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Brandenburgs Waldbesitzer fordern Entschädigung für nicht nutzbare Schutzzonen

Vogelwelt
Mehr Adler, mehr Probleme

Erfreuliche Trendwende: Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der brütenden Uhus im Land von 21 auf 38 gestiegen. In den 90ern galten die Vögel in Brandenburg quasi als ausgestorben.
Erfreuliche Trendwende: Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der brütenden Uhus im Land von 21 auf 38 gestiegen. In den 90ern galten die Vögel in Brandenburg quasi als ausgestorben. © Foto: ZB/Patrick Pleul
Ulrich Thiessen / 22.01.2018, 20:30 Uhr - Aktualisiert 23.01.2018, 10:10
Potsdam (Ulrich Thiessen ) Die Zahl der Großvögel in Brandenburgs Wäldern nimmt zu. Der Schutz der Horste von Adlern oder Schwarzstörchen ist jedoch nicht konfliktfrei. Waldbesitzer fordern vom Land Ausgleichszahlungen für die eingeschränkte Nutzung ihrer Flächen.

Die Statistik des Umweltministeriums sieht erfreulich aus. Die Zahl der Brutpaar bei den großen Waldvögeln hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Gab es 2011 noch 562 brütende See-, Fisch- und Schreiadlerpaare, so waren es fünf Jahre später 592. Die Zahl der brütenden Wanderfalken stieg von 42 Paaren auf 66 und die der Uhus von 21 auf 38. Torsten Langgemach von der Vogelschutzwarte Brandenburg berichtet, dass Wanderfalken und Uhus in den 90ern quasi als ausgestorben galten. Inzwischen haben sie sich wieder angesiedelt.

Eine Ausnahme ist der Schwarzstorch. Die Zahl der Brutpaare hat sich von 53 zu Beginn des Jahrzehnts um drei Paare verringert. Im Westen Deutschlands nimmt die Zahl dieser Vogelart zu, in Brandenburg nicht. Langgemach erklärt, dass Schwarzstörche immer häufiger ihre Horste wechseln, was auf Störungen der scheuen Tiere schließen lässt.

Die Zahl der Schreiadler hat sich in Brandenburg stabilisiert, die Bestände an Fisch- und Seeadlern nimmt allmählich zu. Für  Langgemach lässt sich das auch auf den Horstschutz zurückführen, der bereits in den 60er-Jahren eingeführt wurde. Darin ist unter anderem geregelt, dass 300 Meter um einen Horst herum Land- und Forstwirte zwischen Februar und August keine Maschinen einsetzen dürfen. Im Umkreis von 100 Metern darf der Charakter des Gebietes gar nicht verändert werden.

Der Waldbesitzerverband fordert deshalb eine Entschädigung vom Land. Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forum Natur, zu dem auch der Waldbesitzerverband gehört, spricht von Eigentümern, auf deren Fläche sich drei und mehr Adlerhorste befinden. Das führe zu erheblichen Einschränkungen bei der Nutzung des Waldes. Der Bewirtschafter werde bestraft, sobald eine Fläche, beispielsweise durch die Ansiedlung einer seltenen Art, ökologisch wertvoller wird. Ähnlich wie beim Vertragsnaturschutz, bei dem der Landwirt für extensive Bewirtschaftung oder die Pflege von Rainen und Hecken einen Ausgleich erhält, sollten auch Waldbesitzer entschädigt werden, fordert Beyer.

Der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu), Friedhelm Schmitz-Jersch, lehnt das ab. Eigentum verpflichtet, das gelte auch für Waldbesitzer, argumentiert er. Das Umweltministerium sieht ebenfalls keinen Grund, Entschädigungen einzuführen. Außerdem hat es keine Erkenntnisse über den Ausfall für Waldbesitzer, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benjamin Raschke.

In den vergangenen Jahren gab es in der Uckermark immer wieder Vorwürfe, Investoren von Windparks würden Horstbäume illegal fällen, um die Abstandsregelungen des Adlerschutzes nicht einhalten zu müssen. Nachgewiesen werden konnten solche Frevel nie, räumt Schmitz-Jersch ein. Seitdem die Umgebung von Horsten fünf Jahre lang geschützt ist, auch nachdem sie verlassen oder der entsprechende Baum gefällt wurde, sei die Gefahr nicht mehr so groß, sagt der Nabu-Chef. Für Beyer ergibt sich ein weiteres Problem. Adler brüten nicht immer im selben Horst. Sie können zwei oder mehrere haben, die sie abwechselnd nutzen. Umso größer werde die Belastung für die Waldbesitzer.

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