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Andacht
Kur und Kosmetik für die Kirche

Bärbel Kraemer / 16.05.2019, 11:01 Uhr
Borne Die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie machten vielerorts mit leichten Bodenfrösten auf sich aufmerksam. In Bad Belzigs Ortsteil Borne sorgten sie für Gesprächsstoff, insbesondere Pankratius.

Nachdem im Eingangsbereich der Dorfkirche kürzlich eine Schädlingsbekämpfung erfolgreich abgeschlossen werden konnte, hatte die Kirchengemeinde zu einer kleinen Andacht mit anschließendem Grillabend dorthin eingeladen – in die St. Pankratiuskirche. Dass das 800 Jahre alte Gemäuer den Namen des Heiligen Pankratius trägt, war bis zu diesem Zeitpunkt vielen unbekannt. Denn nicht einmal in der Dorfchronik war ein Hinweis darauf zu finden. Umso interessierter wurde der Andacht entgegengefiebert.

"Die Alten wussten noch um die Rolle von Pankratius", so Pfarrerin Christiane Moldenhauer, die erst einmal auf die fünf Eisheiligen einging. Einem Wetterphänomen, das zwischen dem 11. bis 15. Mai noch einmal kalte Luft beschert. Weshalb Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie, die an diesen Tagen verehrt werden, zu Eisheiligen wurden. Auch Frostige Gesellen oder gestrenge Herren genannt.

Dann ging die Pfarrerin auf die Legende um die Person des Pankratius ein, dessen Namen die Borner Kirche seit Jahrhunderten trägt. Im dritten Jahrhundert geboren, entstammte er einem vornehmen Elternhaus in der heutigen Türkei. Pankratius Eltern starben früh. Der Junge wuchs bei seinem Onkel auf. Beide entdeckten den christlichen Glauben für sich. Als der Onkel starb, setzte sich der junge Mann für verfolgte Christen ein. 14-Jährig soll er, weil er vom Glauben nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt und enthauptet worden sein. Er wurde heilig gesprochen und gilt seitdem als Schutzheiliger von Rom.

Warum die Borner Kirche nach ihm benannt wurde, ist nicht überliefert. Nur soviel: In Borne war Pankratius nie. Aber, so die Pfarrerin, ein Knochensplitter von ihm soll den Weg ins Flämingdorf gefunden haben. Wie es im Mittelalter Brauch war, soll die Reliquie in den Altar eingebettet worden sein.

Doch zurück zu den Sanierungsarbeiten. "Eine Kirche ist wie ein Oldtimer, der besondere Zuwendung braucht", sagte die Pfarrerin. Nachdem sich im vergangenen Jahr eine besonders tückische Alterserscheinung, ein Schwammbefall, offenbart hatte, musste kurzfristig gehandelt werden. 130.000 Euro, finanziert über den Denkmalschutz, den Kirchenkreis und die Kirchengemeinde, wurden in die Restaurierung investiert. "Kur und Kosmetik sind vorbei. Bleiben sie erfinderisch, damit die Kirche neu mit Leben gefüllt werden kann", so die engagierte Pfarrerin Christiane Moldenhauer an die Gemeinde. In letzterer wird derzeit intensiv über ein Nutzungskonzept nachgedacht. Das sei wichtig und zeitgemäß, betonte die Pfarrerin. "Eine Kirche ist kein Museum, auch kein Kunstschatz. Eine Kirche ist nur gesund, wenn Leben in ihr ist". Wolfgang Biedermann von der Kirchengemeinde St. Marien "Hoher Fläming" bestätigte: "Wenn ein Nutzungskonzept da wäre, würde es sich auch lohnen, auch an anderen Stellen in der Kirche etwas zu machen."

Für die schmucke Orgel, die Kantor Winfried Kuntz erklingen ließ, dürfte es hingegen schon fast zu spät sein. Sie ist vom Holzwurm stark geschädigt, die Holzpfeifen sind nahezu zerfressen. Eine Restaurierung würde einer ersten groben Schätzung zufolge mindestens 20.000 Euro kosten. Dass ihr Klang diese besondere Andacht begleitete, war zugleich Edward Viesel zu verdanken, der als Kalkant dem Instrument den zum musizieren erforderlichen Wind einhauchte und mittels Muskelkraft die Bälge trat.

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