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Mühlentag
Der Traum von Mühlenflügeln

Jutta und Hans-Joachim Linthe sowie Anita Matthäs vom Niemegker Theaterverein haben aus Anlass des 20. Mühlenfestes an Großkopfs Mühle ein kleines Theaterstück zum Besten gebracht.
Jutta und Hans-Joachim Linthe sowie Anita Matthäs vom Niemegker Theaterverein haben aus Anlass des 20. Mühlenfestes an Großkopfs Mühle ein kleines Theaterstück zum Besten gebracht. © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 11.06.2019, 13:41 Uhr
Niemegk "Warum hat die Mühle keine Flügel", fragt einer der Besucher, die am Pfingstmontag an Großkopfs Mühle in Niemegk stoppen. Andreas Wendt, der das technische Denkmal im Rahmen von Führungen aus Anlass des Deutschen Mühlentages erklärt, hat die Antwort sofort parat. Er erklärt: "Sie wurden noch in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges abgeschossen".

Irgendwann soll die Turmwindmühle ihre Flügel zurückerhalten. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Rund 250.000 Euro, so Wendt, müssen für die Rekonstruktion der Windmühlenflügel inklusive der Haube aufgebracht werden.

Großkopfs Mühle war eine von mehr als 900 Mühlen, die am Pfingstmontag - dem Deutschen Mühlentag - bundesweit besichtigt werden konnten. Bei schönstem Sonnenschein wurde die Turmwindmühle am Ortsrand dann auch das Ziel vieler Ausflugslustiger und Technikinteressierter, die unter fach- und sachkundiger Führung das technische Denkmal  entdecken wollten.

Wendts Führungen begannen jeweils im Motorenhaus, dem "Herzstück" der Mühle und führten über die einzelnen Etagen bis unter die acht Tonnen schwere Haube. Vorbei an Mehlmischmaschine, Getreidequetsche, Walzenstuhl, Steinkran und Müllerfeist - einer Übernachtungskammer. "Weil der Müller manchmal auch in seiner Mühle schlafen musste. Wenn er Glück hatte, dann kam die Müllerin auch vorbei, um ihm etwas zu essen zu bringen", so Wendt mit Blick auf die winzige Kammer. Geschichte und Geschichten fesseln viele Besucher, von denen einige nicht zum ersten Mal vor Ort sind.

Wie in den vergangenen Jahren ist für die Menschen, die durch den Deutschen Mühlentag nach Niemegk gelockt werden, ein buntes Rahmenprogramm vorbereitet, dass durch Vereine der Stadt unterstützt wird. Unter anderem durch Jutta und Hans-Joachim Linthe sowie Anita Matthäs vom Niemegker Theaterverein.

Aus Anlass des 20. Mühlenfestes an Großkopfs Mühle haben sie ein kleines Theaterstück einstudiert. Es trägt den Titel: "Mühlengeist Otto" und basiert, wie es so schön heißt, auf wahren Begebenheiten. Otto, den Mühlengeist, stellt kein anderer als Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe dar.

Bravourös lassen die drei Hobbyschauspieler die bewegte Geschichte der Mühle Revue passieren. Gespickt mit kleinen Anekdoten, die in Niemegk fast schon vergessen waren. Denn Otto gab es wirklich. Er wurde 1908 als Sohn von Wilhelm und Lydia Großkopf geboren - die 1906 die Mühle an der Straße nach Zixdorf, in Höhe des Abzweigs nach Marzahna erbauen ließen. "Meine Eltern hatten ihre alte Mühle auf dem Schützenplatz abreißen lassen müssen. Durch die näher kommende Stadtbebauung hatten sich die Windverhältnisse dort immer mehr verschlechtert", so Mühlengeist Otto.

Nach dem die abgebaute alte Bockwindmühle nach Grabow verkauft war, wurde der Turmholländer erbaut. Eine so genannte "wetterfeste Mühle". Das Theatertrio erinnert natürlich auch an die Schicksalsjahre der Mühle während des Zweiten Weltkrieges. Als das halbstündige Theaterstück endet, werden die drei mit viel Applaus bedacht. Viele Menschen im Publikum danken zugleich mit einer Spende, die das Trio dem Verein Großkopfs Turmwindmühle Niemegk e.V. übergibt. Der Verein wurde 2008 gegründet, um die Mühle für die Nachwelt zu erhalten. "Bei der Sammelaktion des Theatervereins für den Mühlenverein sind 488,65 Euro zusammengekommen", so Hans-Joachim Linthe am Tag darauf. Mit dem Geld kommt der Mühlenverein seinem Traum, der Mühle eines Tages ihre Flügel zurück zu geben, wieder ein kleines Stück näher.

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