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Orgelworkshop in Preußnitz
Jazz und Operetten auf der Orgel gespielt

Eva Loth / 11.03.2020, 11:00 Uhr
Preußnitz Die Orgel ist ein Blasinstrument. Diese Tatsache ruft bei vielen Erstaunen hervor, schließlich hat sie Tasten. Aber wenn der Spieler eine Taste drückt, strömt Luft in die Orgelpfeifen und erzeugt einen Ton.

Diese und viele andere Informationen erfuhren Organisten der Region kürzlich auf einem Orgelworkshop in der kleinen Kirche in Preußnitz. Eingeladen hatte Kantor Winfried Kuntz aus Bad Belzig. Und war selbst über das große Interesse erstaunt. Immerhin kamen 13 Organisten, um sich Rat und Tipps zu holen. Die meisten spielen die Orgel ehrenamtlich. Einige waren vom Klang der Orgel begeistert, so dass sie spielen lernen wollten, andere wurden vom Pfarrer gebeten, wieder andere wollten sich im "Alter" noch einmal etwas Gutes tun und eine Freizeitbeschäftigung finden. Jedoch übt meist jeder für sich. Während des Workshops konnten sie sich austauschen, aber auch Tipps und Hinweise zum Spielen von Winfried Kuntz holen. Dieser gibt seine Erfahrungen und sein Wissen gern weiter.

Zu Beginn erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über die "Königin der Instrumente" selbst. Die war ursprünglich kein Instrument für die Kirchen, in denen sie heute hauptsächlich bespielt wird. Sie wurde als Unterhaltungsinstrument erfunden und passte früher in eine tragbare Kiste. Sie kommt wohl aus den östlichen Regionen der Welt. Der Erfinder war laut Überlieferung aber kein Musiker, sondern ein Ingenieur, der auch Wasserspiele und Feuerwehrspritzen erfand: Ktesibios aus Alexandria. Dieser lebte von 283-246 v. Chr. Nach Europa kam die Orgel um 757. Überliefert ist, dass Kaiser Konstantin V. dem Frankenkönig Pippin eine Orgel als Gastgeschenk mitbrachte.  Sie gelangte an den Hof von Karl dem Großen und trat dann ihren Siegeszug durch Europa an. Aber es dauerte noch 700 Jahre bis zur Entwicklung der Orgel, wie wir sie heute kennen.

Die ersten Orgeln klangen nicht besonders schön. Selbst Luther bezeichnete sie als Teufelspfeifen. Sie  waren mechanisch, erst ab 1900 hat die Pneumatik die Mechanik ersetzt. Aber nicht alle Orgelbauer wollten das Instrument nach der neuen Bauweise herstellen. So gab es zu der Zeit um die Jahrhundertwende viele Suizide unter den Orgelbauern, weil sie einfach keine Aufträge mehr bekamen. Zu jeder Zeit gab es gute und weniger gute Meister, einige erlernten den Orgelbau autodidaktisch.  So ist überliefert, dass sich ein Bäckermeister aus Treuenbrietzen, nachdem er vormittags Brot und Brötchen gebacken hatten, nachmittags mit dem Orgelbau beschäftigte.

Die Orgel war schon immer ein Prestigeobjekt. Früher fand man sie nur in Kirchen, wo eine Herrschaft, also auch genug Geld vorhanden war. Neue Orgeln werden heutzutage kaum noch gebaut, die Orgelbauer leben hauptsächlich von Restaurationen. Selten werden neue Orgeln gebaut, wie derzeit in Lübeck. Diese wird wohl etwa 10 Millionen Euro kosten, erzählt Kantor Winfried Kuntz. Bis zur Fertigstellung werden noch fünf bis sechs Jahre vergehen. So etwas  geht aber nur in den Fällen, wo genug Geld oder eine große Lobby vorhanden ist.

Die Orgeln in der heimischen Region sind meist pneumatisch, aber oft funktionieren sie trotz Restaurierung nicht richtig, wie die in Reetz. Und es kommt auch nicht auf die Größe einer Orgel an. Viel wichtiger ist der Raum, in dem sie steht. Dieser macht 50 % des Klangs des Instruments aus. Und eine Orgel sollte regelmäßig bespielt werden.

Kantor Winfried Kuntz gab den Anwesenden Organisten Hinweise, wie in einem Gottesdienst gespielt werden sollte. Die Orgel soll die Menschen beim Singen unterstützen, daher ist die Balance zwischen Orgel und Gesang sehr wichtig. "Einen falschen Ton verzeihen die Leute", so Kuntz, "aber der Rhythmus muss stimmen." Man muss auch keine fünf verschiedenen Lieder für einen Gottesdienst einüben. Es gibt viele schöne Texte, welche ein und dieselbe Melodie haben. Denn da die meisten Organisten im Ehrenamt tätig sind, fehlt oft die Zeit für stundenlanges Üben. "Zwei bis dreimal in der Woche sind ausreichend", so Kantor Kuntz. Viele Organisten tun sich schwer mit der Benutzung der Pedale. Auch das ist nicht so kompliziert, wie viele denken. Man muss nicht mit den Füßen hin und her hopsen. Oftmals reichen die Betätigung eines oder zweier Pedale, wobei dann die Melodie nur mit einer Hand gespielt werden kann. Das klingt durchaus ansprechend, wie Winfried Kuntz an Beispielen zeigte. Außerdem machte er den Organisten Mut, selbst etwas auszuprobieren. Auch Jazz oder Operettenmelodien klingen wunderbar. Werner Oeler aus Wiesenburg hat das mehrmals in verschiedenen Konzerten bewiesen und dafür großen Beifall bekommen.

Neben vielen praktischen Hinweisen hatte Kantor Winfried Kuntz natürlich auch Noten und anderes Material dabei, welches von den Organisten gern angenommen wurde. "Es geht beim Spielen immer darum, den Menschen das Singen zu erleichtern", so das Fazit von Kantor Winfried Kuntz.

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