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Jubiläum
Feuerwehr bedeutet auch Gemeinschaft

Bärbel Kraemer / 09.09.2019, 12:20 Uhr - Aktualisiert 11.09.2019, 09:42
Neuendorf (MOZ) In Neuendorf bei Brück wurde am vergangenen Sonnabend ein runder Geburtstag gefeiert. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um dem Jubilar - der Freiwilligen Feuerwehr - zu gratulieren.

Im Juli 1929 aus der Taufe gehoben, galt es deren 90-jähriges Bestehen zu feiern und bei der Gelegenheit auch Rückschau zu halten. Ortswehrführer Bernd Fuhrmann erinnerte in seiner Festansprache an die Gründung der Wehr. 21 "gesunde kräftige und gewandte Männer mit gutem Ruf", so wurde es fünf Jahre später in der Satzung formuliert, hatten sich in den Dienst der Sache gestellt. Der noch heute genutzte Flachspiegelbrunnen in der Ortsmitte vor dem Gerätehaus ist stummer Zeuge der Gründung. "Er hat die Prägung 1929", erklärt Fuhrmann.

1977 hatte die Wehr eine Stärke von 58 Kameraden, davon 32 aktive. Es gelang, Frauen für die Arbeit in der Feuerwehr zu begeistern und erstmals eine Damengruppe zu gründen. "Sie war vorwiegend im vorbeugenden Brandschutz tätig", erinnert sich der Ortswehrführer. In den frühen 1970er Jahren war in Neuendorf wie in anderen Städten und Dörfern zudem eine "Arbeitsgemeinschaft Junger Brandschutzhelfer" gebildet worden. Ziel war es, Kinder in die Feuerwehrarbeit einzubinden. "Ich kam auch über die Arbeitsgemeinschaft zur Feuerwehr", so der 62-Jährige rückblickend. Über viele Jahre konnte die Wehr bei Ausscheiden erste Plätze belegen. Fuhrmann bemerkt: "Wir waren sehr gefürchtet".

Nach der Wende durchlebte die kleine Ortsfeuerwehr eine Zäsur. Die bis 1990 auf zwölf Köpfe gewachsene Damenriege löste sich auf. Der Nachwuchs blieb aus. Heute zählt die Neuendorfer Wehr wieder 13 aktive Kameraden und vier Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung. Heinz Gensicke ist mit 94 Jahren der älteste, Annelore Unger mit 69 Jahren das jüngste Mitglied in letzt genannter Riege. Auf die Frage, warum sie vor vielen Jahren in die Feuerwehr eintrat, sagt Unger: "Weil Feuerwehr auch Gemeinschaft bedeutet".

Eine eigene Kinder- und Jugendabteilung haben die Neuendorfer heute ebenfalls nicht mehr. Stattdessen wird der interessierte Nachwuchs bei den Wehren in Brück und Borkheide an das ABC der Feuerwehrarbeit herangeführt. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer. In den letzten zwei Jahren konnten drei neue Mitglieder gewonnen werden, im Jubiläumsjahr ein weiterer neuer Mitstreiter.

Dennoch: alters- und ausbildungsbedingt können die Neuendorfer nur teilweise alarmiert werden und ausrücken. Dafür gibt vier Atemschutzgeräteträger. Die Statistik ist in dieser Folge überschaubar. Fuhrmann hat die Zahlen im Kopf. So rückten die Kameraden der Ortsfeuerwehr in 2018 sieben mal und in 2019 bislang zwei mal zu Einsätzen aus. "Bei einigen Kameraden laufen gerade Ausbildungen. Wir hoffen in den nächsten Jahren auf aktivere Einsatzmöglichkeiten", so Fuhrmann, der seit 2014 an der Spitze der Ortsfeuerwehr steht.

Nach Gustav Mehlitz, Johannes Seehaus, Heinz Brauer, Rudi Lehmann und seinem Vater Gerhard Fuhrmann ist Bernd Fuhrmann der sechste Wehrführer seit der Gründung. Einige Jahre will er dem Amt noch die Treue halten und während dieser Funktion die Verwirklichung eines lang gehegten Traumes erleben. Die Verbesserung der räumlichen Bedingungen der Feuerwehr. "Von außen sieht das Gebäude gut aus, aber nicht von innen", sagt er. Für kurze Zeit verlässt der Ortswehrführer das Festgelände auf dem Sportplatz. Mit Ortsvorsteher Frank Schiffmann, Brücks Bürgermeister Matthias Schimanowski und Amtswehrführer Uwe Paul macht er sich auf den Weg zum Gerätehaus in der Ortsmitte.

Dort angekommen schließt er das Tor auf und bittet die Gäste, einzutreten. Das Einsatzfahrzeug, ein 25 Jahre alter TSF, steht auf dem Festgelände. Die Garage, in der sich die Feuerwehrleute auch umziehen müssen und in der die Ausrüstung aufbewahrt wird, kann so gut in Augenschein genommen werden. "Das war früher ein alter Kuhstall", erklärt Fuhrmann und deutet auf die Wände, in denen massiv Feuchtigkeit aufsteigt. Danach folgt ein Rundgang um das Haus, der an einer Giebelseite endet, die ebenfalls auf eine dringende Sanierung wartet. Die für die Bauarbeiten am Giebel erforderlichen Gelder stehen nach Schimanowskis Aussage bereits im Haushalt der Stadt bereit. Der Bürgermeister verspricht, im Amtsausschuss auch auf die Einstellung finanzieller Mittel für eine Feuchtigkeitssperre im gesamten Haus zu dringen. Paul betont, dass im 2019 erstellten Gefahrenabwehrbedarfsplan für das Amt Brück die Problematik des Neuendorfer Gerätehauses ebenfalls bereits benannt wurde. Fuhrmann erinnert auch daran, dass die alte Garage schneller zu klein werden könnte als allen lieb ist. "Unser Einsatzfahrzeug wird über kurz oder lang ausgetauscht werden müssen", gibt er zu bedenken und deutet auf einen alten Schuppen, nur wenige Meter vom Gerätehaus entfernt. Dieser könnte als Garage ausgebaut werden und so, das drohende Platzproblem lösen.

Schimanowski verspricht, dass neben den Sorgen der Neuendorfer Kameraden auch Fuhrmanns Anregung im Amtsausschuss beraten werden soll. Dann geht es zurück auf das Festgelände, wo bis spät in den Abend hinein tüchtig gefeiert wird.

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