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Festnachlese
"Das 20. werden wir noch viel größer feiern!"

Th. Messerschmidt / 19.09.2019, 17:30 Uhr - Aktualisiert 24.09.2019, 14:14
Groß Kreutz (MOZ) .  Wer nach einem Paradebeispiel für ein Volksfest sucht, wird in Groß Kreutz fündig. Hier wird seit dem Jahr 2001 das "Birnenfest"" gefeiert, das einst freiwillige Organisatoren ins Leben gerufen hatten und seit Gründung des Kulturförderverein Groß Kreutz e.V. im Jahr 2006 in Vereinshand liegt. Fortan verteilte sich die Arbeit auf mehr Schultern und das Fest wächst und wächst...

Stets am 2. Samstag im September wird der Birne gehuldigt, die sich stets auf den Feldern fand, die im Ortswappen Bestand hat und deren historische Bezüge in der feldsteinernen Dorfkirche nachgelesen werden können. Denn wenn ein Familienname und die Birne eng verbunden sind, dann die Ribbecks, die ab Priester Heinrich von Ribbeck im 13. Jahrhundert märkische Geschichte schrieben – und im 18. Jahrhundert auch in Groß Kreutz ansässig wurden. Das Geheimnis lüftete Pfarrer Sebastian Mews, der im Rahmen des Birnenfestes abermals zur Kirchenbesichtigung samt Turmaufstieg einlud. "Dass Groß Kreutz und die Birne historische Bezüge haben, ist auf einem der Epitaphe verewigt, die unsere Vorfahren glücklicherweise bewahrt und nicht zum Schrott getragen haben."  Die eisernen Zeugen schmücken inzwischen die Wände der ersten Turmetage zusammen mit Wappentafeln und dem alten Kirchturmuhrwerk. Und eben diese Epitaphe verraten, dass nicht nur die Namen von Hacken und von Arnstedt in Groß Kreutz vorherrschten, sondern auch der berühmte Name aus dem Havelland eine Rolle spielte. Auf einem Epitaph sind alle drei vereint: "Hier ruhet in Gott, bei ihren vorangegangen sechs Kindern, Frau Johanna Sophie Elisabeth von Hacken, geborne von Ribbeck, aus dem Hause Ribbeck, woselbst sie am 3ten August 1734 geboren und am 1ten Mai 1755 mit dem Herrn Erbschenken Carl Bodo Gottfried von Hacken auf Großen-Kreutz vermählt wurde und allhier am 8ten November 1797 starb.  Dies Andenken stiftete aus dankbarem Herzen die einzig überlebende Tochter Wilhelmine  von Arnstedt, geborene von Hacken." Sie lebte also zu jener Zeit, da Hans-Georg von Ribbeck mittags gerne Birnen an die Dorfkinder verschenkte und vor seinem Tod 1759 erbat, eine Birne mit ins Grab gelegt zu bekommen, sodass bald ein prächtiger Birnenbaum aus der Gruft erwuchs…  Gut möglich, dass sich die Vorliebe für Birnen schon im 18. Jahrhundert auf Groß Kreutz übertragen hat.  Fakt ist, seit beinah 20 Jahren ist ihr ein Fest gewidmet, in der ihre Rolle Jahr für Jahr wächst. Wie auch die Schar der Mitwirkenden und Besucher.

Groß Kreutz hat wieder groß gefeiert und der Kulturförderverein Groß Kreutz e.V. sich als eingespielter Festorganisator präsentiert. Ob Chorvorabend, Sportmorgen, Trödelmarkt, Kinderspaß, Modenschau, Gaumenfreuden, Kirchen-Aufstieg oder Partynacht - es war an alle gedacht. Und es hat Spaß gemacht!
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19. Birnenfest in Groß Kreutz

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Und weil das 19. Birnenfest vom Wetter mächtig begünstigt war, glich der Festplatz einem noch größeren Ameisenhaufen – und das ab dem frühen Morgen, als dutzende Helfer den Festplatz mit großem Zelt, Bühne und allen Ständen herrichteten. Darunter der Birnenstand, an dem schon bald eisgekühlter Birnensecco ausgeschenkt werden konnte, Birnensaft und Birnenbowle für Kinder zu haben waren, ebenso Möhrencremesuppe mit Birne, Birnen und Klöße, Birnenkompott und Birnenkuchen.  Ab 9 Uhr rollten die Trödler auf den Festplatz, um ihre Stände bis zum Feststart um 10 Uhr herzurichten. So begann das Groß Kreutzer Birnenfest traditionell mit dem Floh- und Handwerkermarkt, worauf alsbald die Startschüsse zum Birnenlauf  folgten. 71 Starter machten sich auf die 800 bzw. 5.000 Meter lange Strecke. Etwas abseits, nämlich auf dem Sportplatz des FSV Groß Kreutz, ließ die 2018 neu gegründete Volleyballabteilung auf der ähnlich jungen Beachvolleyballanlage den Volleyballwettbewerb aufleben, woran sich sechs Mannschaften beteiligten – drei aus Werder, zwei aus Groß Kreutz, eine aus Schenkenberg.  Sportlich konnte sich ganztägig auch auf dem Festplatz hinter dem Heimatmuseum und der Feuerwehr betätigt werden, da auf der gesperrten Bochower Straße ein Fahrrad- und Kettparcours der PM-Verkehrswacht aufgebaut  und dicht dabei für Kistenklettern gesorgt war und nebenan, dank CVJM, "Arrowtag" ausprobiert werden konnte. Auch die legendäre Strohpyramide war wieder aufgestapelt und von den Jüngsten stets belagert – nicht zu vergessen die stete Bewegung auf der Bühne. So beim Tanz der CCGK-Fünkchen, woran sich die Annemarie-Polka anschloss und das Publikum von den Sitzen holte. Beim kurzweiligen Unternehmer-Birnencup siegte "Audry Romano Kosmetik und Make-up Artist" vor der Tor- und Antriebstechnik Sven Jüngling  und Vorjahressieger Fliesenleger Marcel Lindow. Nun war die Erich-Kästner-Grundschule mit ihrem Programm an der Reihe – und die Zeit für eine einzigartige Festtradition gekommen. Jedes Jahr gibt es eine Motto-Modenschau, die Antje Schrade diesmal mit "Groß Kreutz macht blau" betitelt hat. So wurden blaue Uniformen, Blaumann, Schlumpfkostüme und blaue Festtagsmode zur Schau getragen. Die Abmoderation, "jetzt haben wir eine kurze Zeit blau gemacht und können nun am Zustand arbeiten", leitete zum Partyabend über, der mit der Band "Tor 11" und DJ Bay-Z zur langen, feucht-fröhlichen Nacht wurde. Ein tolles Fest ging zu Ende und hat trotzdem Steigerungspotential, jedenfalls bleibt das Versprechen von Birnenfest-Moderator Andreas Kenner im Ohr: "Das 20. werden wir noch viel größer feiern!"

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