohl als "ein Geschenk der Natur".

Schwarzstörche leben zurückgezogen in Wäldern und reagieren empfindlich auf Störungen. Und so werden die Wenigsten schon einmal einen Vertreter dieser Vogelart gesehen haben. Um so beeindruckender waren die Aufnahmen des Tierfilmers Zimmermann, dem es gelungen ist, Schwarzstörche zu begleiten und eindrucksvoll ihre Lebensweise zu dokumentieren.

Und, es gibt Parallelen. "Aktuell ist ein Brutpaar im Hohen Fläming bekannt", so Bohl. Dieses Schwarzstorchpaar, dessen Brutplatz seit drei Jahren nachgewiesen ist, zog im Dürresommer 2018 vier Jungvögel auf. Mehr noch. Im Hohen Fläming gibt es, so der Experte, einen zweiten Brutverdacht. Das lässt hoffen. In hiesiger Region wie in ganz Deutschland breitet sich der Schwarzstorch still und leise wieder aus.

Wo die majestätischen Vögel brüten, bleibt natürlich ein Geheimnis.

Nachdem Sturm "Kyrill" im Hohen Fläming zwei Schwarzstorchreviere zerstört hatte, haben Naturschützer nach geeigneten Brutrevieren Ausschau gehalten und wurden fündig. In angrenzenden Waldrevieren konnten sie Nistbäume ausfindig machen. Die sollen nun mit Plattformen versehen werden, auf denen Nistkörbe installiert sind.

Die Naturschützer sind guter Hoffnung, dass diese Quartiersangebote von den Schwarzstörchen angenommen werden. Vögel, die auf Suchflügen unterwegs waren, wurden schließlich schon beobachtet.

Doch damit nicht genug über die "alten, neuen Wilden", die still und leise in ihre ursprüngliche Heimat zurückfinden. "Die Pinselohren sind zurück", so Bohl und ist damit beim Luchs. Bei Hagelberg wurde kürzlich ein totes Tier entdeckt, welches so die Untersuchungen, an der Räude einging. Die ersten Wildkatzen wurden wiederum in Wäldern der Truppenübungsplätze festgestellt. "Die Grauen", so Bohl - gemeint ist der Wolf - haben sich prächtig entwickelt und den Hohen Fläming zum dicht besiedelsten Wolfsrevier Europas gemacht.

Nicht zu vergessen den Elch namens Bert. Er ist das einzige Tier in Deutschland, dass einen Sender um den Hals trägt. Bert schleicht sich seit einem Jahr regelmäßig in hiesige Kuhherden ein und sorgte mit diesem Verhalten für Aufsehen. Doch das machen, so der Naturparkleiter, junge Elche in Skandinavien auch. Sie schmuggeln sich in Rentierherden und in Südschweden auch in Mutterkuhherden. Berts Verhalten ist damit vollkommen normal. Im Verlauf des vergangenen Jahres ist er im übrigen prächtig gewachsen. Sein Halsband mit dem Sender musste bereits erweitert werden. Bei der Gelegenheit wurde auch die Batterie darin ausgewechselt, damit die Forschung jederzeit weiß, wo Bert unterwegs ist.

Im Hohen Fläming war der Schwarzstorch nie ganz ausgestorben. Zu DDR-Zeiten waren im damaligen Bezirk Potsdam 25 Brutpaare bekannt. Im Land Brandenburg sind aktuell 50 Brutpaare dokumentiert. Eines davon lebt im Hohen Fläming.

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