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Leben und arbeiten auf dem Land
Sommertour führte Heiner Klemp und Marie Schäfer auch zu Projekten nach Bad Belzig und Wiesenburg

Liegen in der parlamentarischen Sommerpause nicht auf der faulen Haut, sondern sind in ihrem Wahlkreis unterwegs um Menschen und Einrichtungen kennenzulernen: Heimer Kemp und Marie Schäfer zu Gast im Coconat.
Liegen in der parlamentarischen Sommerpause nicht auf der faulen Haut, sondern sind in ihrem Wahlkreis unterwegs um Menschen und Einrichtungen kennenzulernen: Heimer Kemp und Marie Schäfer zu Gast im Coconat. © Foto: E. Loth
Eva Loth / 01.08.2020, 17:00 Uhr - Aktualisiert 03.08.2020, 10:12
Bad Belzig "Die parlamentarische Sommerpause bedeutet nicht, dass wir auf der faulen Haut liegen", sagte Heiner Klemp schmunzelnd bei seiner Ankunft im Coconat in Klein Glien. Der Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen nutzt die Zeit, um sich in seinem Wahlkreis umzuschauen sowie Menschen und Einrichtungen kennenzulernen. Denn er ist in seiner Fraktion für Kommunalpolitik zuständig. Besonders interessiert er sich für das Thema "Leben und Arbeiten auf dem Lande". Deshalb stand das Coconat auch ganz oben auf seiner Wunschliste der Orte, die er besuchen wollte. Eine Rolle spielte dabei sicher auch, dass er selbst ursprünglich aus diesem Bereich kommt. Heiner Klemp hat Informatik studiert und anschließend in vielen Unternehmen in diesem Bereich gearbeitet. In der Politik ist er sozusagen ein Quereinsteiger. Ihm angeschlossen hat sich für diesen Besuch Marie Schäfer. Auch sie hat ein Informatikstudium absolviert und ist nun Fraktionssprecherin genau für diesen Bereich, nämlich die Digitalisierung. Als sie erfuhr, dass Heiner Klemp das Coconat und auch Wiesenburg besuchen wollte, schloss sie sich kurzerhand an. Das Coconat ist für beide sozusagen der Ursprung für das Arbeitsmodell Co-Working auf dem Land. "Da muss man einfach gewesen sein", so die beiden. Zudem ist besonders für Heiner Klemp wichtig, den ländlichen Bereich aufzuwerten. Dazu gehören nicht nur schnelles Internet, sondern vor allem auch die Mobilität.

Von Janosch Dietrich und Gerritt van Doorn erfuhren sie nun, wie sich das Coconat etabliert hat und welche Schwierigkeiten zu überwinden waren. Die Macher des Coconut gingen nämlich sozusagen rückwärts an die ganze Sache heran. Für die meisten, die aufs Land wollen, steht der Wohnraum im Vordergrund und dann wird überlegt, welche beruflichen Möglichkeiten es gibt. Beim Coconat war es umgekehrt. Zuerst schaute man sich um, wo die Voraussetzungen für die Arbeit auf dem Land gegeben waren. "Wohnen auf dem Gutshof war nie Bestandteil des Projektes", so Janosch Dietrich. Die vorhandenen Zimmer werden über einen bestimmten Zeitraum nur vermietet. Die Auslastung bei den Zimmern liegt derzeit bei etwa 65%. Aber das Geschäftsmodell funktioniert. Immerhin generiert man einen Umsatz von 500 bis 600 Tausend Euro im Jahr.

Inzwischen ist das Coconat in der Region "angekommen". "Wir erfahren viel Anerkennung", so Gerritt van Doorn. Im vergangenen Jahr hat das Coconut fast alle ostdeutschen Tourismuspreise abgeräumt und zusätzlich auch den gesamtdeutschen Tourismuspreis. Inzwischen interessiert man sich auch international für das Projekt. Für die Bewohner von Klein Glien selbst war es wichtig, dass sie mit einbezogen wurden. "Das war von Anfang an unser Bestreben, die Menschen vor Ort mit einzubinden", erklärt Janosch Dietrich. Inzwischen finden im Coconut sowohl Ortsbeiratssitzungen und Feuerwehrzusammenkünfte statt, was bei den vorherigen Besitzern nicht möglich war. Zusätzlich gibt es jetzt auch einen Raum, wo Arbeitsplätze für einheimische Firmen und Personen zur Verfügung gestellt werden. Im Coconantenclub zahlt man 50 Euro monatlich und kann dafür dort unbegrenzt täglich arbeiten.

Für die beiden Landtagsabgeordneten steht natürlich auch die Digitalisierung auf der Agenda. Sie interessierten sich für die Bad Belzig App, aber auch für den Breitbandausbau. Derzeit ist das Thema 5G groß in der Diskussion. Das sehen alle in der Gesprächsrunde besonders für junge Leute als wichtig an, während für die älteren Bevölkerungsschichten eher Mobilität und Versorgung eine Rolle spielen. Eine gesicherte Breitbandversorgung ist in der heutigen Zeit jedoch unabdingbar, nicht nur für den privaten, sondern besonders für den geschäftlichen Bereich. Deshalb befürwortet Heiner Klemp ausdrücklich die Initiative des Smart-Village-Projektes mit Bad Belzig und Wiesenburg. "Es ist interessant, dass Digitalisierung oft zuerst auf dem Land beginnt", so der Abgeordnete, "kleine Gemeinden sind da mutiger." Immerhin hat sich Potsdam nicht getraut, einen entsprechenden Förderantrag zu stellen. Aber auch in Bad Belzig und Wiesenburg waren sich nicht alle Gemeindevertreter und Stadtverordneten sofort einig. In Wiesenburg regt sich mit einer Bürgerinitiative Wiederstand gegen den 5G Ausbau. Deshalb ist es für Gerritt van Doorn und Janosch Dietrich ganz wichtig, von Anfang an die Bürger mitzunehmen, sie mit einzubeziehen. Aber wie erreicht man diese? Und auch die Ortsvorsteher und Bürgermeister? Das steht noch viel Arbeit bevor. Einen ersten Eindruck, welche Pläne es gibt, Natur und Technologie in Einklang zu bringen, haben Heiner Klemp und Marie Schäfer in Klein Glien bekommen. In Wiesenburg ging es dann am Bahnhof um das geplante Ko Dorf. Das ist das genau umgekehrte Konzept wie das Coconat. Hier wollen die Menschen auch gemeinsam in einer Gemeinschaft leben und dort auch arbeiten. Den Abschluss des Besuchs im Fläming bildete eine Besichtigung der alten Brauerei und der Drahtzieherei. Auf dem Gelände letzterer nehmen die Pläne des Smart Village Campus langsam Gestalt an.

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