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"Jüdisches Leben im ländlichen Raum"

Die Wanderausstellung "Jüdisches Leben in Belzig und Umgebung" im vergangenen Jahr der Auftakt. Ein Begleitbuch wird derzeit erarbeitet.
Die Wanderausstellung "Jüdisches Leben in Belzig und Umgebung" im vergangenen Jahr der Auftakt. Ein Begleitbuch wird derzeit erarbeitet. © Foto: arch/krä
Bärbel Kraemer / 08.06.2019, 08:00 Uhr
Bad Belzig Wenn am 16. Juli in Bad Belzig vor dem Wohn- und Geschäftshaus Sandberger Straße 10 Stolpersteine für Ida und Rudi Sachs verlegt werden, soll das Begleitheft zur Ausstellung über das jüdische Leben in der Region druckfrisch vorliegen.

Bad Belzigs Chronistin Helga Kästner, die das Buchprojekt federführend begleitet und die Aufsätze der beteiligten Autoren zusammenfügt, hat derzeit noch alle Hände voll zu tun. Immer wenn die Arbeiten am Manuskript beendet scheinen, kommen weitere neue Erkenntnisse und Informationen dazu.

Erst kürzlich hatte sie einen Zeitzeugenbericht zu Papier gebracht, über dem Jahrzehnte ein Mantel des Schweigens lag. Erst auf dem Sterbebett hatte eine alte Dame aus Lütte ihrer Tochter erzählt, dass während des Zweiten Weltkrieges ein auf dem Hof tätiger Zwangsarbeiter einen Juden auf dem Heuboden versteckt und ihm so das Leben gerettet hatte.

Neben den Datensätzen die die achtköpfige Arbeitsgruppe "Jüdisches Leben" um Benjamin Stamer und Wolf Thieme im vergangenen Jahr für die gleichnamige Wanderausstellung zusammengetragen hatten, wird derzeit ein weiterer interessanter Aktenfund für das Begleitheft aufgearbeitet.

Bereits im Jahre 2010 waren bei Sanierungsarbeiten in der alten Villa am Weitzgrunder Weg 23 (heute Kita des Wir e.V.) Unterlagen und Bücher einer jüdischen Jugendorganisation entdeckt worden. In einer Kiste versteckt hatten sie dort den Krieg und die Nazis überdauert. Ein Kapitel im Buch soll diesem Fund, der aktuell noch wissenschaftlich ausgewertet wird und von großer lokaler Bedeutung ist, gewidmet werden.

"Es gibt Tage, da überschlagen sich die Ereignisse", so Benjamin Stamer diesbezüglich und erklärt, dass die alte Villa 1912 als "Werner Kaufmann-Erholungsheim für Knaben" erbaut wurde - gestiftet von den jüdischen Eheleuten Martha und Emil Kaufmann. Später hatte dort ein Ausbildungslager des Hechaluz sein Domizil. Jüdische Menschen wurden in der Villa auf ihre Ausreise nach Israel vorbereitet. Einer von ihnen war Chanan Heimann, der zu denen gehörte, die die Belziger Gruppe aufbaute. Ein Bericht aus seiner Hand wird ebenfalls Aufnahme im Buch finden.

Während die Wanderausstellung zum Thema, die im vergangenen Sommer erstmals in Bad Belzig gezeigt und seitdem von mehr als 2.000 Menschen angesehen wurde, noch unter dem Titel "Jüdisches Leben in Belzig und Umgebung" stand, soll das Büchlein unter dem Titel "Jüdisches Leben im ländlichen Raum" veröffentlicht werden.

Pressestimmen zur Ausstellung und Auszüge aus dem Gästebuch sollen das Material ergänzen. Das Grußwort schrieb Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidtke (SPD).

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