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Freienthaler Baustelle
Ein Beethaus mit einer ganz besonderen Geschichte

Bärbel Kraemer / 23.09.2019, 17:00 Uhr
Freienthal Am Freienthaler Bethaus wird emsig gebaut. Einige Biberschwänze waren im Laufe der Jahre porös und die Dachrinne defekt geworden. In dieser Folge drang Feuchtigkeit ein, die den Dachlatten arg zusetzte und die in die Kirchenwände drang. Feuchte Wände deuteten bald darauf hin, dass das Dach undicht geworden war und Handlungsbedarf bestand.

Zwischenzeitlich hat das aufgenommene Dach an der Rückseite bereits eine neue Dachlattung erhalten. Die ersten Ziegel liegen bereits wieder auf dem Dach. Edgar Schwesig von der Firma Bausanierung und Bauwerkerhaltung in Rädel ist mit der Bauausführung beauftragt. Die Bauleitung liegt wiederum in den Händen des Diplom- Ingenieurs und Architekten Chris Rappaport aus Groß Kreutz.

Bei der Baustellenbesichtigung dieser Tage konnte er feststellen, dass die Dacharbeiten nach Plan laufen und schon zum Ende der kommenden Woche abgeschlossen werden können.

Die alten Ziegel werden größtenteils wieder verwendet. Die die ausgemustert werden, durch neue ersetzt. Entsprechend sorgsam erfolgte die Abdeckung. Die neue Dachrinne ist mittlerweile auch schon wieder installiert, sodass neuerliche Wasserschäden am Gebäude künftig verhindert werden. Sind die Arbeiten am Dach beendet, soll das Bethaus im Innern noch einen neuen Farbanstrich erhalten. Rund 30.000 Euro fließen in die Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes mit einzigartiger Geschichte. "An einem Bethaus zu arbeiten ist auch für mich etwas besonderes", sagt Edgar Schwesig, der im Verlauf seines Berufslebens bereits in vielen Kirchen tätig war. In doppeltem Sinn: Einerseits ist das Freienthaler Bethaus aufgrund seiner Bauform und seiner Geschichte für ihn einzigartig. Andererseits hatte seine Oma Käthe Schwesig, die über zwei Jahrzehnte Pfarrerin in Rädel war, auch Kontakte ins Dorf. In ihre Zuständigkeit fiel das nur zwei Kilometer entfernte Damelang, sodass Berührungspunkte nicht ausblieben. Seelsorger für Freienthal war damals wiederum ihr Berufskollege aus Brück.

Doch zurück zum Bethaus und seiner spannenden Geschichte. 1754 gründete König Friedrich II das Dorf Freienthal, auf Damelanger Gemarkung. Er siedelte sächsische Kolonisten an. In Ermangelung einer Kirche wurden die Gottesdienste durch den Neuendorfer Pfarrer Georg Christian Probst in einer Stube des Schulzen, der zugleich der Gastwirt war, gehalten.

Ein Zustand, der auf Dauer nicht haltbar war. So kam es, dass am 4. August des Jahres 1764 Oberamtmann Steinert aus Lehnin zur Feder griff, und folgendes an den König gerichtete Schreiben aufsetzte: "Wenn in einem wohl eingerichteten Gemeinwesen neue Familien und Gesellschaften angesetzt werden, welche mit vereinigten Kräften ihr Brot verdienen, ihre Glückseligkeit befördern und zum Besten und der Wohlfahrt des Landes nach allen Möglichkeiten auch was Nützliches beitragen sollen, so ist auch ein Bethaus nötig. Weder Schulanstalt noch Kirche sind vorhanden. In diesem jämmerlichen und beklagenswerten Zustande haben nun die 50 Familien 10 Jahre zugebracht ... Gegenwärtig nun wird der Gottesdienst im Krug in der ordinären Bierstube gehalten, worinnen vorher oder hinterher getrunken, geraucht und auch wohl getanzt wurde. Wenn das Heilige Abendmahl gereicht wird, so haben die Communikanten nicht Platz in der Stube und auf dem Flur, sondern müssen auf der Straße stehen."

Ganze 20 Jahre später - 1784 - wurde dann endlich das kleine Freienthaler Bethaus erbaut. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Turm, glich es äußerlich der vorhandenen Wohnbebauung. Im Jahre 1792 ließ die Gemeinde dann auf eigenen Kosten den kleinen Turm errichten. Um 1800 entstand als Anbau die Dorfschule. Beide Gebäude wurden erst um 1900 massiv ausgebaut. Mitte der 1960er Jahre waren letztmals Arbeiten an der Kirche erledigt worden. Neben Dacharbeiten erfolgte der Bau einer Brandmauer (dadurch wurde die Trennung zur Lehrerwohnung erreicht) und einer neuen Treppe zum Boden auf dem Glocke geläutet wurde.

Die 30.000 Euro teure Investition unterstützte die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark mit einer Spende in Höhe von 15.000 Euro. Die Differenz hat die kleine Freienthaler Gemeinde über viele Jahre angespart. "Das rührt mich", sagt Lydia Junghanß aus Lütte, die in den vergangenen Jahren bereits mit viel Herzblut die Kirchensanierungen in Lübnitz und in Bad Belzig begleitete und sich jetzt für das Freienthaler Bethaus einsetzt. Sind die Arbeiten komplett abgeschlossen, darf sich die Gemeinde auch noch über ein neues Harmonium freuen. Das Instrument wird gespendet und steht schon bereit.

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