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Unternehmen rechnen mit erheblichen Mehrkosten durch die 15 Monate gesperrte B 198

Bundesstraße
Sperrung mit Millionenschaden

Verwaiste Autobahn-Zufahrt: Seit einer Woche ist die Bundesstraße 198 für Bauarbeiten gesperrt, Kraftfahrer müssen lange Umwege in Kauf nehmen. Ein Bagger hat kurz vor Klein Ziethen damit begonnen, an der Seite Erde auszuheben.
Verwaiste Autobahn-Zufahrt: Seit einer Woche ist die Bundesstraße 198 für Bauarbeiten gesperrt, Kraftfahrer müssen lange Umwege in Kauf nehmen. Ein Bagger hat kurz vor Klein Ziethen damit begonnen, an der Seite Erde auszuheben. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 10.10.2017, 22:10 Uhr
Schwedt (MOZ) Die 15-monatige Sperrung der B 198 zur Autobahn verursacht Millionenschäden in der Wirtschaft. Industrie und Speditionen in müssen Mehrkosten für kilometerlange Umwege und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen.

Die Vollsperrung der B 198 und der damit verbundene Umweg von mindestens 12 Kilometern ist für Autofahrer, die gelegentlich nach Berlin fahren, zwar ärgerlich. Für die Wirtschaft, Berufspendler und Firmen, die in Berlin und im Speckgürtel arbeiten, bedeutet die Sperrung einen klaren wirtschaftlichen Nachteil.

Felix Lösch hat das einmal genau nachgerechnet. Er ist Geschäftsführer der Firma Leipa Logistik, die zusammen mit Subunternehmen täglich um die 200 Altpapiertransporte nach Schwedt und Papiertransporte zu Kunden in ganz Deutschland und darüber hinaus organisiert. Die Laster fahren normalerweise über die B 198 auf die Autobahn. "Die ausgeschilderte Umleitung hat einen Umweg von zwölf Kilometern, für Lkw ist allerdings die Fahrt über das Autobahndreieck Uckermark realistischer, also 24 Kilometer Umweg. Das bedeutet Mehrkosten für unsere Flotte von 1,1 Millionen Euro im Jahr", erklärt Felix Lösch. Wenn Leipa im Februar die UPM-Maschine umgebaut und die Produktion von 450 000 Jahrestonnen Verpackungspapier gestartet hat, steigen die Mehrkosten für den Transport seinen Berechnungen zufolge sogar auf 3 bis 6 Millionen Euro pro Jahr - nur für den Umweg.

Die Gesellschafter der PCK Raffinerie verschicken ihre Produkte größtenteils über die Pipeline und per Bahn. Zur direkten Belieferung von Tankstellen, Bitumenauslieferung oder zur Versorgung des Flughafens Berlin Tegel aber rollen zirka 200 Tanklaster täglich aus der Verladung der Raffinerie. Harry Gnorski ist bei der PCK für die Logistik verantwortlich. "Die Spediteure fahren meist über das Autobahnkreuz Uckermark. Das ist ein Umweg von 48 Kilometern hin und zurück. Für zwei Touren am Tag heißt das knapp 100 Kilometer mehr. Das kann sich jeder selbst ausrechnen, was das an Zeit und Kosten ausmacht."

Harry Gnorski ist wie viele seiner Kollegen vor allem über die lange Dauer der Vollsperrung für die vergleichsweise kurze Strecke sauer. "Man hat immer den Eindruck, dass die Firmen nur einen Bagger auf die Baustelle stellen, in Wirklichkeit aber noch anderswo zu tun haben. Hauptsache, sie haben den neuen Auftrag. Wenn wir so arbeiten würden bei PCK, wären wir heute alle arbeitslos", schimpft Harry Gnorski.

Die Firma Johs Martens fährt das in Schwedt produzierte JetA1 Flugbenzin nach Berlin. Fuhrparkleiter Jochen Mohn aus Hamburg erklärt: "Wir haben drei Fahrzeuge im Einsatz, die von jeweils drei Mann rund um die Uhr gefahren werden. Bisher dauert ein Durchlauf von Schwedt bis Schwedt zurück sechseinhalb Stunden, jetzt bis zu acht Stunden, nur in der Nachtschicht bei freien Straßen läuft es besser."

Ronald Garkisch, Chef der Spedition Euba, hat 20 Lkw am Tag auf der Strecke nach oder von Berlin. "Ein Kilometer kostet 1,30 Euro. Zwölf Kilometer mehr kosten uns jeden Tag 300 Euro mehr. Noch bitterer finde ich, dass der Wirtschaftsstandort Schwedt unattraktiv wird. Das ist für mich unbegreiflich, wie man eine so lange Vollsperrung zulassen kann", sagt Garkisch.

Kommentar

Wer gute Straßen will, muss mit Sperrungen leben, klar. Ohne Sperrungen kann man nicht bauen. Es war die Wirtschaft, die seit Jahren nach einer besseren Autobahn-Anbindung schreit. Jetzt bekommt sie die, klagt aber trotzdem? Sie klagt zu recht. Wer den Wirtschaftsstandort Schwedt von seiner Lebensader nach Berlin abhängt und Millionen Mehrkosten verursacht, kann nicht erwarten, dass man ihn noch für seine gute Tat lobt. Die Bauherren vom Land, die festgelegt haben, dass die Baufirma für drei Kilometer Spurerweiterung 15 Monate unter Vollsperrung Zeit bekommt, haben schlichtweg vergessen, für wen diese Straße gebaut wird: Angermünder, Pinnower, Schwedter und jene Unternehmen, in denen diese Menschen arbeiten. Ob die Straße auch 15 Monate lang unter Vollsperrung gebaut worden wäre, wenn die Bauherren in Schwedt oder Angermünde wohnen oder arbeiten würden? Michael Dietrich

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