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Ensemble
"Dat do mien Liewster best"

Das Fläming Ensemble in kleiner Besetzung bei der letzten Probe: Peter Strümpel, Jana Lechky, Eberhard Hünig und Ensembleleiter Ronald Heber (v.li.).
Das Fläming Ensemble in kleiner Besetzung bei der letzten Probe: Peter Strümpel, Jana Lechky, Eberhard Hünig und Ensembleleiter Ronald Heber (v.li.). © Foto: B. Kraemer
Bärbel Kraemer / 12.07.2019, 09:58 Uhr
Bad Belzig Das in flämischer Mundart gesungene Repertoire des Fläming Ensembles wächst. Aktuell hat die siebenköpfige Musikformation unter Leitung von Ronald Heber aus Bad Belzig bereits vier Lieder einstudiert, die es in der Sprache der Altvorderen, dem Fläming-Platt, zum Besten gibt. Daneben singt das Ensemble altbekannte Volkslieder und solche aus Russland, Frankreich, Irland, Schottland, Tschechien und anderen Ländern. Das klingt im ersten Augenblick altmodisch, ist es aber nicht.

"Das Interesse an unserer Musik wird immer größer", sagt Heber und stimmt eines der Lieder in Flämingmundart an. "Dat do mien Liewster best" klingt es über den Hof, durch den Garten, auf die Straße. Wer vorbeikommt, hält inne. Die Sommertage, die dazu einladen im Freien zu proben, tun das ihre, um die Musik und mit ihr das Ensemble noch etwas bekannter zu machen. Gesungen und musiziert wird jeweils dort, wo die Mitstreiter zu Hause sind.

Vor knapp zwei Jahren fasste Ronald Heber den Entschluss, nicht mehr nur das gute alte Volkslied aus seinem Nischendasein zu befreien, sondern die alten Lieder auch in der Mundart der Altvorderen zu singen.

"Der große Einfluss des Flämisch Platt auf das heutige Hochdeutsch liegt auf der Hand. Diese Mundart sprach Martin Luther in Wittenberg. Er nutzte sie bei der Übersetzung der Bibel und verfeinerte die Rechtschreibung und Grammatik. Wir wollen das Flämisch Platt durch unsere Lieder wieder hörbar machen und zum Nachsingen anregen", so der 60-Jährige. Dafür musste der gebürtige Eislebener, der seit 39 Jahren im Fläming zu Hause ist, viele Kontakte knüpfen. "Ich war überrascht, wie viele Menschen sich bereits mit der Sprache beschäftigen", sagt der Hobbymusiker und erzählt von den Begegnungen mit Akteuren aus dem Jüterboger Heimatverein, dem Fläming-Flandern-Verein Wittenberg, dem Mitteldeutschen Trachtenverein und anderen.

Fast immer mit dabei, das "Flämische Liederbüchlein" aus dem Jahr 1917, dass der Bad Belziger in einem Antiquariat entdeckte und kaufte. Herausgeber desselben war die Deutsch-Flämische Gesellschaft, die es für die Flamen in Deutschland drucken ließ. Mit dem Buch in der Hand und der Idee im Kopf  - die gedruckten Lieder auch zu singen - trat er im vergangenen Jahr an an die Belgische Botschaft in Berlin heran. Dort erzählte er von seiner Vision und fand Gehör. Über die Botschaft kam er mit Katelijne Philips-Lebon in Kontakt.

"Sie hat uns dann ausgewählte Texte auf CD gesprochen", erzählt Heber. Mit dieser Grundlage begann die sprachliche Arbeit für Jana Leschky (Sopran), Wolfgang Süßenberger (Bass) und Ronald Heber (Bariton). Während sie den sprachlichen Part der Lieder einstudierten, widmeten sich Christina Jakoby, Helmut Engels, Peter Strümpel (alle Geige), Eberhard Hünig (Schlagzeug) sowie Bandleiter Heber (Gitarre) den instrumentalen Herausforderungen. Ziel war, sich so weit wie möglich am Originalsatz der uralten Takte zu orientieren und sie so zu präsentieren, wie sie die Flamen - die im 12. Jahrhundert den Landstrich besiedelten - gesungen haben könnten. Ihr Debüt in flämischer Mundart gab das Ensemble dann bereits im vergangenen Sommer auf dem Bad Belziger Altstadtsommer.

Seitdem wird die Gruppe immer öfter angefragt und ist im kleinen und im großen Rahmen, wie bei Wohnzimmerkonzerten und Open-Air Veranstaltungen, zu erleben. "In größeren Konzerträumen nutzen wir geniale Erfindungen wie beispielsweise Klangsäulen, Ringstrahler, Rundstrahler und Naturschallboxen, die für eine nahezu kugelförmige Ausbreitung der Klänge sorgt. Die Musik wirkt dadurch entspannter auf die Zuhörer", so Heber und ergänzt: "Wir verwenden für die Stimmung der Instrumente den Kammerton á mit einer Frequenz von 432 Hertz. Mit der Verringerung der Zugspannung der Saiten der Instrumente erzielen wir weichere Klänge. Die Musik wirkt dadurch entspannend, das Holz der Musikinstrumente schwingt besser und erzeugt einen leichten Nachhall", erläutert der leidenschaftliche Hobbymusiker.

Damit nicht genug. Am Ziel ist Ronald Heber noch lange nicht. "Ich bin in drei Richtungen unterwegs", offenbart er. Mit dem Fläming Ensemble, mit dem Tenor Heinz Dorn als Fläming Duo und immer öfter auch Solo als Liedermacher mit eigenen Repertoire.

Hintergrund:

Das Fläming Ensemble wurde 2016 in Lübnitz aus der Taufe gehoben. Erste öffentliche Auftritte fanden in der Reha-Klinik "Hoher Fläming" und beim "Festival für Freunde" in Dahnsdorf statt.

Die Gesichter der Musiker trifft man auch in anderen Chören.

Sie eint die Freude am musikalischen Zusammensein.

Beim Musiksommer in Altes Lager (10. August 2019), beim Höfe-Fest in Brandenburg/Havel (17. August 2019) und beim Fürstentag in Jüterbog (14. September 2019) ist das "Fläming Ensemble" wieder zu hören.

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