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Domgymnasium mit Weinberg(en)
Der Traubentraum wird immer größer

Schulleiter Dr. Winfried Overbeck freut sich mit den Schülern der Weinberg AG und Domkellerei Schüler eG über den Traubensegen der jüngsten Ernten.
Schulleiter Dr. Winfried Overbeck freut sich mit den Schülern der Weinberg AG und Domkellerei Schüler eG über den Traubensegen der jüngsten Ernten. © Foto: Th. Messerschmidt
Th. Messerschmidt / 02.10.2019, 17:00 Uhr
Brandenburg an der Havel (MOZ) Rheinländische und fränkische Siedler sollen es gewesen sein, die im 12. Jahrhundert Weinreben ins Gebiet zwischen Elbe und Oder gebracht haben, wobei Brandenburg an der Havel zugeschrieben wird, der älteste märkische Weinbaustandort zu sein. Spätestens einhergehend mit der Gründung des Domkapitels im Jahr 1161, das 1165 von der Kaufmannssiedlung Parduin (Altstadt) zur einstigen Stätte der Brandenburg (Dominsel) übersiedelte, wo ab 11. Oktober der Dom entstand. Der Wein reifte nur 1.300 Meter entfernt auf dem Harlunger Berg (Marienberg) – und heute in nur 300 Meter Entfernung. Als dort im Domkietz 1973 ein Schulgebäude (seit 2006 Domgymnasium) gebaut wurde, gab es nirgends mehr im Land Brandenburg gewerblichen Weinanbau. Inzwischen sind es wieder rund 40 Hektar – von über 100.000 in ganz Deutschland – und zwei Standorte in Brandenburg an der Havel: die BRAWAG hat 2013 ihren Trinkwasserbehälter auf dem Marienberg mit 3.000 Reben bepflanzen lassen und das Domgymnasium sich 2014 einen Schulweinberg geschaffen. Wenn auch nur mit 150 Rebstöcken besetzt, so bringt das Projekt der Havelstadt wieder ein All(w)einstellungsmerkmal ein. Und das Domgymnasium legt nach: Die Erweiterung dieses einzigartigen Schulweinberges im Mai 2018 um 30 Rebstöcke der pilzwiderstandsfähigen Rotweinsorte Cabernet Cantor  hat 110 Kilo und eine "Sensation" eingebracht, wie Schulleiter Dr. Winfrid Overbeck beim nunmehr fünften Weinbergfest jüngst kundtat: "Brandenburg hat seinen ersten Rotwein!" Am 14. September sei der Rote geerntet und ein Teil mit dem Seminarkur "Weinbau & Önologie" auf traditionelle Weise barfuß in einer Wanne zerquetscht worden, "das sah aus wie im Schlachthaus", lässt Overbeck die Zuhörer wissen. "Die Maische kam dann für zwei Tage in den Heizungskeller, vier Tage in den Weinkeller, wurde ausgepresst und befindet sich nun im Gärbehälter. Die Geschmacksprobe ist verheißungsvoll!" Wie schon zuvor die Solaris-Trauben und in den ersten Oktober-Tagen dann der Johanniter, mündet das Gros der Ernte aber in Traubensäften und "Traubentraum"-Fruchtaufstrichen, die bei Schulveranstaltungen Verkaufsschlager sind. Und womöglich ist all das bald in viel größeren Mengen zu haben. Denn wie Overbeck verriet, geht der Traum vom großen Weinberg in Erfüllung. Wenn auch nicht am Ortseingang in Klein Kreutz wie mit Domstiftsgut-Pächter Heinrich Thiermann ausgeheckt. "Der Standort erwies sich als Trockenrasen und Naturschutzgebiet, doch haben wir eine alternative Fläche am Segelflugplatz gefunden", verkündete der Schulleiter. Zum 1. März 2019 habe die Schulstiftung 1,5 Hektar gepachtet, und der Antrag auf Erteilung von Reb-Rechten sei vorerst für 0,3946 Hektar positiv beschieden worden. "Auf der Hälfte der genehmigten Fläche werden wir am 25. April 2020  die ersten 900 Rebstöcke pflanzen und dann geht es Jahr für Jahr weiter. Geplant und entwickelt wird das Projekt vom Seminarkurs 11", so Winfried Overbeck." Das Gelände soll mit Streuobstwiesen und Wildgehölzstreifen ergänzt  werden und den Schülern nebst traditionellem Weinbau auch Wissen über Artenvielfalt, Landwirtschaft und zukunftsfähiges Leben vermitteln. Ohnehin überwachen sie die Einnahmen und Ausgaben und entscheiden, in welche Neuanschaffungen für die Weinverarbeitung investiert wird.

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